Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 40 (25.9.1848)
- Date
- 1848-09-25
- Page
- Seite 579 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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579 Belletriftifches. Ohne Dewilligung. Von Leopold Kompert. (Aus dessen „Geschichten aus dem Ghetto") (Schluß.). . Wer den Verfasser der Bittschrift bis jetzt noch nicht erkannt hat, dem können wir wahrhaftig nicht' helfen. Der Kanzellist vom Magistrat war es nicht. — — „Und mit dem da wollen Sie zum Kaiser gehen?" rief wieder der Student, als er zu Ende gekommen und brach in, ein neues Gelächter aus. Auf Resel hatte aber die vorgelesene Bittschrift einen gewaltigen Eindruck gemacht; sie hatte die Augen voll Thranem /War denn ihr tiefes Weh darin nicht hinlänglich geschildert, brauchte der Kaiser mehr?. Eine innere Stimme, die ihr schon zur Reise nach Wien angerathen, sprach mächtig in ihr, sie hielt die Bittschrift für gut genug. - Als. der. Student zuletzt seine höhnische Bemerkung ausstieß, stand sierasch auf und nahm ihm das Papier aus der Hand. „Ich will gar keine andere;" sagte sie mit der Freudigkeit eines gewiffen Stolzes, „die Bittschrift ist gut genug, sie meint's, wie ich's mein, der Kaiser wird sie schon verstehen." „Meinetwegen," entgegnete der Student mit Achselzucken, „die Bittschrift ist, um mich nür gelinde auszudrücken, eine elendes Machwerk ohne Styl und Form; hätte Ihnen jedenfalls eine beffere gemacht." - ' Trotz dieser nun offen ausgesprochenen Absicht, blieb Resel dennoch bei ihrem Vorsatz, 'sie wollte mit keiner andern zum Kaiser gehen. Der Student lächelte nur verychtlich und zuckte ein Über das-ättderemal die Achseln. Später ließ sie sich, in die kaistrliche Bürg aufs Oberhofmeisteramt führen, wo sie-den Zettel zur Audienz «te hielt, die auf morgen um 8 Uhr anberaumt war. Resel war die Achte an der Reihe. Abends -wollte man sie in's Leopoldstädter Theater führen, wo sie gerade eine lustige Posse üuffühtten. Man versprach ihr Ungeheuern : Spaß davon, sie aber sprach wie Hannah, die Mutter Samuels: „Wie kann ich lachen gehen in die Komödie, wenn rnein Herz ist voll Traurigkeit und Bängniß?' Weiß-ich! denn schon) ob ich beim Kaiser was werd' ausrichten? MeineSeel' ist so voll Angst und Schauer, daß mich das eigne Word'erschreckt ich spracht - Sie wollte fich-aüch dev-Stavt herumführen lassen, um die Merkwürdigkeiten zu besichtigen. „Bin ich denn dessenthalb auf Wien gekommen?" meinte sie, „ich muß an mein Kind denken. Das ist mir das Merkwürdigste." — Nachts konnte das arme Weib lange nicht schlafen. Die morgige Audienz, die Erinnerung an Mann und Kind, der Bürgermeister und der Advokat; ihr ganzes Weh aber auch die Hoffnung seines baldigen Endes zogen in wirren Bildern an ihrer Seele vorüber. Sie wachte noch, als die Töchter ihres Vetters aus dem Leopoldstädter Theater zurückkamen, sie traten lachend und singend ein, und erzählten sich im Bette noch lange nachher von den Spaßen des Komikers und wie lustig das ganze Stück gewesen sei. Resel beneidete halb diese Sorglosigkeit und dachte sich, wie glücklich doch'diese Leute in Wien sein müßten, die Tag für Tag in die Komödie gehen könnten, immer heiter und vergnügt,- die das Leben genießen, wie kein Anderer. „Was hat man aber in der Khille (Gemeinde)? Nichts als Kummer-und Verdruß." Mit diesen Gedanken schlief sie ein. — Es war gegen zwei Uhr in der Nacht, als sie plötzlich durch ein heftiges Pochen an der Hausthür aus dem Schlafe geweckt wurde. Sie schlug erschrocken die Augen auf, da sah sie ein seltsames Schauspiel in der Stube. Ihr Vetter Szimche lief halbnackt mit einem Licht in der Hand, wie wahnsinnig auf und nieder; Frau und Kinder waren ebenfalls aus ihren Betten aufgesprungen und standen mit bleichverstörten Gesichtern um ihn herum. Das Pochen an der Thüre dauerte fort. „Um Gotteswillen," schrie Resel, „was ist geschehen, ist wo Feuer im Hause?" . „Still, still," flüsterte man ihr zu, „die Polizei ist vor der Thür', wir haben keine Aufenthaltskarte." ' - Das -Klopfen wurde immer stärker und heftiger, dazwischen tönten drohende Stimmen von draußen. In der Stube stieg die Verwirrung aufs Höchste; Szimche lief noch, immer mit dem Licht in der Hand wie sinnvetwftrt inDr Stube herum, Reftfkonnte deutlich hören, wie'ihm^dje Zähne knackend auf einander schlugen. Der Studentschien.. noch die: meiste Geistesgegenwart zu behaupten, er schrie ihm zu, sichdoch zu besinnen, oder zu öffmti. Die Schläge aNdet„Thüre wiederholten sich. Da ecmanNte' ffich' endlichSzimch'e von feinem Schrecken; er riß das Leintuch , aus dem Tuche, wickelte es rasch um den -ganzen^Leib undwarf fich„in der Mitte, der- Stube auf den Boden -Niedere Meseli sah diesem Beginnen mit ängstlicher CrWärMÜg M'E' ' r#-*