Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 36 (28.8.1848)
- Date
- 1848-08-28
- Page
- Seite 508 (sequence 4)
- Language
- German
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508 liches Stkib dem eines evangelischen Geistlichen ähnlich ist; auch kann ja von einer Nachäffung schon aus dem Grunde nicht die Rede sein, da die Sitte der jüdischen Kirchendiener, beim Gottesdienste Amtskleider zu tragen, eine uralte ist und sich aus der Lempelzeit herschreibt; wie aber evangelische Geistliche dadurch, daß eine andere Konfession zur Verherrlichung Gottes im Hause des Herrn einen dem ihrigen ähnlichen Talar tragen soll, Gegenstand der Verspottung werden können, ist doch nicht gut denkbar. Ad 3) muß ich bemerken, daß Sutor für die Jetztzeit keine Autorität sein kann, da ich, wie schon oben bemerkt, durch. Zeugnisse von anerkannten Rabbinen meine Befugnisse Nachweisen werde. Aus angegebenen Gründen bitte ich eine königl. hochlöbl. Regierung inständigst, diese Verordnung, die nicht nur die betreffenden Synagogendiener, sondern auch die Gemeinden auf's Tiefste betrübt, zurückzunehmen, oder mir, im Falle dieses nicht geschehen kann, das betreffende Reskript einzuhändigen, daß ich, auf Grund desselben, mich hohem Orts verwenden kann. Einer königl. hochlöbl. Regierung Antwort entgegensetzend rc. Alexander Cahn." —. Wie unsere christlichen Mitbürger mit jedem Lage uns mehr zu sich heranziehen, davon mag dieses zeugen, daß man bei der Feier des 6. August auch den jüdischen Lehrer Cahn. aufforderte sich daran zu betheiligen, und diese Feier durch eine Festrede zu verherrlichen, was derselbe mit der größten Bereitwilligkeit und zur größten Zufriedenheit übernommen. Auch unsere jüdischen Einwohner wissen dieses zu würdigen, indem dieselben, ganz unerwarteter Weise, zu diesem Feste ausgezeichnet sschön illuminirt halten. C. (Bemerkung der Redaktion. Die Negierung zu Arnsberg hat sich mit dem in obiger Korrespondenz erwähnten Reskript Uebergriffe erlaubt, die nun- und nimmermehr zu dulden sind. Hat die Zeit der Bevormundung, hat die Zeit der Eingriffe in die Religionsfreiheit noch nicht aufgehört? Das Verbot des Talartragens von Seiten jüdischer Kultusbeamten hat selbst das Eichhornsche Ministerium nicht durchzusetzen vermocht, und die arnsberger Regierung will es jetzt durchsetzen? Was hat sich die arnsberger Regierung darum zu kümmern, was in der Synagoge vorgeht, sobald es die öffentliche Ruhe und die Sittlichkeit nicht verletzt? Was hat sie zu befehlen, wie der jüdische Kantor gekleidet sein soll, und wie nicht? Wir dächten, es gäbe jetzt andere Sorgen und Angelegenheiten. So unbedeutend die Sache an sich ist, so ersuchen wir doch die Vorstände der arnsberger Gemeinden, die Sache nicht ruhen zu lassen, denn sie wird doch nur der Anfang weiterer'Uebergriffe sein. Die Religionsfreiheit ist feierlich proklamirt, in den „Grundlagen der zukünftigen Verfassung" vom König und zweiten vereinigten Landtag sanktionirt. Zu dieser großen Religionsfreiheit gehört aber wol die kleine Frage, wie' die Kultusbeamten einer Religion gekleidet sein mögen. Sind das die letzten Seufzer, letzten Zuckungen eines erstorbenen Systems? Dann ist sein Tod so kleinlich wie sein Lebem Oder die Anfänge neuer Belebungsversuche? Dann ist es gut, daß sie im Keime erstickt werden.) Zülpich, 15. August. 'Die Köln. Zeit, enthält folgende Anzeige: Einweihung der Synagoge zu Zülpich. Dank den braven Mitbürgern von Zülpich, welche bei der am 12. d. M. stattgehabten Einweihung der neuen Synagoge unser glänzendes Fest verherrlichten. Dank der Bürgergarde, welche bewiesen hat, daß sie nicht, an alten Vorurtheilen hängt, vielmehr nach den Grundsätzen der Humanität auch unsere Konfession mit Achtung behandelt. Wen mußte es nicht.tief rühren, als die Bürgergarde beim Eintritte der heiligen Bücher in das neue Gotteshaus präsentirte! Wir werden es nie vergessen, daß uns so freundschaftlich die Hand zur Liebe geboten worden! Von Nah und Ferne waren unsere Glaubensgenossen zu dem schönen Feste herbeigekommen, und Alle haben sich gefreut über die schöne, kunstreiche Ausschmückung des Tempels, haben sich erbaut an den geistreichen, gehaltvollen Reden unsers würdigen Oberrabbiners, des Herrn Bodenheimer, und Alle waren tief ergriffen, zu sehen, wie brüderlich ihm im Festzuge die katholische Geistlichkeit der Stadt'folgte, wie sich Herr Landrath Schröder, Herr Bürgermeister Wachendorff, die übrigen Beamten und der Stadtrath in Freundschaft anschloffen. Jeder mußte sich gestehen: hier herrscht wahre Nächstenliebe, hier herrscht echter deutscher Biedersinn! Herr Landrath Schröder öffnete die Thür zur neuen Synagoge; Herr Landtagsabgeordneter Notar Pfahl befehligte die Bürgergarde und überzeugte uns durch