Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 36 (28.8.1848)
- Date
- 1848-08-28
- Page
- Seite 512 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225588--09614-3237885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
512 gäbe drängendere Angelegenheiten, mit denen -sich der Reichstag zu beschäftigen habe ... wir-geben es zu, wenn man wieder ein künstliches Judengesetz aus einigen hundert Paragraphen schmieden will, das nimmt viele Zeit weg, und es ist besser, der Reichstag findet dazu nie Leit, ja, es wird nie gemacht. Aber um die Gleichstellung aller Konfessionen auszusprechen, um den ewigen Grundsatz der Glaubens- und Gewissensfreiheit zu proklamiren — dazu gehört nur eine Viertelstunde. Entweder, oder — entweder Ihr wollt dies und dann seid Ihr gleich fertig — oder Ihr wollt dies nicht, nun — dann prahlt nicht damit. Wir wissen, was wir davon zu halten haben. Wir wissen, aber auch, was wir von Euch zu halten haben.... Literarische Nachrichten. # Leopold Kompert. # Magdeburg, 20. August. Wir haben eine große Schuld abzutragen. Aber nicht-wir tragen die Schuld. Bei den großen, herrlichen Gaben, welche diese Zeit gebracht, aber auch bei den ^anütchfachen Ueöeln — wir hoffen vorübergehende — die sie, verursacht hat, wird sie es sich gefallen lassen, auch diePSchuld auf sich zu nehmen. Wir erhielten vor einigen Monaten elegant ausgestattete Schrift zugesandt. Auf dem Titel,.stand: „Aus dem Ghetto. Geschichten von Leopold Kompert. Leipzig, 1848." Der Name des Verfassers hatte uns einen einen guten KlanL^„Denn von ihm beachtender fünfte Jahrgang des BuHischen,-Jahrbuchs das herrliche Stück „Alt Babels", Ms wir damals mit herzlichem Gruße entgegennahmen (Jatzrg. M'46. No. 35 d. Z.). Aber „Geschichte»^ — MM.konnte.damals „Geschichten" lesen, wo die.OMiW^M wunderbaren Strom über die ganze Wxst/üWß, ,uM Mer Tag neue Weltereignisse brachte, wunderbares,alß fWnd ein Mährchen oder eine Geschichte sie ersinnen /fonnte?? Das Buch blieb unaufgeschnitten liegen. „ - ' Aber, die Ruhe kommt doch einmal wieder.. Uyh diese Ruhe fühlte uns zu dem Fache, wo;die eiGMHnen, noch ungelesenen^Schristeu-liegen-'^esj,,«atW-ih-M nicht allzuviele -— und da kamdenn.HtzmpE Ghetto an die Reihe. Wir sinHen ary W,,lefeH>MO konnten uns nicht wieder davon trennen. Dies ist nun die Schuld, die wir abzutragen haben, dast wir unseren Lesern nicht früher von diesen herrlichen „Geschichten aus dem Ghetto" Kunde gaben, daß wir ihnen nicht sofort sagten, es ist ein Kleinod unsrer Literatur. Aber et sua fata habent libelli, sagt Horaz. „Auch die Bücher haben ihr Geschick." Es mag dies eben gut sein, daß es nicht früher geschehen. Unseren Lesern ist es ja ebenso ergangen, wie uns. Sie hatten trotz unsrer Anpreisung keinen Sinn gehabt für „Geschichten". Jetzt werden auch sie schon aufmerksamer, und das Buch sich für die bevorstehenden Herbst- oder Winterabende verschaffen. Es haben die letzten Jahre viele jüdische Geschichten, Gedichte, Mährchen, Erzählungen gebracht. Sie sind mit geringen Ausnahmen schnell wieder verschwundep. Kompert's Ghetto wird bleiben; höchstens wird es einst verschwinden, wenn es — nicht mehr verstanden werden kann, wenn die Ghetti's so selbst verschwunden sein werden, daß von dem langen und tiefen Leben, das einst in ihnen geschlagen und geflossen/keine Spur mehr übrig. Dann werden diese Geschichten ein verschlossenes Buch sein. Aber uns sind sie Noch frisch und lebendig, und wenn Kompert's Geschichten auch aus Böhmen's und Ungarn's Ghetti's stammen, von denen die deutschen Gemeinden sich sehr unterschieden und noch mehr jetzt unterscheiden, so ist doch der jüdische Charakter und das jüdische Leben so tief gezeichnet, daß überall, auch aus etwas verschiedenen Formen und Worten, uns dasselbe entgegenkommt. Was,nun Kompert's Ghetto so sehr, so überaus auszeichnet, das ist: die Wahrheit seiner Schilderungen und doch dabei der Schmelz, der Duft der Poesie, der darüber gebreitet. Er macht aus seinen Juden und Jüdinnen, keine Helden, nicht einmal Helden „zwischen den vier Pfählen". Ms ist überallNatur. Aber mit welch« Wünsche! rutheMMt er die Zauberquelle des Gemüthes und Ker MirmiKkeit an! Wie entquillt jeder Kleinigkeit ein tftfes UM Mtes Gefühl! „ Und wie durchwirkt er den. g»MN/MPpjch> den-er auftyllt, mit den reizendsten 8ZWnen dex/?PoMe^-mit Mleichnissen und Anklängen der dichterischesten, Art, ja auch mit feinen Zügen der Jröm«, die Keine»! wehe t-hun, Fürwahr, es ist noch Niemandem so gelungen. - . Wic.i wollen uns in keiner weitern Schilderung ergehen. Wir wMW nur die AMsmerksiimkekt ,unserer Leser Meckern das Eine woMe»f-wir nochlbemeeksm JedfrmqnnMMtHnerbach's' MvHeschichterr.j DieWatko»