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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-09-04 · Heft 37 (4.9.1848) · p. Seite 527

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 37 (4.9.1848)
Date
1848-09-04
Page
Seite 527 (sequence 7)
Language
German
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527 kleinste Freiheit kämpfen und ringen müssen. Von allem dem machen wir uns hier keinen rechten Begriff, weil wir Gottlob stets als freie Menschen gelebt und behandelt sind. Sowol durchreisende Fremde, als Solche, die sich von anderen Ländern hier ansässig gemacht haben, nennen Dänemark bn-iw'' verglichen mit anderen Landern des Druckes und der Verachtung. Und für alles Gute, was wir genießen, und für alle Freiheiten, die wir besitzen, haben die Juden Dänemarks niemals nöthig gehabt zu kämpfen, oder zu petitioniren; die Regierungen sind stets von so großer Milde, Gerechtigkeit und Liberalität durchdrungen gewesen, daß sie allzeit nur das einzige Ziel vor Augen halten, nämlich uns wie die übrigen Landeskinder zu behandeln. Bis jetzt war es also, und von der Zukunft können wir mit der göttlichen Güte und Hilfe die anderseits erwähnte Scheidewand, welche noch besteht, auch weggeräumt zu sehen, ebenfalls erwarten. Unser König hat bei seiner Thronbesteigung im Januar e. aus freiem Willen eine neue, konstitutionelle, freie Verfassung zugesagt, und in dem Entwürfe dazu, welcher von der Regierung ausging, ist von keinem Religionsunterschied die Rede, wir sind zu den neuen Reichsständen sowol wählbar als wahlfähig, und nach der Art und Weise wie Regierung und Beamte stets gegen Juden gehandelt haben, können wir uns getrost auch künftig der Hoffnung hingeben, daß wir in jeder Hinsicht den übrigen Landeskindern gleichberechtigt werden, und somit die letzte noch bestehende Scheidewand niederfallen werde, wofür wir Gottlob nicht nöthig haben zu kämpfen, wie anderswo. Wir können es ruhig behaupten, Frankreich und Holland ausgenommen, giebt es kein Land mehr, welches mit Dänemark verglichen werden kann in besagter Richtung; ja wir sind darauf stolz, uns Kinder Dänemarks nennen zu können, trotz allem Bösen und Lügenhaften, was man in deutschen Zeitungen von Dänemark sagt und schreibt. Wo-ist ein Land wie Dänemark, wo seine Bewohner alle erdenkliche Freiheiten erlangt haben und noch erlangen, ohne Ruhestörung, ohne Revolutionen und ohne Demonstrationen, Alles auf ruhigem und friedlichem Wege. Seien Sie versichert, wie es mit den Christen, so gehet es mit den Juden, was uns besonders betrifft, wir bekommen so zu sagen Alles in's Haus gebracht, nicht als Gnadensache, sondern lediglich als Folge des Rechts,und der Gerechtigkeit. . Deshalb that es mir und gewiß allen übrigen hiesigen Lesern der Z. des Jud. so sehr leid, noch am Schluffe des erwähnten „leitenden Artikels" zu lesen, daß Sie unser liebes Vaterland mit Ländern gleichstellen, wo Juden kaum geduldet sind, oder wo sie wol geduldet sind, aber wo ihnen das Leben so erschwert wird von Einschränkungen und Ausnahmegesetzen. Sicherlich ist es für uns Juden Dänemarks beinahe kaum erträglich, die vielen Artikel in den jüdischen Blättern mehr zu lesen, welche sich über alle erlittene Unterdrückungen und Verfolgungen aussprechen; mit dem größten Widerwillen und der größten Verächtlichkeit wenden wir uns davon, weil wir es kaum begreifen, daß man bei allen Prahlereien und Großsprechereien von „Biedersinn, deutscher Ehrlichkeit" und wie alle diese schönen Wörter noch heißen, daß man demungeachtet noch immerfort so mittelalterlich denkt und handelt. Einen Wunsch haben wir vielmehr im Innersten unsers Herzens, Gott gebe allen Uebrigen unserer zerstreuten Glaubensbrüder, daß sie in einem so glücklichen Lande und unter so guter Regierung leben möchten, und in so gutem Wohlsein als die Juden Dänemarks; alsdann wäre vielleicht die Zeit, wo man Nichts mehr zu wünschen hätte, als daß der Allgütige jedes Land mit seinem reichlichsten Segen überhäufe, denn beim Wohlergehen des ganzen Landes geht es auch den Juden nach Wunsch. Wenn aber auch jetzt in Deutschland die Gleichstellung der Juden gesetzlich ausgesprochen wird, so wollen wir doch erst einmal sehen, wie das Gesetz im Laufe der Zeit aus geführt wird. Denn wo die Freisinnigkeit nicht im Herzen der Oberen und Unteren wohnt, da läßt das Gesetz noch immer Hinterthüren zu. Der Rausch der Zeit verfliegt gar zu sehr, und dann kommen die alten Vorurtheile wieder zum Vorschein. 8. N. E. Belletristisches. Ohne Kewilligung. Von Leopold Kompert. (Aus dessen „Geschichten aus dem Ghetto") (Fortsetzung.) Resel schwieg dazu und noch sonderbarer, sie erröthete nicht einmal bei einer so zarten Frage. War sie denn

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