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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-09-11 · Heft 38 (11.9.1848) · p. Seite 548

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 38 (11.9.1848)
Date
1848-09-11
Page
Seite 548 (sequence 12)
Language
German
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548 Berlin, 2. September. Der israelitische Lehrer Wedell in Anklam hat auf eine in Veranlassung eines besondern Falles an das Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten gerichtete Anfrage, ob es zum Christenthum übergetretenen Juden gestattet sei, wieder zum Judenthum zurückzukehren, folgenden Bescheid erhalten: „Auf Ihre Anfrage vom 11. d. M. erhalten Sie hierdurch zum Bescheide, daß dem beabsichtigten Rücktritt der Familie N. N. zum Judenthum ein staatsgesetzliches Hinderniß nicht mehr im Wege steht. Berlin, den 22. August 1848. Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten. (gez.) Dr. I. Schulze." Stettin, 3. September. Die hiesige jüdische Gemeinde hat zur Linderung der Noch der von der Cholera befallenen ärmeren Einwohner hiesiger Stadt eine ambulante Suppenanstalt in der Speicherstraße — als dem Mittelpunkte der von der Krankheit am Meisten heimgesuchten Stadttheile — errichtet. Aus dieser Anstalt werden den bedürftigen Kranken kräftige Suppe nebst Fleisch gratis verabreicht. Die Vertheilung ist — um solche möglichst präzise und ohne Weitläufigkeit zu bewirken — der Art arrangirt, daß den auf der Lastadie stationirten Aerzten eine Anzahl Marken übergeben sind, die sie täglich an die Bedürftigen vertheilen können, und nur jeden Abend der Anstalt zu berichten haben, wie viel Marken verausgabt sind, damit folgenden Tages die Suppe und das Fleisch, stets kräftig und frisch zubereitet, vorräthig ist. Moisling bei Lübeck, 27. August. (Privatmitth.) Auch Lübeck, welches bekanntlich die Scheidewand zwischen den jüdischen und.christlichen Glaubensgenossen bisher eisern bestehen ließ, will jetzt unsre mißliche Lage verbessern. Sonach hat man uns bereits Familiennamen gegeben, beeidigte Registratur eingeführt, man macht uns Hoffnung, uns wenigstens theilweise nach der Stadt hinübersiedeln zu dürfen*), und wir haben den Entwurf einer Gemeinde- und Synagogenordnung zur Begutachtung eingereicht. Frankreich. Paris, 29. August. Auch der revidirte Verfas- *) Wird es dieser Erlaubniß nach der Proklamation der deutschen Grundrechte bedürfen? Sicherlich nicht. Redakt. sungsentwurf der Kommission der Nationalversammlung enthält den Paragraphen: Art. 7. Jeder bekennt frei seine Religion und empfängt vom Staate gleichen Schutz. Die Geistlichen der vom Gesetze anerkannten Kulte empfangen eine Besoldung. Die Walachei. Magdeburg, 2. September. Soeben kommt uns ein Exemplar der „Revolutionsproklamation der Walachei. Im Namen des roumainischen Volkes." zu. Dieselbe enthalt 22 Artikel, wovon der 21ste: „Emanzipation der Israeliten und gleiche politische Rechte für alle Konfessionen." Dann heißt es unter Anderm: „Bürger im Allgemeinen! Priester, Edle, Krieger, Kaufleute, Gewerbtreibende jeglicher Klasse, Nation, Religion, die Ihr in der Hauptstadt und in den Städten wohnt, Griechen, Serben, Bulgaren, Deutsche, Armenier, Israeliten bewaffnet euch zur Aufrechthaltung der Ordnung, zur Mithilfe am großen Werke. Das Vaterland gehört uns und euch; es behagt euch in demselben zu wohnen, und es nimmt euch auf. Das alte System hat euch nicht geladen zum allgegemeinen Tische, von heute an speisen wir Alle zusammen, das Mahl der Brüderlichkeit wird aufgetischt, wir werden Alle gleiche Rechte haben." Belletristisches. Ohne DewiNigung. Von Leopold Kompert. (Aus dessen „Geschichten aus dem Ghetto") (Fortsetzung.) „Weil Du das Kind nicht hast geboren," entgegnete Resel, „so kannst Du auch so reden. Liegts Dir denn auf*), daß man Dein Kind auf dem Rathhaus thut ein Bankert schelten? Und mein schmeckedig**) Jüngel soll so heißen? Na, Jaikew, ich stell' mich eher auf den Thurm und schrei's herunter, daß es alle Leut' hören . *) Statt daran liegen. **) Schmeckedig statt schmeckend, ein beliebtes Schmeichelwort, das man den Kindern giebt.

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