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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-08-21 · Heft 35 (21.8.1848) · p. Seite 499

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 35 (21.8.1848)
Date
1848-08-21
Page
Seite 499 (sequence 7)
Language
German
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499 sche Bauer und ärmere Bürger zum Aufstand nur in der festen Ansicht ging, gleich nach .dem Siege.dem Deutschen Alles-abzunehmen, was erbesitzt, und unter sich zu theilen, ist sicher. Nun, wollten die Herren, daß wir auch dieses Opfer tragen sollten, ohne Kampf und Widerstand, nur um des historischen Polens willen? Dies die Gegenwart. Und was nun die Zukunft? Kann Einer, nur Einer der Herren, die uns verschreien, verbürgen, was dann geschehen wäre, wenn der Pole gesiegt hätte? was für eine Art Staat, was für ein Gesetz, eine Ordnung? Wer hätte organisirt? Wer aber von ihnen hätte organisiren lassen? Welcher Pole gehorcht seinem Führer nach dem Kampfe? Und welcher polnische Führer will nicht der alleinige sein? Nein! nach dem Kampfe würde der Kampf erst recht angegangen sein, und was jener übrig gelassen, würde dieser verschlungen haben. Und endlich, warum sollte denn das Großherzogthum Posen, dieser kleinste Theil des ehemaligen polnischen Reiches, und der Theil, in welchem die polnische Bevölkerung jetzt nur ein Bruchtheil ist, warum sollte dieser das erste polnische Reich sein? Warum gingen die Führer nicht nach Galizien, wo die polnische Bevölkerung noch so ungeheuer überwiegend ist, und wo sie eine viel schwächere Regierung zu überwinden hatten, als in Preußen? Nein! jede andere Beurtheilung der Juden und Deutschen im Großherzogthum Posen ist eine völlig ungerechte. Wir waren im Zustande, der natürlichen Nothwehr, um Mord und Plünderung in der Gegenwart, und die unheilvollste Zukunft von uns abzuwenden. Und nun verbietet es überhaupt sich zu vertheidigen, wenn Ihr die von uns angestrebte Vertheidigung verdammen wollt. Ja, wenn uns ein großes, freies, edeles Polen, wie es in der Phantasie besteht, entgegengetreten wäre, dann könnte man uns Vorwürfe machen — diesem Bilde entspricht aber nicht das historische Polen, wie es in den verschiedenen Jahrhunderten seiner Existenz vorhanden war, diesem entspricht noch weniger die Masse der jetzt aufstehenden Polen. Und die Führer? Daß edle, hochbegabte Naturen unter ihnen sind, Niemand wird es verkennen. Sie mögen aber selbst auftreten, und sagen: ob sie, Europa gegenüber, sich verbürgen können, mit ihrer Ehre sich verbürgen können, die Masse in Zaum zu halten und sie zu beherrschen! Man vergesse nicht, es sind Männer, die seit Jahrzehenden in der Fremde 'leben, welche die Masse gar nicht kennt, die ihnen einen Einfluß nur auf die kurzen Momente des Kampfes gestattet, dann aber ihrer selbst höhnen würde. Und daß wir einem allgemeinen Chaos, einer grenzenlosen Verwirrung, die viele Geschlechter verschlungen hätte, uns nicht widerstandslos hingeben wollten, und in einem Augenblick, wo über Preußen und Deutschland eine neue Zeit der Freiheit aufging, das will man uns zum Vorwurf machen? Sonderbar. Es sind dieselben Herren, die das historische Recht zerbrochen uns vor die Füße werfen, und sagen: nur wer lebt und was lebt, hat Recht! Dieselben aber wollen Polen in den Grenzen von 1772 wieder Herstellen, während diese Grenzen durch die lebenden Menschen seit lange verrückt sind! Literarische Nachrichte«. Magdeburg» 1. August. (Fortsetzung.) „Zur Judenfrage in Ungarn. Von I. Einhorn, Rabbinatskandidat. Ofen, 1848." Diese, in vielen Theilen kernige Schrift ist vor den Märzereignisien abgefaßt, aber im April geschrieben. Um sie in Styl und Behandlungsweise zu charakterisiren, geben wir hier das „Vorwort", welches so lautet: „Mit der zweiten, durch die Zensur nöthkg gemachten Abschrift der vorliegenden Broschüre beschäftigt, überraschten mich die großen Ereignisse des 15. Marz. Und als ich des Nachts freudetrunken nach Hause kehrte, da dachte ich: Die Schutzschrift kann jetzt getrost den Flammen übergeben werden. Wozu noch für die Emanzipation sprechen oder schreiben.; sie ist bereits fait accompli. So dachten mit mir sämmtliche Israeliten Pesths, vielleicht kein Einziger ausgenommen. So dachte und sprach auch der größte Theil des nichtjüdkschen Publikums.... Wir wurden allesammt recht frühzeitig aus diesen schönen Gleichheitsträumen geweckt. Das Erwachen war ein trauriges. Der Edelmuth denkt; die Engherzigkeit lenkt. — Er hat völlige Gleichheit und Verbrüderung dekretlrt; sie will kein Steknchen von der alten chinesischen Scheidewand abtragen lassen. Er will alles Vergangene vergessen und den lange verstoßenen Sohn an's höher pochende Vaterherz drücken; sie, die halsstörrige Mutter, vergißt auch im höchsten Freudentaumel nicht ihres frühem Hasses, und stößt ihn erbarmungslos von sich.

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