Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 36 (28.8.1848)
- Date
- 1848-08-28
- Page
- Seite 509 (sequence 5)
- Language
- German
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509 seine warme Lheilnahme, daß echte Bruderliebe auch unsrer Konfession gegenüber im Vaterlande zur geltenden Wahrheit geworden. Dank, warmen Dank allen diesen edel, gesinnten Herren! Zülpich, den 14. August 1848. Im Namen der israelitischen Gemeinde: Der-Vorsteher, H. Hirsch. Berlin, 21. August. Die Z. H. enthält folgende Bemerkung: Auch die Kaffe der hiesigen jüdischen Gemeinde leidet an bedeutender Geldkalamität, welche veranlaßt, daß wesentliche Veränderungen in dem ganzen Haushalt der Gemeinde eintreten sollen. Unter diesen heben wir hervor, daß die Gehalter der Beamten von über 300Lhlr. mit 10 ®/o und die über 500 Thlr. mit 20 % reduzirt werden sollen. — Der einen Ungeheuern Kostenaufwand erfordernde Synagogenchor soll aufgelöst werden und man spricht davon, daß der Vorsänger Lichten st ein demGemeindevorstande kündigen wird, da seine Einnahme mit seiner Stellung, die er hier einnehmen muß, in keinem Verhältniß steht. Wien, 5. August. Das Fr. I. enthält folgenden Artikel: „Die reaktionäre Partei, ununterbrochen bemüht, einen Krawall hervorzurufen, um damit einen Vorwand zum Einschreiten bewaffneter Gewalt zu geben, hat in der letzten Zeit die Juden zu ihrem Opfer gewählt. Zahllose, die Bevölkerung gegen die Juden aufregende Plakate, werden an allen Straßenecken feil geboten. Die Feinde der errungenen Freiheiten wollen eine vom Blutvergießen befleckte Volksbewegung gewaltsamer Weise Hervorrufen. Diese menschenfeindliche fluchwürdige Partei scheint aber zu vergeffen, daß solche Aufreizungen nur bei einem kleinen Theil des Pöbels Änklang finden, daß der bessere Mensch aber den Judenhaß als etwas Entwürdigendes findet und solche bezahlte Flugschriften mit Verachtung bei Seite legt." Frankfurt am Main, 18. August. (Privatmitth.7 Das hiesige Montagskränzchen, in dessen Schooß durch Robert Haas, wie ich Ihnen vor Kurzem schrieb (s. No. 33), die Frage über eine deutsche Nationalkirche, in der sich alle Konfessionen vereinigen sollen, zur Sprache gekommen, will bei der Diskussion in seiner Mitte nicht stehen bleiben, sondern verlangt die Sache weiter zu bringen. Sie will eine Versammlung, einen Nationalkirchentag, einen Nationalkirchenkongreß ausschreiben, um Hand an's Werk zu legen. Dazu soll eine Einladung ergehen, diese Einladung soll abgefaßt werden, zu dieser Abfassung hat sie eine Kommission erwählt, eine Kommission von dreien, und unter diesen dreien ist der dritte — — der Rabbiner Stein. Natürlich stimmt Herr Theodor Creuznach hiermit nicht überein, der in. diesen' Religionsbestrebungen kein Heil sieht. Hierin stimmen wir mit Creuznach zusammen, nur wegen des Warums'nicht. Er nicht, weil religiöse Bestrebungen gar nicht stattfi'nden sollen, wir nicht, weil sie auf diesem Wege nicht stattfi'nden sollen. Und warum dies nicht? Weil sie zu Nichts führen, weil sie.in das leere Gebiet des Inhaltslosen hinausführen, und weil diejenigen, welche es unternehmen, den ganzen historischen Boden ihrer Konfession verlassen, also ein Dach bauen, ohne daß sie einen Grund chaben. Man vergesse es doch nun und nimmer, daß es wirklich nur zwei Läger giebt: der Pantheismus und der positive Religionsboden. Alles Dritte ist in die Luft gebaut, ist eine Tretmühle, in der man sich im Kreise bewegt. Der Pantheismus will keine Kirche, kann keine Kirche wollen und brauchen, und macht sich lächerlich, wenn er eine will, sie mag aussehen wie sie wolle. Auf dem positiven Religionsboden giebt es aber keine Willkür, sondern man muß da weiter bauen, wo man einmal durch die Geschichte steht; man kann seinen Boden nicht mit einem Male verlassen, und sich einen neuen schaffen nach Herzenslust. Man kann auf seinem Grund und Boden umformen, reformiren, umackern, neu säen und pflanzen, wie das Bedürfniß es verlangt. . Aber der Boden wird stets derselbe sein. Diesen aber aufgeben, und sich ein neues Plätzchen aussuchen, wohin Jeder kommen soll — das ist eine Seifenblase, denn der Boden läßt sich einmal nicht mit davontragen. Die Herren werden da in ziemlicher Zahl Zusammenkommen, debattiren, resumirenund beschließen. Dies im günstigsten Falle. Und werden wieder nach Hause gehen, und es ist wie vorher, weil sie eben keinen eignen, geschichtlich gegebenen Boden haben. Die Juden werden Juden, die Evangelischen evangelisch und die Katholiken katholisch bleiben. In sich, auf eigenem Grund und Boden wird jede Konfession