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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-09-11 · Heft 38 (11.9.1848) · p. Seite 539

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 38 (11.9.1848)
Date
1848-09-11
Page
Seite 539 (sequence 3)
Language
German
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«ahme versprechen , dann aber auch wegen der Verschiedenartigkeit der Ansichten, Ansprüche und Bestrebungen selbst unter denenwelche sich an der Berathüng auf der Synode betheiligen werden. Wir begrüßen sie aber dennoch mit Freuden, weil diese Betheiligung des sogenannten Laienstandes' an den religiösen Fragen der Zeit Bewegung in die Masse des Volkes bringen, das kirchliche Leben unter derselben fördern wird. Diese Betheiligung der Masse und des Laienstandes scheint zunächst auch ein Tribut zu sein, welchen die Gegenwart den demokratisirenden Tendenzen der Zeit zollt, da an der Verhandlung der kirchlichen Fragen in ausschließenden Rabbinerversammlungen bis zur jüngsten Zeit festgehalten wurde. Jedoch lieben wir diese Betheiligung nicht, weil wir durch sie eine besonders schnelle und günstige Lösung der betreffenden Fragen erwarteten, vielmehr wird dieselbe daran ein bedeutendes Hinderniß finden. Es war in früherer Zeit etwas Anderes mit dem Unterschied zwischen Laien und Geistlichen, welcher im Judenthum gänzlich fehlte, da die Bildung der meisten Juden mehr eine theologische, als religiöse, auf Quellenstudium der Bibel, des Talmuds und der rabbinischen Schriften gegründet, war. Die Bildung aller Juden aber war eine vorzugsweise religiöse, vor der die weltliche kn den Hintergrund trat, da das ganze Leben, der Beruf und die Richtung der Juden religiös, von kirchlichen Lehren, Formen und Zeremonien durchzogen war und ihre Stellung zu den übrigen Völkern für sie-die profanen Wissenschaften fast ganz entbehrlich machte. In unsrer Zeit aber 4st dies Alles anders geworden, und wenn der Stand der Geistlichen auch nicht als ein durch mystische Beziehungen bevorzugter und geweihter erscheint, so unterscheidet er sich doch durch die so nöthige Fachbildung wesentlich von dem der Laien und charakterisirt sich so wenigstens als ein vorzugsweise eingewekhter. Dennoch wünschen wir die Betheiligung der Masse; wenn auch nicht, um große Resultate in der Lösung der theologischen Fragen zu erzielen, so ist dies vorläufig das bedeutendste Resultat, daß das Volk wieder anfangt sich für Synagoge und Judenthum zu interessiren. Um aber eine recht massenhafte Betheiligung des Volkes sowol zu erwirken, als zu ermöglichen, schlagen wir vor, in den einzelnen Gemeinden öffentliche und gemeinsame Vorberathungen zu halten. Da mögen dieselben aus sich selbst heraus ihre Wünsche zu Tage fördern, wie da auch Jeder den Mann seines Vertrauens als Abgeordneten für die Zentralsynode finden wird.. Dies^wird auch gleichzeitig dazu dienen, die schärfsten Ecken der Parteien sich abstoßen zu lassen und so viele hindernde Elemente von der Zentralsynode entfernt zu halten. Es gilt, die Betheiligung der großen Masse zu gewinnen, die zur Realisirung aller Zwecke willig und fähig ist, für welche sie sich knteressirt. Wir legen deshalb auch keine bestimmte Fragen vor, über welche in solchen Gemeindeversammlungen zu berathen sein wird. Das Volk soll selbst wünschen und fordern, und es ist um so nöthiger, gerade das ganze Volk zu hören, als in religiösen^ Angelegenheiten am Allerwenigsten eine Vertretung stattfinden kann. Einem solchen Zwecke scheint unser Vorschlag am Besten zu entsprechen. Wir halten deshalb auch den in No. 34 d. Bl. zur Sprache gebrachten Gegenstand, die religiös verpflichtende Kraft des ganzen Formgesetzes betreffend, zunächst nicht zur Diskussion auf solchen Berathungen für geeignet. Er reicht in dieser Fassung in zu viele Zweige des Privatlebens hinein, deren Reform wir vorläufig noch der Lehre und der Ueberzeugung der Einzelnen überlassen möchten. Dagegen muß Alles, was auf das öffentliche religiöse Leben, also namentlich Gottesdienst und Religionsunterricht Bezug hat, Synagogalliturgke und -gebräuche, und was damit in Verbindung steht, der gemeinschaftlichen Berathüng unterworfen werden. Jedoch soll es keiner Gemeinde benommen sein, in ihrer Gesammtheit auch über obigen Gegenstand ihre Ansichten und Wünsche zu äußern. Uns fehlt es Hauptsächlich an Institutionen zur Pflege und Erhaltung des Judenthums, nachdem die alten aufgehört haben zu sein und zu wirken; so namentlich an einem umfassenden und systematischen Religionsunterricht für die Jugend und gottesdienstlichen Vorträgen (Predigten) für die Erwachsenen. Den Alten fehlten ihre allsabbatlichen Vorträge nicht, welche einen integrkrenden Theil des Gottesdienstes bildeten, und die Jugend lernte zudem die Religion aus den Quellen kennen, wodurch auch pckvqtkm ein fortgesetztes Religionsstudium ermöglicht wurde. Jüdische Elementarschulen, welche vielleicht als Solche ausgezeichnet, im Allgemeinen aber nur möglichst gute Religionsschulen sind, thun uns weniger Noth. Für die Profanwissenschaften können wir die öffentlichen Lokalschulen benutzen, zumal wenn dieselben aufhören, christlich-konfessionelle zu sein, obgleich sie selbst als Solche sich bisher nicht dem Judenthume gefährlich gezeigt haben. Ganz haben wir überhaupt der gemeinsamen Schulen mit den Christen auch bisher nicht entbehren können, und werden es ebenso später nicht, wie der Gymnasien, Real-, höheren

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