Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 41 (2.10.1848)
- Date
- 1848-10-02
- Page
- Seite 588 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Zeit nicht die Rede sein kann, ist Jedem einleuchtend, wir haben alle Ursache uns zu freuen, daß das bestehende Gute nur nicht untergraben wird. So muß namentlich der filehner Gemeinde rühmlich nachgesagt werden, daß sie' kein Opfer scheut, um den Jugendunterricht, die Belehrung und Erbauung der Erwachsenen zu fördern. Mit wahrem Enthusiasmus wurde die erste Konfirmation am Sabbat Ree von der ganzen gefüllten Synagoge ausgenommen, das Wort Gottes in deutscher Sprache wird nicht mehr gescheut, vielmehr Heftig begehrt. Zu bedauern ist nur, daß der vor der Ankunft des jetzigen Rabbinen veranstaltete Neubau der Synagoge zu einem Zerwürfniß in der Gemeinde Anlaß gab, in Folge deffen eine kleine Anzahl sich freiwillig aus der Synagoge verbannt hat und nun das Bet hamidrasch ausschließlich als Synagoge benutzt. ,Diese Männer können es mit ihrem Gewissen nicht vereinigen, daß das Almemor nicht in der Mitte und die Vorbeterstätte nicht tief .(üip»*»») steht. Auch die Gewissensfreiheit sei geehrt. . Von der Oberlippe, 18. September. (Privatmitth.) Sie haben das Reskript der arnsberger Regierung über die Tracht jüdischer Kantoren und Rabbiner bereits mitgetheilt. Dieses Reskript hat hier überall den größten Unwillen erregt, um so mehr, da man allgemein Sutro als Veranlasser desselben bezeichnet — TrimK •pT) tr*nn ‘■p'niöÄtt. Aufrichtig gesagt, wer Sutro näher kennt, werweiß, wie derselbe sich den Bestrebungen der Lehrer in Schul- und Synagogenangelegenheiten entgegenstemmt; wem es endlich bekannt ist, welche Jntriguen der Rabbi gegen die Lehrer schmiedet: der wird sich auch erklären können, warum unser Oberhirte seine jesuitischen Umtriebe gerade da geltend machen will, .wo ihn nicht allein die Richterstimme der Oeffentlichkeit trifft. Ich könnte Ihnen, geehrter Herr Doktor, eine chronique scandaleusenrittfc eilen, wollte ich Sie mit den Aufhetzereien der Gemeinden gegen ihre Lehrer, mit den Prozessen im Schooße der Gemeinden selbst behelligen, wovon S. einzig und allein die Schuld trägt. Wenn vor Kurzem seine hierarchischen Pläne auch gelungen sind, hier und da den bereits eingeführten Choralgesang wieder zu beseitigen, so sieht der bessere Theil seines Sprengels doch bald ein, worauf Alles hinaus will. Das kleine Häuflein des S.schen Anhanges schmilzt täglich mehr zusammen, da man die Ueberzeugung gewonnen, daß eine Autorität wie S. für die Jetztzeit nicht mehr stichhaltig ist. Was soll man auch von einem Rabbinen urtheilen, der den Gefangenen erlaubt, am Peßach ynn zu essen, da sie ja doch „gestohlen hätten!" Auf welcher Stufe würden unsere Schulen stehen, wenn dieselben S.s Aufsicht, anvertraut wären? — Da Sie, geehrter Herr, unsere Konferenzen mit Ihrem Rath und- Ihrer That unterstützen; da ein Mann wie unser Konferenzvorsteher an der Spitze unserer Berathungen steht: sollte da nicht die edle Strebsamkeit der unserm Vereine angehörenden Lehrer sichere Bürgschaft geben, daß in ihren Wirkungskreisen keine Elemente auftauchen, die die Wohlfahrt der uns anvertrauten Jugend untergraben und die Gemeinden wieder in ein Chaos werfen, aus dem sie kaum durch so viele Anstrengungen und große Opfer gerettet worden? „Noch ist Israel nicht verwaist!" —n. Berlin, 25. September. (Privatmitth.) Aus ganz sichrer Quelle kann mitgetheilt werden, daß die vielen Reklamationen*) doch endlich Wirkung gethan Haben, und daß im Ministerium der Justiz beschlossen worden, daß die Einschreibung derGeburts-, Sterbefälle und Trauungen der Juden bei den Gerichten kostenlos geschehen, es im Belieben der Betreffenden stehen soll, sich ein Attest darüb er ausfertigen zu lassen, und daß ein solches Attest nie mehr als 10 Sgr. kosten, für Aermere gratis ausgefertigt werden soll. Also hierüber wären wir auch! Aus Westfalen. Die Köln. Zeit, enthält aus dem Wests. Merkur folgenden Artikel: „Am evangelischen Gymnasium zu Hirschberg in Schlesien war seit geraumer Zeit das Direktorial erledigt, und es hat das Provinzialschulkollegium vor einigen Monaten, d. h. kurz nach Pinder's Regierungsantritt, einen interimistischen Direktor in der Person des v?. Wilhelm Freund hingefendet. Freund hat — als Jude — natürlich weder eine Prüfung bestanden, noch ein Probejahr abgehalten. — Wix enthalten uns aller weiteren Bemerkungen über diesem jetziger Zeit bedeutungsvolle Thatsache." *) Man erinnere sich an unsere, im Namen so vieler «GMeinde abgegangene Petition. UehaLt»