Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 36 (28.8.1848)
- Date
- 1848-08-28
- Page
- Seite 510 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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510 weiter bauen, und dann einmal — nach langer Zeit — Zusammentreffen, niemals aber durch solch gemachte Sachen, durch Montagskränzchen und Nationalkirchenkongresse. Ich wunderte mich daher sehr, als ich erfuhr, daß Rabbiner Stein einer der Verfasser der Einladung sein werde. War er bei der Wahl zugegen? Hat er die Wahl angenommen? Und wenn dies, wie kam er dazu? Wie stimmen seine Antezedenzien hiermit? Alles das, was er bisher bekannte? wofür er mit Enthusiasmus und schöne Reden sprach? Ich begreife es nicht. Nein! das Judenthum am Wenigsten kann sich jenen Gleichmachern an den Hals werfen. Hatte es dazu sieine vier Jahrtausende gestanden, daß es sich halbreifen Zuständen zum Opfer bringe? daß es tausend streitenden Kirchen gegenüber einigen hundert, in der Schwebe hängenden Personen zu Liebe seine Mission aufgebe? Nein! dies sind Fehlgänge, die zuletzt zu Kirchgängen werden. Wir wollen dies nicht. Wir wollen unser Judenthum hegen und pflegen, nicht um allein zu stehen, sondern weil seine Wahrheit verkündet werden muß, der Kirche und dem Pantheismus-gegenüber, immerfort. Nordamerika. New-Nork, 2. August. (Privatmitth.) Es war nicht die Laune eines Augenblicks, es war ein tief gefühlter Zuruf, der mich in meiner ersten Zuschrift an Sie *), den Wunsch aussprechen ließ, daß von unseren Glaubensgenossen recht Viele ihre Blicke und Schritte hierher wenden mögen. Er ist hervorgegangen aus der Besorgniß, mit der wir hier die stürmische Entwickelung in Europa betrachten und verfolgen, und aus der Kenntniß der hiesigen Verhältnisse. Was will man? Nordamerika, die Union ist im kräftigsten Wachsthum nach außen und innen begriffen. Nach außen sind jetzt für die Union Kalifornien und Neu- Mexiko eröffnet, und bieten eine unermeßliche, herrliche Bodenfläche zur Bearbeitung und Bewohnung dar. Die Union geht ihrem Ziele strebsam entgegen, das darin besteht, durch eine großartige Zivilisation den atlantischen und stillen Ozean zu verbinden, und da¬ *) Der Korresp. meint den Art. vom 1. Juni in No. 29 d. Z., einen Artikel, der so vielen Anklang fand, daß ihn mehre Zeitungen abdruckten. Redakt. mit nach dem alten Orient, nach China und Japan zunächst, einen Weg zu bahnen, der natürlicher und schneller zum Siege führend, ist als der um Afrika herum. Jetzt soll nicht ein Weg für die Schifffahrt, sondern für die Zivilisation, für die vollständige Verbindung aller Theile der 'Erde angebahnt werden. Dieser Weg ist nicht der der Schiffe, sondern der der Kultur. Aber lassen wir diese große Zukunft, wenn erst an den Westküsten Kaliforniens und Neu-Mexiko's sich ebenso wie an den Ostküsten der Union Hafen an Hafen, Handelsplatz an Handelsplatz reiht und eine unendlich rührige, durch und durch kräftige und thätige Bevölkerung Platz gegriffen hat: sondern sehen wir auf die nächste Gegenwart. Die Union steht im Begriff neue, ungeheure, des Anbau's fähige Landschaften zu gewinnen und zu ihrem großen Umfange zu fügen. Welche Aussichten für neue Ansiedler, für ihre Nachkommen auf Jahrhunderte! Die Natur bietet ihre reichsten Schätze dem dar, der Muth und Kraft genug besitzt, sich ihrer zu bemächtigen, und die Zivilisation segnet ihn dafür, da er ihr Bote und Säemann ist. Und warum wollten sich unsere Glaubensgenossen nicht auch ihren Theil an dieser Zukunft und großem Werke nehmen? Warum sollten sie, die alten Wanderer, die die Tour um die Welt gemacht, jetzt so sehr an der Scholle kleben, daß sie nicht ihre Schritte nach dem herrlichen Westen richten mögen? Schüttelt die Last der Trägheit ab, kommet um zu arbeiten, denn die Arbeit lohnt sich hier. Ihr arbeitet unter dem Schutze der Freiheit und dem Schatten des Gesetzes zugleich. Freilich nicht eines so kleinlichen Gesetzes, das jeden Schritt in das Polizeibuch verzeichnet, aber eines Gesetzes, das tief in die Brust das Gefühl für Freiheit und Recht senket. Fragt Euch doch, warum ist Euer Herz in Europa so voll von Sehnsucht, die hinausstrebt aus Wust und wüstem Kampfe, und warum schlägt das Herz aller derer, die hierherkommen, so frei und froh und ohne Sehnsucht? Solch Ding kennt man hier gar nicht. Man stürzt sich entweder in die Wogen des Geschäftslebens, die wild brausenden, oder man versenkt sich in die Waldeinsamkeit, und läßt kräftig die Axt erschallen, welche aus dem Lager des Wildes eine behagliche, wenn auch nicht luxuriöse Wohnstätte des Menschen schafft. Freilich mit großen Mühen, aber die einen sichern Ertrag in Frieden zur Aussicht stellen. Ich sagte oben, auch nach innen wachse die Union