Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 35 (21.8.1848)
- Date
- 1848-08-21
- Page
- Seite 502 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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502 und jüdischen Festtagen müssen sie vom Schulbesuch gänzlich dispensirt werden. Jüdischen Lehrern an. solchen Schulen müßte es freilich gestattet sein, an den letztgenannten Tagen während des öffentlichen Gottesdienstes den Unterricht einzustellen, daß die persönliche Wohlfahrt der jüdischen Lehrer nicht besonders dabei begünstigt wird, ist klar, könnte mich aber doch nicht abhalten, eifrig dafür zu sein, weil das Judenthum dabei gewinnen muß. Ich habe es bedauert, wiederholt in dieser Zeitung Lehrerstimmen zu vernehmen, die für das Gegentheil auftraten, ohne Motive anzugeben. Gern lasse ich mich eines Bessern belehren, wenn diese nachträglich noch folgen. 6n. VI. Frechen, 8. August. Ebenso wie mich, hochgeehrtester Herr Doktor, wird es gewiß sämmtliche jüdische Lehrer Preußens gefreut haben, daß Sie in Ihrem weit gelesenen Blatte einen Sprechsaal für das jüdische Schulwesen eröffnet haben, indem dieses ein Zeugniß giebt von dem großen Interesse, welches Sie dieser äußerst wichtigen Angelegenheit widmen. Aber die von Ihnen gemachte Eintheilung der Lehrer darf nicht durchgeführt werden, soll das alte Sklavenverhältniß nicht fortdauern und zum größten Nachtheile für Lehrer, Gemeinden und Schüler fortwuchern. Mag das neue Schulgesetz auch ausfallen wie es will, dafür muß gesorgt werden, daß die Gemeinde den Lehrer nicht nach Willkür und Laune entlassen darf, dafür muß gewirkt werden, daß der Jugenderzieher nicht dem Kain gleich unstät und flüchtig umhergetrieben wird, dahin muß gearbeitet werden, daß er ebenso wie der geringste Mensch einen festen Wohnsitz haben kann. Wie ist es möglich, daß der Lehrer mit Much und Freude seinem schweren Drucke obliege, wenn er einen Blick in die dunkle Zukunft wirft! Wie kann er mit Erfolg unterrichten, da er nicht weiß, ob ec künftiges Jahr seinen Kopf auf das Kissen legt, welches jetzt zu seiner Benutzung hergegeben ist! Wie kann er mit Lust seine Arbeit beginnen, da der leiseste Hauch das Gebäude völlig zerstören und ihn unter den Trümmern erdrücken kann, worüber er Jahre lang gearbeitet hat!? Mehrere Lehrer kenne ich, die sich nicht länger durch ihnen an Kenntnissen und Moralität weit nachstehende. Personen wie eine Welle umherjagen lassen wollten, und im vorgerückten Alter das in der Jugend erlernte „Geschäft" mit einem andern vertauschten, Viele die dies auszuführen Vorhaben, wenn der alte Möst und Schmutz fortdauern wird, und nur wenige Jünglinge werden sich bei dem jetzt geöffnete Felde des Staatsdienstes in der Zukunft dem undankbaren und uneinträglichen Lehrfache widmen. Ohne Ansprüche auf prophetische Gaben zu machen, wage ich den ernsten Ausspruch: „Wird jetzt den jüdischen Lehrern nicht geholfen, so wird sich deren Zahl von Jahr zu Jahr vermindern; wird jetzt nicht aufgebaut, dann wird nredergerissen." Daß wir bei der Regierung nicht den mindesten Schutz haben, geht aus den unten folgenden Korrespondenzen hervor. Diese Jgnorirung hat schon viel Unglück über Lehrer gebracht und deren Lage verzweiflungsvoll gemacht. In Dinslaken wurde vor 27 Jahren einem Vater von 7 Kindern, wovon das jüngste einige Monate zählte, die Stelle gekündigt. Um in dieser Noch seinen Kindern „Brod" zu verschaffen, gab sich der Vater den „Tod".' Die Gemeinde unterhielt die Kinder. Seinem Nachfolger, welcher die Stelle 24 Jahre verwaltete, konnte sie trotz des Beistandes der Behörden nicht erhalten werden; als 50jahriger mußte er sie verlassen. In Camen wurde vor 8 Jahren einem Vater von 3 Kindern die Stelle gekündigt, obgleich er 8 Jahre dort war; eine neue konnte er nicht bekommen. Um für die Kinder „Bcod" zu haben, ließ er diese und sich taufen. In Bünde wurde vor 9 Jahre einem Vater von mehreren Kindern die Stelle gekündigt, ohne eine andere antceten zu können; um „Brod" für die Kinder zu haben, wurde er Handelsmann. Und so werden Sie wenige Ortschaften finden, die nicht eine Lehrergeschichte aufzuweisen haben! Sobald die Lehrer verheirathet sind müssen sie jeden Augenblick den. sie zu Boden werfenden und zerschmetternden Blitzschlag befürchten. Und woher diese unglückliche Lage unter den Unglücklichen? Weil sie Andere belehren und glücklich zu machen suchen?! O des schändlichen Undankes! Schon sehr oft haben Sie, hochgeschätzter Herr, mit dem segensreichsten Erfolge für Ihre Glaubensgenossen eifrig gewirkt, suchen Sie auch jetzt durch Ihre Mitwirkung den unglücklichen gordischen Knoten der jüdischen Lehrer mit dem Schwerte der Vernunft und der Menschlichkeit bei der hohen Staatsbehörde durchzuhauen. Im Sinne meines muthigen Kollegen Wedell, dem ich hiermit im Geiste recht herzlich die Bruderhand drücke, habe ich bereits eine Petition nach Berlin geschickt. A. de Groote.