Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 35 (21.8.1848)
- Date
- 1848-08-21
- Page
- Seite 500 (sequence 8)
- Language
- German
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500 Die alte Mythe vom „ewigen Juden" soll hier sich wieder bestätigen. Alle Verhältnisse überstürzen sich; das unmöglich Geglaubte geschieht vor unseren Augen; was der Völker kühnste Phantasie -nur nach langen Kämpfen erreichbar wähnte, — sie haben es in wenigen Stunden erreicht; nur der Jude — bleibt ewig — Jude. Unsere christlichen Mitbrüder glühen für Freiheit; und.an dieser hellauflodernden Flamme — schmieden sie neue Kelten für den Juden!! Die Fahne der -Gleichheit lassen sie hoch flattern; und unter-ihrer Bedeckung halten sie Versammlungen, den Juden wieder in's Ghetto zu sperren! Für Einheit und Verbrüderung schwingen sie das geheiligte Schwert; und mit diesem heiligen Schwerte verwehren sie dem Juden den Eingang in das Paradies der Freiheit!!... „Ich dachte aber: Wolan, der arme Haufe ist unverständig; kennt nicht den wahren Weg des Göttlichen, weiß nicht, was wirklich Recht ist. Ich will zu den Großen gehen und mit ihnen reden; dieselben werden um des Göttlichen Weg und um das göttliche Recht wissen.... Aber sie sind allesammt vom guten Pfad abgewichen, nicht Einer thuet das Gute, nicht Einer das Rechte." (Jerem. 5, 4. 5. Ps. 54, 4.) Wahrlich nicht als Juden, weil wir dabei gelitten, sondern als treuen Sohn Ungarns, für dessen Ruhm und Glanz ich glühe, schmerzt es mich ungemein, daß unsre Sache in den letzten Tagen des nun Gott sei Dank beendeten Reichstages so erbärmlich — ich weiß kein passenderes Wort — behandelt wurde. Ungarn hat sich dadurch ungemein blamirt. Das Faktum steht vielleicht vereinzelt da in der Emanzkpationsgeschichte. Ein edles urkräftiges Volk erhebt sich aus der langen Unthätigkeit, erklärt offen und unverholen in 12 Punkten seine Wünsche. Der 4. dieser zwölf inhaltsschweren Punkte spricht völlige Gleichheit aus. Der Reichstag ist bereit diesem Punkte Gewährung zu geben und' endlich auch den Juden gegenüber dem Rufe der Gerechtigkeit Folge zu leisten. Er hat ihnen bereits faktisch die Lheilnahme an bürgerliche Rechte gestattet, indem er sie als wahlfähig und wählbar erklärt. Und weil in Preßburg von raub- und plünderungssüchtigem Gesindel ein Straßenauflauf „arrangirt" wird, werden 300,000 Bewohner Ungarns wieder der wohlverdienten Rechte beraubt und in's Mittelalter zurückgeworfen; heute, wo Alles mit der rostigen Vergangenheit bricht und ein neues Leben beginnt!... Doch wir wollen — wie Freund Diösy sagt — wir wollen nicht bitter sein. Wir sind noch nicht emanzipirt. Beschämend wol; aber nicht für uns, sondern für Ungarn. Unglaublich fast.nach den welterschütternden Feber- und Märztagen; aber leider nur zu wahr. Warum? weil — wie man sagt — die Vorurtheile bei Großen und Niederen gegen den Juden noch zu stark sind. Diese fürchten seinen Schacher- und Wuchergeist; jene seine fremde Sprache, seine staatsgefährliche Religion u. s. w. u. s. w.... So möge denn auch diese kleine Schrift ihr Scherflein dazu beitragen, jene Vorurtheile zu zerstreuen'und in den Herzen unserer christlichen Mitbrüder die Ueberzeugung zu befestigen, baß „die denJuden zugeeigneten Fehler, wenn und inwiefern sie wahr sind, nur durch die Emanzipation radikal geheilt werden können;" möge sie dazu beitragen, je früher den Zeitpunkt herbeizuführen, in welchem Ungarns Volk und Legislation die an uns geübte Ungerechtigkeit, womit es seine glorreichen. Märztage und -Ereignisse befleckt, tilgen- und auch uns an den Himmelsgütern der Freiheit, Gleichheit und Verbrüderung theilnehmen lassen wird. Die Zeit ist großer Thaten schwanger. Was heute noch unmöglich scheint, ist morgen bereits anerkanntes Faktum. Möge auch unsre Emanzipation dies schöne Loos theilen...." (Pesth, 10. April 1848.) Korrespondenze«. Debatten über das jüdische Schulwesen. (Fortsetzung aus No. 31. 32.) V. Bott der Warthe, im August. Soll der jüdisch-deutsche Lehrer Konfessions- oder Simultanschulen wünschen? Die Erörterungen über die künftige Gestaltung der Schule in Preußen haben vor Kurzem in den Kreiskonferenzen stattgefunden und werden die Resultate derselben nächstens nochmals in den Provinzialkonfecenzm geläutert und als Wünsche der gesammten preußischen Lehrerschaft an die oberste Behörde abgehen, da die Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen bei uns als Prinzip ausgesprochen und theilweise schon zur Ausführung gekommen ist, so kann auch der jüdische Lehrer, seinen christlichen Kollegen gegenüber, kein Sonderinteresse verfolgen, hat sich in allgemeinen Schulangelegenheiten nur jenen eng anzuschließen und mit der fortgeschrittenen Partei unter ihnen zu stimmen. Partikuläres hat der jüdische