Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 37 (4.9.1848)
- Date
- 1848-09-04
- Page
- Seite 526 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225589--09629-3237901- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
526 Halts von Seiten der Juden betreffend, demStorthing vorgeschlagen. So ist denn diese Angelegenheit zum dritten Male zur Verhandlung gekommen, hat aber dieses Mal nicht einmal eine einfache Majorität erlangt, sondern ist abgewiesen. So wird denn auch fernes nicht nur die Niederlassung in Norwegen den Juden verboten sein, sondern sogar der Aufenthalt, und jeder Jude, der, sei es selbst durch Schiffbruch, den Küsten Norwegens naht, wird in's Gefängniß wandern müssen und aus ihm nur durch eine bedeutende Amende befreit werden können. Jndeß ist es gut, daß dieser Schandfleck der norwegischen Konstitution nicht blos die Juden betrifft. Es war auch beantragt, jeder christlichen Konfession in Norwegen freie Religionsübung zu gestatten — und auch dieser Antrag fiel durch. Ich sage, es ist gut. Denn abermals zeigt es sich hier, daß die Intoleranz nicht blos im Vorurtheil gegen die Juden wurzelt, sondern überhaupt Nichts außer sich gelten lassen will, und nur in der Ausschließung Aller und in der Beschränkung aller religiösen Freiheit, d. h. in der Vernichtung aller Denk- und Gewissensfreiheit ihre Befriedigung findet. Sei es. So fest wie die norwegischen Felsen sei der Trutz der norwegischen Männer gegen alle religiöse Freiheit. Es wird dann Norwegen ein Sumpfloch religiösen Fanatismus und religiöser Verdummung sein, wenn ganz Europa von den Sonnenstrahlen der religiösen Freiheit hell beschienen ist. Wir wünschten nur, daß ein französischer Jude einmal nach Norwegen verschlagen werde. Der Konflikt wird nicht ausbleiben, und Norwegen auf dieselbe Weise, wie die preußischen Freimaurerlogen bezwungen werden. Dänemark. Kopenhagen, 18. August. (Privatmitth.)- Es ist beinahe zur Gewohnheit der meisten deutschen Zeitungen geworden, Alles was Dänemark betrifft in ein verkehrtes und falsches Licht zu stellen, das ist nun einmal so, und nur die Zukunft vermag es und wird es auch, dieses wie so manches Andere vor den Augen der ganzen Welt in sein rechtes, wahres Licht zu stellen; es thut uns aber leid zu sehen, daß auch die Allg. Z. d. I. dasselbe thut; und da es nur einen Gegenstand betrifft, so erlauben Sie mir gefälligst, anbei einige Bemerkungen mitzutheilen. Sie belieben zu. sagen in dem leitenden Artikel zur No. 28 d. Z. d. I., daß die Juden Dänemarks nur liberal behandelt, nicht aber gesetzlich gleichgestellt sind.- Zwar sind wir es nicht im ausgedehntesten Sinne, wo giebt es aber ein Land, wo Regierung und Beamte darauf ausgehen, die Gesetze gegen Juden noch weit liberaler und milder zu handhaben, als sie buchstäblich lauten, als gerade in Dänemark? und das ist der Fall vom allerhöchsten bis zum niedrigsten Beamten, Alles gehet darauf aus, keinen Unterschied bemerklich zu machen, wir wissen eigentlich beinahe von keinem Unterschied; alle Gewerbe, alle Zünfte stehen uns offen und frei. Hier weiß man von keinem Ausnahmegesetze in dieser Hinsicht; wir können uns in jeder Hinsicht ebenso frei bewegen als der Christ; schon vor vielen Jahren .war der weltbekannte Professor Dr. mtid. Jacobson bei der Garde zu Fuß und der zu Pferde als Regimentschirurg angestellt; er wurde später königl. Leibarzt; jetzt ist vor einigen Jahren, unter vielen Konkurrenten von eminentem Wissen, ein Jude als Oberarzt beim königl. Friedrichs-Hospital angestellt, und ist vor 4 oder 5 Jahren zum Professor vom König ernannt worden; nur beispielsweise führe ich dieses an, nicht um Großthuerei; denn wir rufen es nicht laut aus in der ganzen. Welt, wenn uns ein Christ freundlich oder liberal behandelt; das sehen wir nicht als Gnade an, sondern als absolute Folge der hiesigen Zustände, der Gesetzgebung u. s. w. Es besteht zwar noch ein Unterschied auch hier, z. B. kein Jude kann öffentlicher königl. Beamter oder Lehrer an der Universität werden, das wissen Sie aber, das sind Folgen „von herrschender Kirche", diese Scheidewand wegzuräumen, dieses Problem zu lösen wird wol so leicht nicht gehen; doch vom „christlichen Staat" im Sinne Preußens, davon wissen wir Nichts, und Gottlob, daran denkt auch weder Regierung noch Beamte, kurz ich kann nur sagen ''Nrr pnb, wünsche ich, daß alle Juden sich so glücklich fühlen möchten, als wir es Gottlob hier können. Der große Theil der Juden Deutschlands und so vieler anderer Länder können ebenso wenig recht begreifen, wie gut wir es hier zu Lande haben, ebenso wenig als wir uns eigentlich recht vorstellen können, wie gedrückt und eingeschränkt sie leider leben müssen, unter den vielen Ausnahmsgesetzen, und Ein- und Beschränkungen, und den vielen Chikanen und verächtlichen Behandlungsweise, der sie von vielen Beamten und Obrigkeiten nach Laune und Belieben unterworfen sind, und wie sie für die