Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 39 (18.9.1848)
- Date
- 1848-09-18
- Page
- Seite 566 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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sollte sie Mt einer,! schlechten -und. nahezu verwerflichen Bittschrift anfangen; wenn schon der Student dazu lachtewas mußte erst der; Kaiser dazu thun? dachte sie. Da kam ihrder glückliche Gedanke , -aß sie den Studenten bat, ihr doch das Papier vorzulesen; denn in der Hast ihrer. Abreise hatte Resel mit ihrem Mann die Vorsicht vergessen, sich mit dem Inhalt bekannt zu machen. Wie konnten sie auch daran denken, daß aus des Advokaten Händen ein. „Machwerk" statt einer Bittschrift hervorgehen werde? : Der Student bereitete sich mit einer gewissen höhnischen Freude zum Vorlesen, und indem wir selbst bei dieser Gelegenheit-die ganze Bittschrift viel besser als bei der Audienz hören können-- wo sie. her Kaiser:nur stille durchsehen wird, schicken wir auch voraus, daß wir sie ohne die spaßhafte^. und, EritisHesr. Bemerkungen des Studenten über Rechtschreibung und Styl vollständig und unverstümmelt an den Fürsten selbst wollen gelangen lassen. Die Bittschrift läutete: „Allergnädigster und durchauslauchtigster Herr Kaiser, Euer kaiserlich königlicher Majestät! Ich ergebenst Unterfertigte.-bin nur ein ganz gemein Weib, und thu' mich doch ecdreisten vor das Angesicht Euer -kaiserl. königl-Majestät hinzutreten. Was halt' ich aber anders anfangen sollen? - Euere kaiserl.. königl. Majestät, sein wie das Sonnenlicht am Himmel, was überall thut Warme und Glanz ausbreiten und warum sollt' sich so. einarm .Judenweibnicht auch getrauen, ein Stücke! von diesem Licht zu bekommen? Ich -Hab' mich auch nicht lang bedenkt und - Hab' die weite Reis' von Böhmen nach Wien gemacht und komm' Euer kaiserl. königl. Majestät fußfällig und' auf meinen Knien bitten, dem Jaikew Lederer eine „Familie" zu geben. -Dieser Jaikew Lederer, Euer kaiserl. königl. Majestät, ist der beste Mensch von der Welt und er ist schon in meinem zwanzigsten Jahre mein Bräutigam gewesen. .Aber bei allem dem hat ihn Gott unschuldigerweis mit Unglück, geschlagen; denn ich frag' Euer kaiserl. königl-- Majestät selber, was kann, der Jaikew Lederer dafür,' daß er ein Viertgeborner ist? und der Magistrat hat. ihm idarumb auch keine „Familie" wollen geben. Der Jaikew Lederer ist einmal mein Bräutigam gewesen; hatt' er-mich denn in sein Leben. nicht nehmen sollen? Jeder Bauernjung und Holzhacker bei-uns kann das thun , und . der arme Jaikew Ledererweil er Jud' ist, soll sich kein Weib nehmen dürfen? In unfern Synagogen thut man ebenso für Euer kaiserl. königl. Majestät Leben und Gesundheit zu' Gott dem .Wmachtigen bittön' und dä' steh'Ich unb Jaikew Lederer immer auf und thun auch mitbeten, wenn unser Vorsänger anfängt zu singem Also ■' thu' ich Euer kaiserl. königl Majestät, meinen "allergnädigster und allerdurchlauchtigster Kaiser auf meinen KnieN ansiehen, wie daß Euer kaiserl. königl. Majestät ruhen möge/demJaikew Lederer eine Familie zu geben. -Es soll das nicht geschehen wegen ihm wder wegen meiner; denn ich leb' schon mit dem Jaikew über ein und zwanzig Jahr, sondern wegen - dem Kind, was ich von ihm Hab" und das ist als ein uneheliches eingeschrieben worden auf dem Rathhaus. - Ich schwör aber zu -Gott/. Euerkaiserl. königl. Majestät, daß mein!Kind' ist-ein ehrlich Kind und btaucht nicht-roth zrr werden vor der Welt.' - Geben nur mein allecgnädigstec:Herr Kaiser - dem' Jaikew Lederer 'eine Familie,. so ist' uns Beiden und dem Kind auch geholfen- Also - thu ichnoch einmal uNd 'äuf fußfällig anflehesi, Euer kaiserl. Majestät möcht den Jaikew Lederer begnadigen, weil er ein sehr guter' Mensch ist und will auch auf meine Thränen heruntersehen, die ich vor Herzeleid schon-Hab' geweint. Euer kaiserl. königl. Majestät sein so gut und helfen so vielen Menschen, was soll denn aus der allerunterthänigst Unterfertigten werden, wenn ihr-nicht geholfen wird? Wenn Eine auf Erden"ist- Und! lebt/ die zu Gott betet, für' Euer kaiserl. königl. Majestät Leben und "Gesundheit Und glorreiche Regierung, fo' ist es gewiß die' alleruntetthäNigst Unterfertigte, ' ' i!-- -'dir.'In -Ehrfu^tchdr'steMn -thut' : - / vor Euer kaiserlichen -königlichew Majestät - - - ergebenste'Und-niedrigste Untebthankn - 'Hi R esel Mi re t es." '--- (SMilß folg//' -;:;7 In. demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 l(i Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile''aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, 'merkantile in a' Beilagen ausgenommen. - -"U ■' Die Verlag shÄndlung/ Aufforderung an unsere geehrten Herren Kollegen, die israelitischen Lehrer und Prediger des königl. Llinödrosieibezirks Hildesheim. Geehrte Herren Kollegen! : —;; Bei gegenwärtiger Krisis,,' namentlich in Deutschland, sind der Vereine uNd'Versammlungen zu Verbesserungen gar Viele; vorzüglich aber werden die der Geistlichen vielseitigbeansprucht/—Demgemäßlasset auch uns Hand