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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-09-25 · Heft 40 (25.9.1848) · p. Seite 575

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 40 (25.9.1848)
Date
1848-09-25
Page
Seite 575 (sequence 7)
Language
German
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575 Juden", welche soeben ihren 17.—18. Jahresbericht veröffentlicht. Dieses Institut, dessen längst rühmlichst bekannter und vielverdienter Dirigent zur Hebung und Erhaltung desselben großmüthig kein Opfer scheut, hat in der That die ftaunenswerthesten Resultate geliefert. Aus ihm sind fast sämmtliche israelitische Elementarlehrer in Rheinland und Westfalen (130 an der Zahl) hervorgegangen, deren Schulen es väterlich leitet und in der Förderung wahrer Bildung fortwährend treu unterstützt. Gleichzeitig hat der Verein die jüdischen Religionsbekenner dem bürgerlichen Leben durch Beförderung von Handwerken und Künsten mehr und mehr zugeführt, indem auf seine Kosten und durch seine Versorgung seitdem 260 jüdische Meister ausgebildet worden sind. Diese Resultate, welche der oben angeführte Bericht im Einzelnen und die königl. Oberprasidien beider Provinzen in den Amtsblättern summarisch veröffentlicht haben, sind um so erfreulicher, als die Anstalt bisher nur über sehr wenige Geldmittel zu gebieten hat, und auch diese wenigen sind nur durch freiwillige Beiträge aufgebracht worden, bei welchen Spenden sich besonders die westfälischen Israeliten vor den rheinländischen auszekchnen, die in der Gesammtheit sich weniger betheiligt haben, so daß der Dirigent einen Vorschuß von 1500 Thlm. hat leisten müssen, ungeachtet sie dennoch der Wohlthaten der Anstalt in demselben Maße, wie die Ersteren, genießen. Durch die schwierigsten Verhältnisse hat die Schule sich hindurchwinden müssen und dessen ungeachtet den größten Anforderungen genügt: an ihr wirken Lehrer aus allen Konfessionen, wodurch sie jeder Einseitigkeit entgangen ist, und ebenso erhielten stets ohne vorherigen Antrag alle armen Kinder ohne Unterschied des Glaubens unentgeltlich Unterricht, wie sie denn vor dem Bestehen der evangelischen Schule und des Schulzwanges die besuchteste Lehranstalt Münsters war. Sie arbeitet aber fortwährend an ihrer innern Verbesserung, indem sie noch kürzlich jüngere, tüchtige Lehrer, namentlich den durch seine wissenschaftlichen Leistungen und seine „Geschichte des israelitischen Volkes" bekannten Rabbiner Dr. Friedländer aus Brilon, für sich gewonnen. Bei allen diesen äußersten Kraftanstrengungen und rühmlichen Emporstreben hat sie der Staat doch trotz ihres, von ihm selbst stets anerkannten heilsamen Wirkens nicht so berücksichtigt, wie es ihr Zweck erheischte und wie die' übrigen christlichen Anstalten gleicher Art es erfuhren. Allein die Grundsätze des Gesammtstaates waren schon früher nicht die einzelner Regierungen und ihrer christlichen Bewohner, welche stets in beiden Provinzen durch reichliche Beiträge und mannigfaltige anderweite Unterstützungen die Anstalt gefördert und die deshalb auf den Dank ihrer so lange zurückgedrängten jüdischen Brüder, die gerechtesten Ansprüche sich erworben haben. Jetzt, da die früheren Ansichten des Staates sich auch in dieser Hinsicht glücklich geändert haben, wird sich diese Theilnahme noch freier und glänzender bewähren, die Anstalt endlich aus ihrer Verlassenheit erlöst und eine öffentliche und gehörig gesicherte werden, deren sich die Regierung nach Pflicht und Gewissen ernstlich annehmen wird. Bis dahin aber werden alle diejenigen, welche dem bedrückten Theile der menschlichen Gesellschaft gern aufhelfen wollen, dem edeln Heindorfschen Unternehmen ihre fernere kräftige Unterstützung und Fürsprache nicht versagen. Hamm, 15. September. (Privatmitth.) Ein Artikel aus Oestinghausen in No. 36. d. Bl.'führt aus einem durch das Amtsblatt der Negierung zu Arnsberg in jüngster Zeit veröffentlichten Steckbrief die Schlußbemerkung an: „Wahrscheinlich gehören sie (die signalisirten Betrüger) nicht zu den jüdischen Glaubensgenossen, da der Betrug an einem Sonnabend verübt ist," — diesen Zusatz/wie den ganzen Steckbrief der Regierung unterschiebend. Diese Ansicht bedarf einer Berichtigung. Nicht von der Regierung, sondern von dem hiesigen Land- und Stadtgerichte, Abtheilung für Untersuchungssachen, ist der Steckbrief unterzeichnet und ausgegangen, also auch dieses dafür zur. Verantwortung zu ziehen. Auch ich machte die Bemerkungen: Also wenn der Betrug an einem andern Tage der Woche verübt sein würde, so wäre die größere Wahrscheinlichkeit vorhanden,, daß derselbe von Juden ausgegangen? Saubere Logik! Und ferner: Weil die strenge Orthodoxie des Judetithums ihren Bekennern zur Abhaltung von weltlichen Geschäften am Sabbat mit Geld umzugehen verbietet, können jene, möglicher Weise nicht streng orthodoxe oder gar aller Religiosität ermangelnden Männer nicht Juden gewesen sein? Oder hat vielleicht die Plumpheit des mittelalterlichen Judenhasses jenen Zusatz diktirt, so, dachte ich, würden" sich hierdurch die betreffenden Richter selbst gefällt haben, indem sie sich von solch schmutziger Leidenschaft und Parteilichkeit nicht fern zu halten

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