Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 40 (25.9.1848)
- Date
- 1848-09-25
- Page
- Seite 581 (sequence 13)
- Language
- German
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58t gekommen, dem Jaikew Lederer die erste beste Familie zu verleihen, und da gerade eine erledigt sei, so solle er darum nur „einreichen", sie werde keinem Andern zuTheil werden!" Vierzehn Tage darauf war Jaikew Lederer „Familiant." — Nun entstand unter den Eheleuten die sonderbare Frage, ob sie denn — eine neue Hochzeit feiern sollten. Jaikew bezeigte wenig Lust, denn er meinte: Jetzt bin ich Familiant, was' scheert mich die Welt? Resel aber sagte: „Na, Jaikew, so mein i ch's nicht. Wenn ich auf Wien gegangen bin, für Dich um eine Familie bitten, so will ich auch eine ordentliche Chasne machen. Reichen wir also um eine Reschojin (Bewilligung) ein." Das ganze Ghetto lobte diesen Entschluß. Wieder wurde das dicke Bündel mit Zeugnissen, Gutachten und Bestätigungen gesammelt, wie wir sie schon früher in den Leiden und Drangsalen Jaikews erwähnt haben. Denn di« Gnade des Kaisers hatte ihm wot die „Familie", aber noch nicht den „Reschojin" verschafft. Der mußte natürlich seinen gewöhnlichen Gang gehen. Lustig war es, daß das alte Ehepaar sich auch aus dem „BneZion" mußte prüfen lassen und noch lustiger, was dabei vorfiel. „Sag' sie mir," fragte der Kreiskommissär, der sie prüfte, „welche Pflichten hat eine Mutter gegen ihre Kinder?" Resel besann sich etwas lange, dann sagte sie mit strahlendem Gesichte: „Sie gern haben, Herr Kreiskommissär." Der Kreiskommiffär sah den Rabbiner, der ihn wieder am Sie lächelten Beide über dieEinfalt des Weibes. „Und er," fragte man den Jaikew, „sag' er mir, wie heißt das neunte Gebot?" Dem Jaikew wollte das im Augenblicke gerade nicht einfaUen; der Kreisrabbine sing also das Gebot selbst an, um ihm auf die Bahn zu helfen. „Du sollst nicht begehren nach deines Nächsten Weib —- „Schöne Frag' das, Rebbe Leben," lächelte Jaikew; „hatte, ich denn so lang auf mein Resel gewart, wenn ich hätt' begehren wollen nach eines Andern Weib? Das Gebot hat.Gott nicht gegeben für mich!" Lachend entließ der Kreiskommiffär das alte Brautpaar^ und stellte ihnen das Zeugniß: aUs> daß sie aus dem -/Bne^Zionu sehrüwohl bestanden seien, woran;im Grunde Niemand -zweiftln wird, denw die i-Moral" ha? ben Reftl^nnd ^JaihEdochMrstanden^ -'i V: Der Reschojin ließ diesmal statt der vierzehn Jahre noch einmal so viele Wochen auf sich warten — immerhin ein bedeutender Unterschied. Der Hochzeitstag ward nun festgesetzt. Die Trauung unter derChuppe (Brauthimmel) verrichtete nun nicht mehr ein armer Rebbe auf dem Dorfe, sondern der Kreisrabbine selbst vollzog sie, wie' es die Sitte erheischt, unter freiem Himmel. Resel trug ein seidenes Kleid und unter der goldenen Haube rannen diesmal Nichts als Freudenthranen hervor. Sie gefiel auch dem Jaikew so wohl, daß er selbst gestand: „Du siehst heut' wie ein zwanzigjährig Mädel aus."—-- Am Hochzeitstische herrschte die lauteste -Lustigkeit! Das ganze Ghetto hatte Geschenke geschickt, die nun unter Paukenklang vom Schuldienec ausgerufen wurden. Der reiche Schmul Brandeis hatte sich sogar herbeigelafsm, vier.silberne Leuchter dem Brautpaar zu verehren. Gegen Abend, als die Freude schon auf's Höchste ' gestiegen war, sprang Salme Floh, der auch eingeladen war, plötzlich auf den Tisch und gebot Stillschweigen. „Balbatim und Weiber," rief er, „ich will euch ein Räthsel aufgeben: Wer ist heute zur 'Chasne am Zeitlichsten gekommen?" .„Jaikew und Resel," hieß es von allen Seiten. „Gefoppt, gefoppt," schrie der Räthselsteller, „Jaikews kleiner Benjamin wars, der ist um acht Jahr zu zeitlich gekommen."-— Alles lachte und lärmte durcheinander, sogar Resel, die sonst in diesem Punkt keinen Spaß verstand. Dann sprang auch der Advokat Rebb Lipp'mann Goldberger auf den Tisch: „Und wem, meints ihr," schrie er, „wem verdankts Jaikews Benjamin, daß er da sitzt bei der Chasne . und ein Stück Tort ausißt?" „Resele, Resele," rief man ihm entgegen, „die istja beim Kaiser gewesen." „Gefoppt, gefoppt,"-schrie er nun seinerseits, „mir hat er's zu verdanken, denn, ich Hab' die Bittschrift an den Kaiser gemacht/' Allgemeines Staunen folgte, diesen Worten, dann Erklärung Lippmanns, wie er/ statt zum Kanzellisten zu gehen, die Bittschrift selbst aufgesetzt habe) damit der Kaiser seine - .eigene Schrift lese, dann rstürmischer Dank des Brautpaares und Jubel, und Freude von allen Seiten. Aber, Herr Advokat! haben wir denn das Alles nicht schön in Wien ^gewußt??