Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 39 (18.9.1848)
- Date
- 1848-09-18
- Page
- Seite 560 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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560 hier Pakte! binallein ich will es gern sein Seiten der Unrecht Leidenden und Unterdrückten. Ich könnte noch. Tausende von unparteiischen Urth eilen gegen.^die .Schilderungen des Redners vor mir anführen, wenn ich es nöthig hielte. : Meine Herren! Werfen Sie einen Blick auf die einzelnen Gesetzgebungen in Deutschland. In Preußen haben alle verehrten Kämpfer für die Freiheit zuerst auf den Provinziallandtagen und dann auf dem vereinigten Landtage für vollständige Gewissens- und Religionsfreiheit, .für Gleichstellung der Juden mit den Christen gekämpft. Sämmtliche Stämme Preußens haben in dieser Richtung petitionirt, und es geschah in Folge der einstimmigen öffentlichen. Meinung, daß in Preußen zugleich mit dem Segen der Volksfreiheit die Gleichstellung der Juden ausgesprochen wurde. Meinen Sie, meine Herr.en, was eine Bevölkerung von 16 Millionen gewollt hat,.- wü.rde so leicht rückgängig werden; glauben Sie, daß es eine moralische Möglichkeit für diese Versammlung ist, einen Rückschritt: auf der.Bahn des Rechts und der Freiheit..in's Leben treten zu lassen? In Baiern hat der Landtag in einer Adresse einstimmig den Wunsch ausgesprochen, daß das Judengesetz auf dem Prinzip der vollen Rechtsgleichheit beruhen möge, und so in der großen Mehrzahl der deutschen. Staaten. Ich frage demnach, ob denn die Volksstimme so einig für die Meinung des Vorredners, ob sie denn wirklich nicht dafür ist, daß die Ausnahmegesetze aufgehoben werden? (Mehrere Stimmen: Seit fünf Jahren.) Der Vorredner will uns politische Rechte zuerkennen, aber diese Bewilligung gehört erst der neuesten Zeit an. Ich selbst habe unter den Verhältnissen der tiefsten Bedrückung gelebt, und ich hätte bis vor Kurzem in meiner Vaterstadt nicht das Amt eines Nachtwächters erhalten können. Ich darf es als ein Werk, ich möchte sagen, als ein Wunder des Rechts und der Freiheit betrachten, daß ich befugt bin, hier die hohe Sache der Gerechtigkeit und der Gleichheit zu vertheidigen, ohne zum Christenthum übergegangen zu sein. Und so lebe ich denn der festen Zuversicht, daß die gute Sache bereits gesiegt hat, ungeachtet der letzten Aufwallungen des bösen Willens%on wenigen Seiten her. Ich glaube nicht, daß es möglich ist, gleiche Rechte zu geben für aktive und passive Wählbarkeit, für das hohe Werk der Gesetzgebung, solange noch die verletzendsten Ausnahmegesetze in niederen Sphären bestehen. Durch diese Ausnahmegesetze würde das höchste politische Recht geschändet werdendas Sie zum Gemeingut aller Deutschen machen wollen, ohne allen Unterschied der Konfession. Wenn aber' nach der Ansicht des Vorredners der Unterschied des Rechts fortan nicht im Glauben, sondern in der Volksthümlichkeit ruhen soll, nun so . geben Sie doch den Ort an, auf dem es möglich ist, sich diese Volksthümlichkeit anzueignen,; ohne ein ReligionsbekenNtniß abzutegen. Wenn der Jude sagt: „Ich weiß Nichts von einem besonder« Volksthum," was für einen Weg wollen Sie ihm denn anweisen? Was haben diejenigen, welche dieses Traumgebilde der Nationalität seit vielen Jahren von sich wiesen, denn für ein Mittel, züm deutschen Volksthum überzugehen, als das, daß sie zum Christenthum übergehen? Auf diesem Wege gelangenSie glücklich dazu, Volksthum und Religion mit einem Schlage zur Lüge zu machen. Weün man so gern einen Unterschied macht zwischen dem Gebildeten und Mindergebildeten unter den Juden, von dem es sich noch fragt, ob er nicht in gleicher Weise unter anderen Klassen sich finde,' so will ich Sie daran erinnern, daß, als man früher in Preußen aus Liebhaberei den Juden gewisse nationale Vorrechte geben wollte, die gesammte jüdische Bevölkerung ohne Unterschied dieselben abgelehnt hat; es sollte ihnen namentlich die Exemtion vom Kriegsdienste durch eine Majestätsgrille gewährt werden, und sie haben sie einstimmig zurückgewiesen. Ich kann zugeben, daß die Juden in der bisherigen Unterdrückung das Höchsteden vaterländischen Geist, noch nicht erreicht haben. Aber auch Deutschland ^at noch nicht erreicht. Die Juden werden immer begeistertere und patriotischere Anhänger Deutschlands unter einem gerechten Gesetze werden. Sie werden mit und unter den Deutschen Deutsche werden. Vertrauen Sie der Macht des Rechts, der Macht des einheitlichen Gesetzes und dem großen Schicksale Deutschlands. Glauben Sie nicht, daß sich Ausnahmegesetze machen lassen, ohne daß das ganzeSystem der Freiheit einen verderblichen Riß erhalten, ohne daß'der Keim des Verderbens in dasselbe gelegt würde. Es ist Ihnen vorgeschlagen, einen Theil des deutschen Volks der Intoleranz, dem Hasse als Opfer hinzuwerfen; das werden Sie aber nimmermehr thun, meine Herren! (Allgemeiner lebhafter Beifall.) Osterrath von Danzig: Meine Herren! Mit Freuden folge ich dem Redner vor mir. Ich will für dasselbe Prinzip sprechen, für das er gesprochen hatte, nämlich für das Prinzip der Duldsamkeit. Wir haben heute mehrere Redner gehört, welche, wenn der §. 13 so ausgelegt werden sollte, wie sie ihn ausgelegthaben, wahrlich mit der Duldsamkeit nicht zu vereinbaren wärerL