Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 38 (11.9.1848)
- Date
- 1848-09-11
- Page
- Seite 540 (sequence 4)
- Language
- German
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Bürgerschulen rc., .welchewir nicht getrennt .für uns errichten können.. Also auch auf die.Möglichkeit, selbst in den minder großen Gemeinden, solche Kultusbeamte anstellen zu können, welche jüdischeReligionslehrec und Prediger von Fach sind, wird die Berathung sich richten müssen. Von selbst hangt eine solche Einrichtung eng Mit den Modisikationen des Gottesdienstes zusammen. Wir übergeben diesen Vorschlag zur Prüfung.— , Zeitungsnachrichten. Deutschland. 8. Frankfurt am Main, 29. August. (Privatmitth.) Unser Riesser hat gestern dem Werke seiner heiligen Mission die Krone aufgesetzt; er hat durch sein begeistertes. Wort für die Sache feiner gedrückten Brüder und durch feinen edeln Feuerzorn gegen engherzige Beschränktheit, welche den Boden der.deutschen Nationalversammlung zu entweihen wagte, den Sieg vollenden .helfen, dessen Sicherheit wol nicht in Zweifel stand, dessen Errungenschaft aber wieder an den Namen Riesser geknüpft zu sehen, uns zur Freude und ihm selbst zu großer Genugthuung gereichen muß. Das Faktum haben Ihnen die hiesigen Blätter schon berichtet; doch da ich Augenzeuge -dieses Vorgangs war, so werden Sie mir erlauben, Ihnen den Eindruck zu schildern , welchen derselbe auf mich hervorbrachte. Es war ein tief aufregender Moment. Nachdem mehrere Redner fü r den §. 13 der Grundrechte, welcher unbedingte und unbeschränkte Gleichstellung aller Konfessionen in Betreff aller staatsbürgerlichen und bürgerlichen Rechte'feststellt, gesprochen hatten, namentlich das große Unrecht der Vergangenheit gegen die Juden und die nothwendige Sühne der Gegenwart hervorhebend, trat Moritz Mo hl, ein Abgeordneter aus -Württemberg,, auf, um die. alte Judenfeindschaft heraufzubeschwören und die schlafenden Leidenschaften wieder aufzuwecken. Seine Erscheinung war mir die Erscheinung des Satans, der-ein gutesWerk am Ende noch unter Hohn und Zähneknirschen stören will. Mohl hat sich die traurige Aufgabe gewählt, in der Nationalversammlung in. Betreff der Judenemanzipation die Nolle des Advocatus diaboli zu übernehmen, auf dem Felde der deutschen Gesetzgebung dem von den Pfeilen, des Zeitgeistes - .erlegyu Juden- - hasse .eine Grab-- und Lobrede zu halten. Sein in dieser Beziehung motivirter Antrag ging dahin, die Angelegenheiten des „israelitischen Volksstammes" in Deutschland sollen Gegenstand besonderer Gesetzgebung sein. Doch soll den israelitischen Angehörigen Deutschlands das .aktive und passive Wahlrecht gewährleistet werden. Es ist eigenthümlich, wie die Judenfeindseligkeit ihre krummen Wege geht!- In England gewährt sie alle niederen Rechte, nur das höchste nicht, in Deutschland gewährt sie nothgedrungen das höchste politische Recht und will sichnur noch an das niedere bürgerliche Leben ansaugen! Es waren nun besonders zwei Momente, welche der Redner für seinen Antrag geltend machte, von denen jedes allein ihm freilich nicht genügen konnte, nämlich die jüdische Nationalität und die Lebensweise des jüdischen Landmannes. Die jüdische Nationalität ist ein wesenloses Gespenst, aber der Vorwurf klingt wie ein Prinzip, aus der Lebensweise des jüdischen Landmannes läßt sich kein Prinzip gegen die Emanzipation herholen,' aber der Vorwurf klingt praktisch. . Darum nahm der Redner die beiden Momente zusammen, wie dort in der Fabel der Lahme auf den Rücken des Blinden gesetzt wird, daß der Eine das Auge, der Andere die gesunden Beine hergebe. Riesser aber riß die Beiden auseinander, zeigte Beide in ihrer Nichtigkeit, den Einen in seiner Lahmheit, den Andern in seiner Blindheit. Nachdem nämlich Herr Mohl, Anfangs milder sich auslaffend, gereizt durch Zischen und sonstige Mißfallensbezeigungen von Seiten der Versammlung, in eine immer bitterere Stimmung versetzt worden war und zu den ungemeffensten Vorwürfen gegen die Juden sich hatte hinreißen lassen, bestieg Riesser die Rednerbühne. Mein bei Mohl's Rede wie zugeschnürtes Herz ging wieder auf; ich sah unfern Vertheidiger. Riesser aber vermochte sich kaum zu fassen; er kam mir vor wie eine Löwin, der manHr Junges entreißen will; er sprach nicht, er strömte Worte der Entrüstung und des Zorns. „Meine Herren," rief er in gerechter Erbitterung aus, „Sie haben die slavischen, die nichtdeutschredenden Volksstämme für gleich frei, für gleichberechtigt, ,für unantastbar in ihrer nationalen Eigenthümlichkeit erklärt, sollten wir's bedauern müssen, deutsch zu reden, deutsch zu fühlen, in Deutschland aufgehen zu wollen?. .Sie haben für jene, die Ihnen mit gewaffneter Hand gegenüber standen, gute Worte gehabt,^sollten Sie für uns, die