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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-09-04 · Heft 37 (4.9.1848) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 37 (4.9.1848)
Date
1848-09-04
Page
Seite 531 (sequence 11)
Language
German
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531 „Ja," sagte Jaikew. „Nein, nein," schrie der Advokat und schlug heftig auf den Tisch, „nein, tausendmal nein, wie Du nur einmal: Ja, sagst, bist Du kriminalisch. — Dann wird man Dich in's Verhör nehmen, Resel, und da wird's wieder heißen: Jst's wahr, Resel Mireles, daß Euch hier stehender, besagter Jakob Lederer zum ehelichen Weib genommen hat? Was wirst Du darauf antworten?" „Nein," entgegnete die weinende Resel, die hier dem Advokaten zu Lieb' eine offenbare Unwahrheit sagte. „Gut," meinte Rebb Lippmann, „alle Beide müßt ihr nein sagen, das schreibt euch gut auf und irrt euch nicht. Dann wird man euch aber fragen: Also, Jakob Lederer, da Ihr die besagte Resel Mireles nicht wollt zum Weib genommen haben, was ist sie Euch denn? Denn Du darfst nicht meinen, daß die auf dem Magistrat kein' Kof auf sich haben! Was willst Du da drauf antworten?" „Sie ist mein Weib, mein ehrlich genommen Weib?" rief, sich vergessend, Jaikew. Er hatte selbst vor dem Gericht keinen andern Ausruf gethan. Resel brach in Jammern aus. „Red' Du nur zu," sagte der Advokat ruhiger, als man erwarten sollte, vielleicht weit Jaikew geschrien hatte, „laß Dich nur nicht „lernen!"" Dann aber erhob er seine Stimme mächtiger und voller, nun schrie er ebenfalls: „Will Dir denn das nicht in Dein' vernagelten Kopf eingehen, daß Du nicht Ja sagen darfst? Willst Du denn gleich weg*) sein? Wenn man Dich fragt: Ist also besagte Resel Mireles nicht Euer Weib, was ist sie Euch denn? so mußt Du darauf antworten: Sie ist meine Haushälterin oder Wirthschafterin, und Du, Resel, mußt sagen: Der Jakob Lederer hält mich aus. So kommt ihr Beide aus der Klemm'." „Seine Haushälterin," jammerte Resel, „ich soll nur Dein' Haushälterin vorstellen, Jaikew? Hast Du das Dein Leben gehört?" „Helft's euch anders," sagte der Advokat und stand auf, „ich Hab' gerathen, was in mein Vermögen steht. Ich sag's noch einmal, Resel muß Dein' Haushälterin sein und sie muß sich von Dir aushalten lassen. Anderes weiß ich nicht." „Gott, Gott," rief Jaikew, „was hat denn nur der Kaiser davon, daß er mich mit Weib und Kind nicht in *) für: willst Du denn verloren sein? oder in Dein Verderben stürzen? Ruh' laßt? Was Hab' ich ihm denn Leids gethan? Er kennt mich nicht, und ich kenn' ihn nicht!" „Ist das ein' Red'!" schrie der Advokat zornig, weil sich seine ganze juridische Natur gegen diesen einfältigen Ausspruch sträubte. „Willst Du denn haben, der Kaiser in Wien soll Etwas von Jaikew Lederer wissen? daß der ohne Reschojin sich ein Weib genommen hat? Der Kaiser hat seine Magistrate und die haben wieder Vorschriften, der Kaiser selbst kann nicht hinausgehen über sie. Nu, das wär' noch gut, wenn der Kaiser von Jaikew Lederers Herzeleid was wüßt'! der hat andere Sorgen im Kopf, er denkt jetzt vielleicht an Krieg-mit England oder mit dem Ruß'." Nach dieser kurzen aber genügenden Belehrung über „absolute und beschränkte Monarchie" verließ der Advokat das Haus; aber er hinterließ dort keine Beruhigung, keinen Trost. Was nützte jede noch so kluge Verhaltungsmaßregel, wie sie sich vor dem Gerichte benehmen sollten, bei Leuten, die nun einmal ohne Reschojin geheicathet hatten? Resel wollte sich besonders mit dem Gedanken, daß sie nur die Haushälterin Jaikews vorstellen sollte, gar nicht befreunden. Wir wollen nicht einmal sagen, daß sie zwei kummervolle Tage in Thränen zugebracht; denn die „Männer der Geschichte" werden es ohnehin nicht glauben wollen, wie die Nacht oft nicht finster genug war, um die brennende Röthe auf Resels Wangen zu bedecken, wenn sie an die „Haushälterin" und an das „ausgehalten werden" dachte! — Dienstag in der Frühe, Schlag 9 Uhr, begleiten wir die beiden Eheleute nach dem Rathhaus. Wir gehen nicht geradewegs aus dem Ghetto über den Marktplatz, weil wir, der Schande wegen, nicht durch das große Thor eintreten wollen, was die Gewölbsfrauen unter den Lauben sehen könnten, sondern schleichen an der Hinterseite des Rathhauses vorüber, wo das Kriminal sich befindet und gehen dann mit klopfendem Herzen die enge Wendeltreppe hinauf, über die schon Mancher unter dem Geläute des Henkerglöckleins den letzten Weg gegangen ist, bis wir uns dem Bureau Nr. 5. gerade gegenüber befinden. Da lassen wir Jaikew Lederer und sein Weib von der freundlichen Polizei in Empfang nehmen, die Thüre schlägt krachend zu. Wir bleiben draußen. „Jaikew Lederer," sagte der Bürgermeister, „Ihr habt ein Kind. Wie ist sein Name?" „Benjamin, gestrenger Herr Bürgermeister." „Wie alt?"

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