Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 39 (18.9.1848)
- Date
- 1848-09-18
- Page
- Seite 565 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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565 Religion überhaupt nicht gleichgiltig ist, mit Freude begrüßen. Allein wir fürchten, daß eine Zusammenkunft, schon in 6—7 Wochen abgehalten, wie es beabsichtigt istden meisten Gemeinden etwas zu rasch kommen möchte. Wir wären der Meinung, es sollten sich vorerst in kleineren Kreisen vorbereitende Synoden bilden, auf welche sodann die Generalsynode für Deutschland folgen könnte. Jene Synoden brachten schon geordnetes Material mit, es wären die einzelnen Ansichten theilweise ausgeglichen, so daß Verständigung leichter zu erzielen wäre. Wohl wissen wir, daß eine Vermittelung oder Transaktion zwischen den extremen Parteien nicht zu hoffen, vielleicht auch nicht zu wünschen wäre; allein die Aufgabe einer solchen Synode ist auch eine andere als die einer Rabbinerversammlung, indem es sich da gar nicht um Untersuchungen im Gebiete einzelner Satzungen handeln kann, sondern um die Feststellung der allgemeinsten Grundprinzipien des Judenthums ohne allen Dogmatismus, so daß in dem Bekenntniß zu den höchsten Wahrheiten in heiligsten Gesetzen das Merkmal des Judenthums anerkannt wurde. Doch wir wollen heute nicht weiter vorgreifen und andeuten, sondern schließen unfern Bericht mit dem Versprechen, mit Gottes Willen recht bald einen andern folgen zu lassen. Noch Eins, wie wir hören, wollen eine große Zahl deutscher Rabbiner zu dem Herrn Oberrabbiner Löw nach Papa wallfahren, um sich gehörig prüfen zu lassen, ob sie die verdienen, da der bescheidene papaer Hirt die Gelehrtesten für Unwissende hält und jede Gemeinde in ihrem Schrecken, daß ihr Rabbiner auch ein •y-iNfi Dar sei und nicht zu paskenen vermöge, zu ihrer Beruhigung dieses fordert. Sagen Sie nicht, die Rabbiner haben bereits von alten ihre iiansi; das thut Nichts, Herr Löw erklärt es frei in seinem Briefe an Herrn Ho ld heim, die deutschen Rabbiner wissen Nichts vom Talmud rc., weshalb sie auch in ihren Reformen nicht so gediegen und glücklich, duldsam und demüthig sind, wie er: Iwbeot sibi! -b. Rußland. Minsk, 25. August. (Privatmitth.) Die Cholera hat hier nach ihrem sechswöchentlichen Aufenthalt und grausamer Wirkung., Gott sei Dank, aufgehört. Während dieser: traurigen Zeit sind hier 8ZA Hebräer und 1485 Christen gestorben, obschon Letztere circa */* der hiesigen Einwohner ausmachen, und es ist wirklich die beständige Nächstenlinbe und menschenfreundliche Behandlung, mit welcher die hiesigen Juden Tag und Nacht am Meisten für ihre Glaubensgenossen gearbeitet haben, — da sie aus ihrer Mitte einige Lausend Rubel Silber für die nöthige Arznei und Belohnung der Aerzte lieferten — zu bewundern, wovon auch sich alle hiesige Aerzte und viele Edelleute überzeugten, und es überall bekannt gemacht. N. Belletristisches. Ohne Dewilligüng. Von Leopold Komperl. (Aus dessen „Geschichten aus dem Ghetto".) (Fortsetzung.) „Haben Sie sich auch eine gute Bittschrift aufsetzen lassen?" fragte er; denn man muß wissen, daß der Student sich auch mit diesem Fache beschäftigte. Resel bejahte es und holte die Bittschrift. Der Student nahm sie zur Hand und begann darin still zu lesen. Kaum war er aber über die ersten Zeilen, als er in ein lautes Gelachter ausbrach. Resel erschrak und fragte ihn, warum er denn lache, und ob er was Unschickliches darin gefunden habe. „Wer hat denn die Bittschrift aufgesetzt?" fragte er noch immer lachend. „Ein Kanzellist vom Magistrat." „Und mit der Bittschrift wollen Sie zum Kaiser gehn?" „Warum nicht?" „Weil man Sie mit der Bittschrift hknauswkcft beim Kaiser." Das könnte aber Resel nicht glauben, sie hielt sich für versichert, daß der Kaiser jede Bittschrift, sie laute wie sie immer wolle, gnädig aufnehme, wenn sie ihm nur die Sache gehörig an's Herz lege. „Das ist's ja eben," rief der Student, „was das Papier da nicht enthält. Die Bittschrift ist ein elendes Machwerk, das nicht ein Kanzellist, sondern ein Ofenheizer beim Kreisamt gemacht haben muß. Dom Styl will ich gar nicht reden." - Jetzt wurde Resel wirklichgeangstigt. Denn was