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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-09-11 · Heft 38 (11.9.1848) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 38 (11.9.1848)
Date
1848-09-11
Page
Seite 545 (sequence 9)
Language
German
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545 wurden, die sich im Voraus verbindlich machten, in einen Verfassungsrath nicht einzutreten, vielmehr auf die Berufung einer konstituirenden Versammlung zu dringen, welche, von allen großjährigen Staatsangehörigen Frankfurts ohne Unterschied des Standes und Glaubens gewählt, das Verfaffungswerk in die Hand nehmen solle. Von der Gegenseite blieb man ebenfalls nicht unthätig und setzte eine Liste von Männern in Umlauf, welche sich zum Eintritt in den von den Behörden beliebten Verfassungsrath bereit finden ließen. Die Sache hielt seit mehreren Lagen die ganze Einwohnerschaft Frankfurts in unbeschreiblicher Spannung, und nicht Wenige glaubten sogar eine traurige Spaltung in der Bürgerschaft befürchten zu müssen. Das heute früh bekannt gewordene Wahlresultat hat jedoch die kühnsten Erwartungen der Fortschrittspartei übertroffen, indem ihre sämmtlichen 30 Kandidaten zu Stadt und Land mit entschiedener Mehrheit gewählt worden sind. Wir sehen nun der weitern Entwickelung der Dinge entgegen. Die Berufung einer konstituirenden Versammlung dürfte wol außer Zweifel sein." So hatte z. B. das Montagskränzchen folgenden Aufruf erlassen: Mitbürger! Seit lange hat keine Frage unsre Bürgerschaft in größere Aufregung versetzt, als die über die bevorstehende Verfassungsänderung. Unsere Behörden haben hierzu einen Weg eingeschlagen, wie ihn unsere veraltete, den Beschlüssen des Vorparlaments und den Grundrechten des deutschen Volkes schroff gegenüberstehende Verfassung aus dem Jahre 1816 vorgezeichnet hatte. Würde man auf diesem Wege weiterschreiten, so sähe sich nicht nur ein großer Theil der Einwohner Frankfurts jeder Theilnahme an der Ausübung der heiligsten politischen Rechte beraubt, sondern man würde leicht in solche Widersprüche mit den Beschlüssen der Nationalversammlung gerathen, daß eine besonnene, dem Rechte und der Billigkeit entsprechende, den Forderungen der Zeit genügende Lösung unmöglich wäre. Darum, Mitbürger, ist es unsre Pflicht, durch die Thal zu bewähren, daß wir diesen Weg mißbilligen! Eine aus freier Wahl hervorgegangene „konstiiuirende Versammlung" ist das Ziel, auf das wir hinarbeiten müssen! Schon ist vom „Deutschen Vereine" ein Aufruf in diesem Sinne an euch ergangen. Wir theilen aus voller Ueberzeugung die in diesem Aufrufe ausgesprochenen Ansichten. Die Zeit drängt! Im Verlaufe dieser Woche schon sollen die Wahlen vor sich gehen. Es hat sich deshalb einWahlausschuß aus Abgeordneten vieler Vereine und bürgerlichen Kreise von Frankfurt und Sachsenhausen gebildet, der euch diejenigen Männer Vorschlägen wird, deren entschiedene Gesinnung ihnen Bürge ist für die Erreichung des vorgesteckten Ziels. Mitbürger! Eine konstituirende Versammlung ist der einzig richtige, der einzig mögliche Weg zur friedlichen Umgestaltung unsrer Verfassung! Viele deutsche Staaten haben diesen Weg eingeschlagen, und unsere Stadt möge nicht Zurückbleiben, damit es nicht von ihr heiße: „Sie, der Sitz der unsre Freiheit schaffenden Nationalversammlung, sie weist die Forderungen der- Zeit zurück, sie zögert — sie fast allein im großen deutschen Vaterlande — die' durch eine wohlthätige Revolution gewonnenen Grundrechte der Menschen, anzuerkennen!" Frankfurter! es gilt die Ehre unsrer Vaterstadt! Frankfurt a. M., den 20. August 1848. Das Montagskränzchen. —. Wir theilen alle diese Aktenstücke mit, um einer spätem Zeit die Materialien zu erhalten zu einem Urtheil, wie das alte Drucksystem zu Grabe getragen wurde. Marburg, 30. August. (Privatmitth.) Da ich mir es nun einmal zur Aufgabe gemacht habe, mich mit Ihnen über die Nothwendigkeit der Synodalversammlungen und deren Wirksamkeit zu verständigen; so finde es für zweckmäßig, auf Ihre beiden zu meiner Erklärung vom 3. d. M. in No. 34 Ihrer Allgemeinen Zeitung des Judenthums gemachten Bemerkungen, meine Ansicht dahin zu erläutern, daß allerdings, nachdem durch die Protokolle der Rabbinerversammlungen so viel zur Verbesserung des Gottesdienstes, der Ritualien rc. vorgearbeitet ist, und wir den ersten Synoden, welche ein so lange vernachlässigtes Feld zu bearbeiten haben, mit Recht zurufen können: roabatt ‘pb* Nb von dem Kern der Gemeinden, welcher neben den Geistlichen zuversichtlich die Synode bilden wird, eine Vereinigung dergestalt zu erwarten steht, daß sie diejenigen in den Protokollen enthaltenen Abänderungen, welche bereits zu Breslau, Frankfurt a. M. und in mehreren anderen Gemeinden eingeführt sind, allge- 38*

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