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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-09-11 · Heft 38 (11.9.1848) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 38 (11.9.1848)
Date
1848-09-11
Page
Seite 538 (sequence 2)
Language
German
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mer vorüber. Anders in Deutschland. Da hat man fünfzig Jahre darüber debattirt, und es ging halt immer nicht. Und nun mit einem Male. Sollten die alten gegnerischen Mächte immer ein Mal wieder die Oberhand bekommen? Werden die Einzelstaaten so mir Nichts, dir Nichts der Stimme der Paulskirche Folge leisten? Wird, was der Buchstabe des Gesetzes sagt, auch im Leben verwirklicht werden? So flüstert uns der Zweifel, das Mißtrauen in's Ohr. O, wer vertrauen könnte! wer, wie die hoffnungsmuthige Jugend frisch und zweifellos vertrauen könnte! Aber das macht es doch nicht allein aus. Uns Juden kommt dieses Erlösungswort schon zu spat. Wir sind in unserm Innern schon längst erlöst. Wir. gehören schon zu sehr der Allgemeinheit an. Wir fühlen Alles völlig mit, was diese^angeht. Und da ist jetzt keine Zeit zu jubeln, wenn uns persönlich was Gutes, Ersehntes zugekommen ist. Die allgemeinen Uebel drücken uns zu sehr. Die Wehen und Geburtsschmerzen der Gesellschaft, wir empfinden sie wie jeder Andre. Da ist es für uns jetzt keine Zeit zu jubeln. Wir wollen jubeln, wenn eine schönere, beruhigendere und beglückendere Zeit für die ganze Welt gekommen ist. Wenn Alles frei, froh und befriedigt sein wird, dann wollen wir jubeln! Hamm, 1. September. Die Synode. Von Dr. Rothschild. Die Juden fangen wieder an, Raum für ihre gesonderten, religiösen Interessen zu gewinnen. Davon zeugt der Aufruf zur Bestellung einer Zentralsynode. Gottlob, daß die Sonderinteressen der Juden im deutschen Vaterlande immer mehr ausschließlich religiöse sein dürfen. Natürlich, daß die Juden bisher davon schwiegen, weil die Politik ein zu großes Uebergewicht auf alle Interessen der Kirche übte. Aber auch ein besonderer Takt leitete die Juden, baß sie sich mit ihrer neuen Geltung nicht zu sehr in den Vordergrund drängten, um lieber später erst für sich die Konsequenzen zu ziehen, wenn die Prinzipien der Verfassung gesetzlich geregelt sein werden. Dies hat seine Richtigkeit rücksichtlkch ber politischen Stellung der Juden, obgleich nicht daran zu zweifeln ist, daß man dieselbe nicht mehr von dem religiösen Bekenntniß abhängig machen wird, wenn auch den neuesten Bewegungen und Forderungen der Zeit entgegen einige Staaten-Deutschlands die abgesonderte Stellung der Juden bis auf die jüngste Gegenwart festzühalten gesucht haben. Anders aber ist es rücksichtlich der kirchlichen Verhältnisse, in-Bezug worauf die Juden ihre Sonderinteressen auch in Zukunft noch bewahren werden. Zwar wird die Stellung, welche zwischen^ der Kirche und dem Staate überhaupt vereinbart werden wird, auch hierauf von Einfluß sein, ebenso wie die Lösung der Frage über die Trennung her Schule von der Kirche und der sich daran knüpfenden'Aufhebung der konfessionellen Schulen. Aber einmal glauben wir nicht in unsrer Zeit an eine vollständige Loslösung der Kirche und d'es Staates, welche gerade den Jnzidenzpunkt in jener Frage bildet. Dieselbe konnte in Amerika unter anderen, ganz neu entstandenen Verhältnissen sich eher bewerkstelligen lassen, als in Europa, wo sie aus faktischen, gegebenen Verhältnissen herausgebildet werden soll. Ist dieselbe doch auch nicht einmal in dem neuesten Verfassungsentwurfe dec französischen Republik ausgesprochen, wo bekanntlich die freiesten politischen und kirchlichen Gesinnungenherrschen. Und selbst vom politischen Gesichtspunkte aus kann der menschlichen Gesellschaft die religiöse Erziehung ihrer Mitglieder nicht gleichgiltig sein. Ob sie dies vom kirchlichen Standpunkte aus sein darf, hoffen wir an einer andern Stelle zu beantworten. — Dann aber auch muß unserseits schon jetzt alles Mögliche geschehen^ um das stagnirende Judenthum wieder flüssig zu machen und das fast erstorbene Interesse dafür wieder zu beleben, damit man auch später erkenne, wenn im Kreise der Staatsmänner das Judenthum zur Sprache gebracht wird, daß man für die Lebenden und nicht für die Tobten berarhe. — Ein Theil der ältern Generation hat,aber noch so viel aus den früheren Religionsschulen mktgebracht, um von einer Existenz des Judenthums zu wissen, verhält sich aber selbst und für die Nachkommen indifferent dagegen. Die jüngere Generation entbehrt aber so zu sagen gänzlich alles realen jüdischen Religionsunterrichts. Wir müssen ohne schleunige Hilfe fürchten, daß in der kommenden Generation ein reales Judenthum nicht mehr exiftirt. Darum begrüßen wir mit Freuden die in Vorschlag gebrachte Zentralsynode. Wir thun dies nicht sowol deshalb, weil wir von einer Solchen große Resultate erhoffen. Im Gegentheil sind unsere Erwartungen in dieser Beziehung sehr gering wegen desJndifferentismus auf der einen und des Orthodoxismus auf der andern Seite, von welchen Beiden wir uns keine große Theil-

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