Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 40 (25.9.1848)
- Date
- 1848-09-25
- Page
- Seite 574 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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574 aber warum nicht auch umgekehrt? Warum durfte nicht auch der Christ, oder wenigstens der noch mit allen Fasern seines Geistes und HerZens dem angestammten Väterglauben anhangende Ueb erg e treten e Jude werden? Dder gehörte diese Inkonsequenz zu den Konsequenzen des von dem unsterblichen Eichhorn so meisterhaft vertheidigten christlichen Staats? — Komisch kommt es Einem vor, wenn man z. B. in'einem Ministerialreskript vom 18. Dezember 1833 liest: „Se. Maj. haben befohlen, daß die Jüdenschaften angewiesen werden sollen, keinen Christen in ihre Religionsgesellschast aufzunehmen, bevor er nicht von der Vorgesetzten christlichenBehörde aus derGemeinschaft der Christen entlassen sei," und in einem andern vom 28. Februar 1835: „Die geistlichen Behörden werden von dem Minister der geistlichen Angelegenheiten inmittelst angewiesen worden sein, die Entlassung aus christlichem Verbände niemals zu ertheilen." Warum hieß es nicht einfach: Kein Christ darf Jude werden?... Uebrigens war das Judenthum nie von der Anzahl seiner Bekenner bedingt! Das Judenthum weiß Nichts von Bekehrungsversuchen von Missionären! Wenn Jemand zum Judenthum übertreten will, dann (heißt es Jore Dea 268, §. 2 ff.) dann stelle man ihm die hohen Verpflichtungen vor, die. das Judenthum seinen Bekennern üuferlegt und suche sich zu überzeugen, daß nicht etwa irdischer Vortheil oder unlautere Motive ihn dazu veranlassen; nur dann darf er in die jüdische Gemeinschaft ausgenommen werden! Das Judenthum weiß Nichts von einer allein seligmachenden Kirche. Das Judenthum lehrt: Die Frommen aller Völker können selig werden! Das Judenthum will aber keine Geistesknechtschaft, keine Gewiffensbeschränkung; es will Glaubensfreiheit, Gedankenfreiheit! Das .Judenthum will, es soll keine durch besondere Privilegien begünstigte, aber auch keine durch Steuern belastete Religion geben! „Ein Gesetz und Ein Necht sei für Alle" letzten Hefte der kirchlichen Vierteljahrschrift 1844, im Auszuge abgedruckt A. Zeit. d. Jud. 1844 No. 47). Uebrigens erreichen die Missionäre dennoch Nichts, und sind, wie die drsfallsi'gen Berichte nachweifen, die Resultate ihrer Bestrebungen sehr gering, so daß-so ein getaufter Jude oft eine enorme Summekostet! W. steht mit goldenen Buchstaben auf dem Banner des JudcnLhums, das Juda's Söhne so muthvoll durch all die finsteren Jahrhunderte getragen und diese Inschrift wird nunmehr im strahlenden Glanze auch von dem Banner herableuchten, das die Söhne Germaniens und die Söhne Juda's, vereint durch Bruderliebe und Treue, fortan umschaaren werden! Wir werden das Weitere in der qu. Angelegenheit veranlassen und das Endresultat seiner Zeit veröffentlichen. W-Ll. Anklam, 15. September. (Privatmitth.) In Schlawe (Hinterpommern) fand am 5. d. durch Herrn Dr. Klein die Einweihung einer neuen Synagoge statt; derselbe wird am 21. ebenfalls eine solche in Rummelsburg vollziehen. — Allerdings ist die durch das Gesetz vom 23. Juli pr. neu aufgelegte Judensteuer in Preußen noch nicht verschwunden, und, da die Beamten jetzt wieder zu Athem kommen, so fordern sie dieselbe auch wieder ein. Neulich erhielt ein hiesiger jüdischer Kaufmann (Herr T.) ebenfalls die Aufforderung für die Eintragung seines Sohnes in das Geburtsregister 1 Thlr. 10 Sgr. zu zahlen. Res. wandte sich im Aufträge des Herrn T. an das hiesige Land- und Stadtgericht und da dieses den Bescheid ertheilte, daß das Gesetz vom 23. Juli a. p. und die darauf erlassene Instruktion (I. M. Bl. pag. 233) bis jetzt noch nicht aufgehoben und er daher außer Stand sei, die nachgesuchte Dispensation von der Zahlung der qu. Gebühren zu bewilligen, sandten wir im Namen des genannten Herrn T. eine Petition an das hohe Justizministerium. Den Bescheid auf dieselbe werden wir in diesen Bl. mittheilen *). Münster, im August. (K. Z.) Es thut wohl, aus dem Wogendrange der Tagesgeschichte die Aufmerksamkeit des Publikums einmal auf eine ruhige und doch höchst beachtenswerthe Erscheinung lenken zu können. Als eine Solche betrachten wir die schon seit 23. Jahren hier unter der Leitung des Herrn Professors Dr. Heindors bestehende Anstalt, „Verein zur Bildung von israelitischen Elementarlehrern und zur Beförderung von Handwerken und Künsten unter den *) Vgl. einen solchen Bescheid auf eine ähnliche Petition aus Oppeln in No. 37. S. 521. Red.