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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-08-21 · Heft 35 (21.8.1848) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 35 (21.8.1848)
Date
1848-08-21
Page
Seite 498 (sequence 6)
Language
German
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498 Und wenn es schon früher die Pflicht von uns forderte, so erheischt es jetzt um so mehr die Dankbarkeit, den Völkern für die geschenkte politische Freiheit die Glaubensfreiheit angedeihen zu lassen. Alle freieren Religionsgesellschaften neigen sich zu der wahren reinen Gotteserkenntniß, ohne alle Beimischung pfäffischer Zeremonien, mir müssen ihnen in diesem Glauben entgegenkommen, indem wir unfern Gottesdienst so einrichten, daß er Allen verständlich und die Völker von uns den Glauben an einen einzigen ewigen Gott lernen und erkennen und uns auf diese Weise der großen Aufgabe, die uns vom Ewigen gestellt ist, entledigen. Nein, wir müssen auch um unsrer selbst willen den Gottesdienst deutsch einrichten, damit wir uns selbst nicht unserer wahren Religion entfremden; denn der bei Weitem größere Lheil der jetzt lebenden Juden versteht kein Hebräisch und die heiligsten Gebete werden durch das gedankenlose Dahinplappern entweiht und entheiligt, und indem wir während des Gebetes an etwas Anderes denken, wird der Gottesdienst zum Götzendienst, die Gottesfurcht zur Gottlosigkeit; während unsre Religion sich durch einen rein deutschen Gottesdienst bei seinen Anhängern Liebe, bei den übrigen Völkern Achtung erwerben muß. Wehe uns! wenn nicht mehr der Geist der reinen Gotteserkenntniß unsre Religion ausmacht, wenn uns erst Zeremonien daran erinnern müssen, daß wir Juden sind. Nur die Rückschrittsmänner, die Feinde der guten Sache, kämpfen gegen einen deutschen Gottesdienst, jene Männer, denen daran gelegen ist die mosaische Religion unter dem Drucke der Zeremonien zu begraben und Zwietracht zu säen. — Schon ist offner Zwiespalt zwischen uns und der Genossenschaft, aber ein noch viel schrecklicherer, ein geheimer bereitet sich vor, und findet nur noch durch das thatenlose Geschehenlaffen neues Gift, neuen Gährungsstoff und kann nur in einem furchtbaren Prinzipienkampfe enden, in dem der wahre Geist unsrer Religion notgedrungen untergehen muß. Nur die Einführung eines rein deutschen Gottesdienstes vermag es, die getrennten Parteien wieder zu vereinigen, zu versöhnen und Israel dem ihm von Gott gestellten Ziele näher zu bringen: der Prophet der reinen Gotteserkenntniß zu fein. Eilen wir ehe das donnernde „zu spät" erschallt, denn auch die Provinzen sehen mit banger Erwartung auf Berlin, um ihm nachzustreben. Nochmals fassen wir das oben Gesagte und Begründete zusammen. Es soll sich der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde mit sachverständigen Leuten und dem Vorstand der Genossenschaft in Verbindung setzen, um gemeinschaftlich einen deutschen Gottesdienst und zwar schon zu den nächsten Festtagen einzurichten, und sollen diese wöchentlichen beruhenden Versammlungen öffentlich sein, damit auch die übrigen Mitglieder der Gemeinde in denselben ihre Meinung aussprechen können. Unterschriften zu dieser Adresse zu sammeln hielten wir für zeitraubend und unnütz, denn ganz Deutschland will mit uns: Einen deutschen Gottesdienst. v. H. Posen, im August. (Privatmitth.) Allerdings müssen wir hier immerfort in der Besorgniß sein, daß die polnischen Unruhen in unsrer Provinz noch einmal losbrechen. Allein vor der Hand ist keine Aussicht zu irgend einem Gelingen für die Polen vorhanden, und so könnten es nur Versuche hie und da sein, welche bald wieder gedämpft würden. Die polnische Sache ist für lange wieder beseitigt. Rußland halt seinen Lheil Polens mit eiserner.Ruthe nieder, der österreichische Lheil strebt sich in Oesterreich einen freien 'Platz zu gewinnen und träumt vom Panslavismus — wir allein haben mit Gut und Blut die Aufstandsversuche bezahlt. Man hat die Deutschen und Juden sehr verschrieen,-daß sie sich dem polnischen Aufstande nicht gefügt, nicht zugesellt. Allein diese Anklagen der europäischen Phantasten sind nachgerade lächerlich geworden. Wir wollen den Polen die Freiheit einräumen, sich zu erheben; aber die 'Freiheit muß man uns doch auch einräumen, uns dagegen zu erheben, und uns vor der polnischen Herrschaft zu wahren! Eine polnische Herrschaft! wissen die Herren, die sehr wohlfeil edel sein können auf anderer Leute Kosten, was das heißt? Daß unser Aller Leben auf dem Spiele stand, das will ich gar nicht sagen, denn man wird es nicht glauben, und die Herren werden in ihrer Sicherheit meinen, ja einige Opfer kostet jede große Sache. Daß aber der polni-

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