Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 41 (2.10.1848)
- Date
- 1848-10-02
- Page
- Seite 592 (sequence 8)
- Language
- German
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zü kämpfen? Wären wir noch da nbürdig -eff Namen. Jude zu tragen? v Wir haben bis jetzt über die Betheiligung der Juden an den nationalen Bewegungen der . Polen geschwiegen, weil wir diese Betheiligung als etwas Natürliches und Nothwendiges betrachtet, was nicht erst öffentlich besprochen zu werden braucht. Wir werden aber durch die zwiefache Verleumdung herausgesordert, unser Schweigen zu brechen. Nun, wir wollen sprechen, und hoffen, daß dies ein „eigenthümliches Licht^ über die letzten, polnischen Bewegungen werfen wird, freilich ein viel vorteilhafteres, als. es der pariser Einsender glaubt. Die Juden aus Polen, die in der Emigration gelebt (wie der größte Theil derjenigen, die im Lande selbst leben), betrachteten -stets die Sache der Polen als die Ihrige. Nach den pariser Februarereigniffen, wo die nationalen Bewegungen der Polen ihren Kulminationspunkt erreicht, nahmen alle Juden an den Versammlungen und Berathungen, thätigen Antheil und hatten auch vollkommenes Stimmrecht: Ja sogar bei dem wichtigsten politischen. Akte, der Wähl eines polnischen Nationälkomite's, das mit der Vertretung der polnischen Angelegenheiten beider französischen Regierung beauftragt wurdestimmtezMie Juden mit. Außerdem hielten Letztere besondere Versammlungen in denen die minder Gebildeten unter ihnen über, das Wesen der Bewegung und ihre Stellung zu derselben belehrt wurden. Aus diesen Versammlungen ging eine Adresse an das Nationalkomite ' hervor,, die demselben, die Hingebung der Juden für die polnische Sache ausdrückte und die Zusicherung aussprach, in einem Kampfe gegen Rußland alle ihre Krqfte und selbst ihr Leben zu opfern. Bei dem ersten Ruse : Nach Polen! waren auch die Juden unter den Ersten, die sich in die Liste.der Abmarschirenden eingetragen. Wir, Christen und Juden, versammelten uns darauf an einem Sonntage in der St. Rochkirche, wo die Fahne der Freiheit, Gleichheit und Bruderliebe eingeweiht wurde, und begaben uns. von. da im Zuge nach dem Hotel de Ville. Einige Tage später verließen wir als erste Kolonne Paris.. Diese Kolonne zahlte 40. Juden, worunter. ein. Familienvater und Fabrikbesitzer. Mit den anderen. Kolonnen sollten die übrigen Juden Nachfolgen, die, meist Familienväter, wegen der Schnelligkeit des Abmarsches ihre häuslichen Angelegenheiten noch nicht regulirt hütteb): Während üffstM günM MKsches MMe uns Alle- Christen und Juden, gegeffftiMeÄllchtüng und brüderliche Eintracht dieftsffalMlich'e BerhältniffH auch jetzt, nach einem sechsmonatlichen Zusammenleben, durch Nichts gestört worden. Noch nie hatten wir den Namens KuW schimpflich erwähnen hören. — Zum Beweise, daß'die erste Kolonne nicht einmal die Spur einet religiösen Färbung an-WKägt, möge der Umstand hervorgehobrn ' werdenn daß aüs dem Wege von Paris nach Straßburg der ^Gdistliche Godlewski und der Offizier Korzeniowski als' spezifisch ka th o lisch er 'Tendenzen beschulbigtüttd überführt aus der Kolonne durch - einstimmigen Beschluß ausgestoßen wurden. Und noch mehr, eine Kompagnie entfernte wegen unmoralischen Betragens ihren christlichen Arzt und wählte (wie: überhauptalle Offiziere durch freie Wahl ernannt werden) an seiner'.Statt einen jüdischen', dem siö das Theuerste: Gesundheit und Leben anvertraut. - Es. ist also von einem Schwur, „die^wahre Religion zu verbreiten", nicht nur gar' keine Rede KM sen, sondern ein Solcher war, wie es deutlich aus dett Thatsachen, die ich mit meiner-Ehre verbürge, > h'ervorleuchtet, durch bic* eigentümliche Zusammensetzung der Kolonne und durch den Geist, der siebeftelt,eütt : absolute Unmöglichkeit:. ‘ - Wenn nun die aufgestellten Behauptungen und die angeführten. Thatsachen des Berf. falsch sind, so sind die daraus gezogenen logischen Schlüffe notwendig auch falsch. „Zwar richtet der Vers nun die Aufforderung nach 'allen-Seiten chm das liberale Polen wieder herzustellen" was beiläufig gesagt ganz rätselhaft klingt, da der- Vers.- im-.'jetzigen Polen-alle liberale; Elemente vermißt, und wo solche fehlen ist auch eine Herstellung unmöglich .--- „aber wir habenschließt der pariser Einsender triumphirend, aus der Mitte der Polen selbst eine^ Stimme vernommen, durch die der-Widerstand der Deutschen und' Juden gerechifertigt erscheint. Es war also nicht blos - eine nationale, sondern auch eine religiöse Intoleranz, die sie *) Es verdient auch erwähnt zu werdendaß viele Juden uns auf den Eisenbahnen vorangeeilt. waren/ wo^ von mehrere auf den Barrikaden zm Krakau ihren Toh gefunden. Auch/aus dem Königreich Posen waren viele Juden nach Posen' herübergekommen, üm an dem bevorstehenden Kämpfe gegen- Rußland Theil zu nehmen. --- D. Eins. -