Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 36 (28.8.1848)
- Date
- 1848-08-28
- Page
- Seite 511 (sequence 7)
- Language
- German
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511 kräftig auf. Allerdings hat die europäische Zivilisation, nachdem der Geist amerikanischer Freiheit vor 60 Jahren sie durchweht hatte, noch mancherlei Spuren auch auf Amerika zurückgelassen, und die amerikanische Freiheit ist noch zu jung, um nicht auch Reste der alten Unfreiheit noch unüberwunden zu haben. Es ist hier nicht der Ort, hierauf einzugehen, wie z. B. die Pächterverhältniffe, die in einigen, namentlich den älteren Unionsstaaten, viel zu schaffen machen. Aber das Hauptsächlichste ist die Sklaverei, die in den südlichen Staaten noch heimisch, und dort auf das Hartnäckigste vertheidkgt wird. Allein der Geist erstarkt so sehr, daß auch diese sie nicht lange mehr aufrecht erhalten werden können, und dann wird es in der ganzen Union heißen: „freier Boden und freie Arbeit, freie Lippe und freie Presse!" Ungarn. Pesth, 5. August. (Privatmitth.) Wenn es wahr ist, daß ein Volk nicht eher der Freiheit würdig ist, als bis es keine Unfreiheit mehr in sich ertragen kann, und daß ein Volk zuerst gerecht gegen Andere sein muß, bevor es Gerechtigkeit für sich verlangen kann —so ist leider! mein ungarisches Vaterland noch lange nicht berufen, ein freies Volk, dem volle Gerechtigkeit wird, in seinem gesegneten Schooße zu tragen. Ich sage „mein ungarisches Vaterland", denn ich muß mein Vaterland noch immer von denk Volke unterscheiden, das es bewohnt. Sehet Ihr nicht, indem Ihr Einem, dem Ihr das Vaterland doch nicht nehmen könnet, denn er ist in ihm geboren und groß geworden, meine Wiege stand da, und meines Vaters Grabstein steht da — indem Ihr Einem, dem Ihr das Vaterland doch nicht nehmen könnet, seine Freiheit und sein Recht vorenthaltet, sehet Ihr nicht, daß Ihr Euch dadurch das volle Recht an dieses Vaterland selbst nehmet? Sobald Ihr ausschließet, und sei es. nur Einen, der vollberechtigt ist, schließt Ihr Euch selbst aus. Das Vaterland gehört so lange Euch nicht ganz, solange Ihr in demselben Andere aus Euch ausschließet, denen es auch gehört. Ihr saget, Ihr Juden seid keine Ungarn; Ihr sagt dies, indem Ihr uns das Bürgerrecht versaget; Ihr könnet aber doch nicht sagen, dies Land ist nicht Euer Vaterland — nun so gehört dies Land nicht blos Euch an, und Ihr habt Euch selbst von dem Lande getrennt. Ja, und so verhält es sich auch mit der Freiheit. Rufet nicht im Siegestaumel: wir sind frei! Ihr seid nimmer frei, sobald Ihr Anderen, Gleichberechtigten, die Freiheit versaget. Ihr könnt dann sagen: wir herrschen, aber nicht: wir sind frei! Dies ist die Strafe, die in allem Unrecht von selbst wohnet, daß sein eigen Recht dadurch zu Unrecht wird, also aufhört Recht zu sein. Doch ich will aus diesen bitteren Betrachtungen herauskommen, indem ich vielmehr zu einer Thätsache übergehe, welche jene hervorgerufen. -Die Gleichstellung der Juden ist abermals a<l calendas graecas verschoben, ist im Angesichte einer so großen Zeit, und unter so erbärmlichen Gründen verschoben, daß sie eben wie auf immer verschoben aussieht. Die Zentralkommission der Nationalversammlung hat sich über die Emanzipation ausgesprochen. Sie hat die Gerechtigkeit derselben mit vielen Phrasen zugestanden — aber nur drei Sektionen haben ihre Verwirklichung beantragt, sechs Sektionen haben sich-dahin ausgesprochen, daß es so viele dringlichere Angelegenheiten gäbe, daß jetzt die Thätigkeit des Reichstages damit nicht in Anspruch genommen werden dürfe. Man solle daher lieber in Verbindung treten mit den Aufgeklärten unter den Juden, um die Hinwegräumung der trennenden Momente anzubahnen. Was hilft uns nun, daß die/welche ehemals in der Opposition saßen und da mächtige Worte für die unterdrückten Juden gegen die österreichischen Unterdrücker zu sprechen wußten, jetzt auf den Stühlen der Regierung sitzen? daß ein Eötvös ehemals für die Emanzipation begeistert schrieb, ein Kossuth begeisternd sprach — jetzt, wo es die Thal gilt/denken Sie nicht mehr daran. Nun, .immerhin, es hat Alles seine Zeit.... Man will die trennenden Momente hinwegzuräumen anbahnen — alter Einwand in neuem Gewände. O, wenn man erst anbahnen und Hinwegräumen will, was hätte man noch im Ungar lande und im Ungarvolke noch anzubahnen und hinwegzuräumen, und Jahrhunderte hätte man noch zuthun. Fürwahr, ich vertheidige die Juden wegen vieler Mängel nicht — aber wo sind denn die Lheile des Volkes in uiiserm gesegneten Lande, die nicht ebenso viele, vielleicht hie und da noch größere Mangel haben? Nicht der Adel, nicht der Bürger, nicht der Bauer. Splitter und Balken! was bist Du doch ein wahres Wort. — Es