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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-02 · Heft 41 (2.10.1848) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 41 (2.10.1848)
Date
1848-10-02
Page
Seite 590 (sequence 6)
Language
German
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Galizien. Lemberg, 7. September. Die Zeitungen enthalten eine tief niederdrückende Nachricht! Es fehlt der Redaktion der A. Z.d.Jud. noch an Privatkunde — aber der Bericht ist zu speziell, als daß man ganz daran zweifeln könnte! Hat denn die Hölle alle Teufel losgelaffen, alle Leidenschaften entfesselt? Die Trauerbotschaft lautet in der B. Z. H. so: Gestern Nachmittag ist hier eine entsetzliche Unthat verübt worden; man hat den Rabbiner mit seiner ganzen Familie vergiftet. Seit langer Zeit hatten die altgläubigen mit den Reformjuden in heftiger Fehde gelebt. Die Regierung setzte einen der neuen Richtung zugethanen Rabbiner, Namens Kohen, für die ganze Gemeinde ein, wogegen die Orthodoxen protestirten *). Sie überfielen ihn in seinem Hause, verhöhnten und mißhandelten ihn auf der Straße. Zuletzt nahmen sie ihre Zuflucht sogar zu Gift, wozu sich eine förmliche Verschwörung bildete. Ein Jude schlich sich in das Haus des Rabbinern, ging in die Küche und warf eine Quantität Arsenik in einen am Feuer stehenden Topf., In Folge dessen erkrankte die ganze Familie mit der Dienerschaft, im Ganzen 9 Personen, so heftig, daß, obwol sofort ärztliche Hilfe geholt wurde, doch der Rabbiner und ein Kind bereits gestorben sind, die Uebrigen aber hoffnungslos daniederliegen. Die Untersuchung ist eingeleiter. —.Aus Dresden ist den leipziger Blättern eine Berichtigung zugekommen, nach der der Tod des Rabbiner Kohn und mehrer Glieder seiner Familie der Cholera zuzuschreiben, die in dessen Hause so furchtbar aufgetreten. — Nach der Breslauer Zeitung jedoch ist bereits der Thäter eingezogen, und wird sein Name mitgetheilt. Ungarn und die Rebeolävder. Werrttsdin (Kroatien), 11. September. (Prft vatmitth.) vr. M. Goldmann, Rabbiner zu Agram, hält wöchentlich nach beendigtem Gottesdienste Gebete in der ilirischen Sprache für das Wohl des Königs, des allgeliebten Ban und für eine glückliche Basirung '*) Dies ist nicht richtig. Der Gemekndevorstand hatte Abc. Kohn berufene Die Leser dieser Zeitung kennen seine Wirksamkeit dort seit Jahren. Re d a kt. der vaterländischen Interessen. „Dies verdient als erfreuliche Erscheinung bemerkt zu werden" schreibt das Beiblatt der Agramer Zeitung in No. 63, der ich diese Notiz entnehme, indem sie selbe mit den Worten: „vera laus veras äodstur virluti" beschließt. Während man nun so in unseren Nachbargemeinden sich die Sympathie der christlichen Bevölkerung zu erringen strebt, ist man hier in völlige Lethargie versunken. Die Gemeinde, die sich vor Kurzem aufzulösen gedachte, besteht wol noch, ist aber so ganz unthätig, daß eine Auflösung nicht nachtheiliger sein könnte. Wol ist unser Vorsteher, Herr Leitner, ein Mann wissenschaftlicher Fähigkeiten, aber mehr Organisation, mehr Geist und Leben in seine Gemeinde zu bringen will ihm nicht gelingen. - Freilich steht seinem Streben Mangel an materiellen Kräften hindernd entgegen; viele Familien sind weggezogen und die Revenüen dadurch derart geschwächt worden, daß die seit 20 Jahren bestehende Lehrschule nicht mehr fortgeführt werden kann, obgleich man von der Simplizität und Unzulänglichkeit der Landesschulen zur Genüge überzeugt ist. Chor und Synagogenordnung sind längst eingegangen. Traurig ist's, wenn mit vielseitigen Opfern errichtete und jahrelang erhaltene Institute zu Grunde gehen; trauriger aber noch, wenn ein Vorstand diesem Verfalle mit Gleichgiltigkeit zusieht, ohne die mindeste Anstrengung zu ihrer Wiederherstellung zu machen. Höffen wir auch, daß mit einer friedlichem Zeit die frühere Energie und Willenskraft unsers Vorstandes zurückkehren werde, so sollte bis dahin wenigstens nach außen zu wirken nicht versäumt werden. .Wir leben in einer Zeit, wo die herrschende Partei jede Bewegung beobachtet. Wer nicht die Nationalintereffen theilt, wird für Verräther gehalten. Ist dies nun für Einzelne höchst gefährliche um wie viel mehr muß es für eine Gesammtheit, für einen ganzen Körper sein; und dennoch gefällt man sich in dieser passiven Stellung. — Wahr ist, daß in einer Zeit und in einem Lande, wo man nur von Kriegsrüstungen hört und sieht, soziale Interessen in den Hintergrund gedrängt werden, aber sich selbst^ aufzugeben, und auf Wichtiges, wie z. B. Sr. Exz. den allverehrten Ban für den so vielfach geleisteten Schutz, wenn auch nur durch einen bloßen Dank, seine Erkenntlichkeit zu bezeigen, vergessen zu können, ist gewiß unverzeihlich. ' Jndeß stehen wir jetzt am Vorabende großer Er-

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