Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 41 (2.10.1848)
- Date
- 1848-10-02
- Page
- Seite 591 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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591 eigm'sse. Schon hat die kroatische'Armee, an 80,000 Mann stark, den ungarischen Boden betreten; Gott weiß welche blutige Katastrophe sich noch entwickelt! L. M—r. Polen. Aschersleben, im September. (Eingesandte Erwiderung gegen den Art. „Paris, im Juni" in No. 32 dieser Zeitung.) Die No. 32 der Mg. Ztg. des Jud. bringt einen Artikel aus Paris über die Flugschrift des „rühmlich bekannten Polen" Jean Czynski: La Pologne cathotfque et la Pologne liberale, der ganz geeignet ist, die von den posener Deutschen und Juden gegen die Polen erhobenen Verleumdungen zu verschärfen und den Hieb um so schmerzlicher zu machen, als er von einer Bruderhand versetzt wird. — Ich will die Persönlichkeit des Verf., dessen Talenten ich sonst alle Achtung zolle, hier ganz aus dem Spiele lassen, um so mehr, als seine Flugschrift mir nicht zu Gesichte gekommen. Ich will vielmehr auf die Sache selbst, auf die Quintessenz der Schrift, wie sie der pariser Einsender gegeben, eingehen und ganz ohne Leidenschaft zeigen, was daran wahr und was falsch ist. „Er (der Verfasser) beginnt damit zu zeigen, wie Polen zur Zeit der größten religiösen Intoleranz der Sitz der Duldung war." — Nun, das brauchen wir nicht erst zu lernen, dafür hat die Geschichte längst den Polen ein monumentum aere perennius errichtet. „Unter Stefan Batory drangen die Jesuiten in Polen ein," das ist wahr, aber der daraus, gefolgerte Satz: „Die katholische Unduldsamkeit (allein) hat Polen untergehen gemacht," ist nicht wahr. Dn viel rühmlicher bekannte Pole Joachim Lelewel giebt auch noch andere Ursachen an. „Stefan Batory (gest. 1586), sagt Lelewel, endigte die Reihe der glücklichen Jahre Polens. Auf ihn folgten die zwei trauervollen Jahrhunderte des Verfalls. Jesuitische Ränke, Hofkabalen, Adelsparteiungen, Dissidentenhändel und d i e l a u e rn d e Politik der benachbarten Staaten, die aus dem Versteck der Verträge her ihre wiederholten Raubthiersprünge auf die unglückliche. Beute thut, und sich das blutende Maul mit dem scheinheiligen Rechte des Staatswohls beschönigend abwischt — das sind die Szenen von zweihundert Jahren!" —„Die polnische Emigration in Frankreich bis 1845 ist bigott geworden." Wenn der Verf. von Frankreich spricht, so meint er damit, wie gewöhnlich, Paris. Also die Polen, die in ihrer Heimath nicht bigott gewesen, sind erst in'Päris bigott geworden. . Nun, wer nur einigermaßen Paris kennt,.weiß, daß man da eher alles Andere nur nicht bigott werden kann. — „Protestanten und Juden wurden verdammt, gehaßt." Von Protestanten weiß ich nicht viel zu sagen, da es mir weder eingefallen sie je darüber zu befragen, noch habe ich sie je darüber klagen hören. Nach der bei den Deutschen in Paris —die meist protestantisch sind— herrschenden Sympathie für Polen zu urtheilen, scheinen sie keinen sonderlichen Haß und keine Verdammung von Letzteren empfunden zu haben. Mit den Juden, namentlich mit ihren Landsleuten, lebten die Polen in Frankreich brüderlich, sie unterstützten die ärmeren von ihrem spärlichen Einkommen und betrachteten sie überhaupt als Leidensgenoffen. In der That konnte bei den Polen, den „Franzosen des Nordens", in ihrem täglichen Umgänge mit den Franzosen des Südens, welche die politische und bürgerliche Gleichstellung aller Konfessionen prinzipiell anerkennen und praktisch durchführen, ein solcher Haß und eine solche Verdammung Andersgläubiger gar keine Wyrzel fassen. — Nun kommt der Glanzpunkt, der leicht den Maßstab für die angeführten apodiktischen Behauptungen und deren Folgerungen abgeben kann. „Die erste Kolonne Polen, die sich von Paris nach Polen begab, leistete einen Schwur, daß sie die wahre (d. h. katholische) Religion verbreiten und die Feinde des Christenthums bekämpfen wolle." —Das ist eine böswillige Erdichtung, die das Gefühl für Wahrheit im Innersten empört! Die erste Kolonne, die nach Polen ging, zählte — 40 Juden!! Also auch die Juden haben den Schwur geleistet, die wahre katholische Religion zu verbreiten? — Es liegt in dieser absichtlichen Entstellung der Wahrheit — denn der Verf. wußte sehr wohl, daß auch Juden in der Kolonne sich befinden—nicht nur eine Verdächtigung der Polen in den Augen der Protestanten und Juden, sondern auch eine Verdächtigung der Juden, die an der Kolonne Theil nahmen, in den Augen ihrer Glaubensgenossen. Was sollen denn unsere Glaubensgenossen aller Länder von uns, den jüdischen Mitgliedern der Kolonne, denken, wenn wir mit den christlichen Polen gemeinsame Sache machen, um für die katholische und gegen die jüdische Religion