Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 34 (14.8.1848)
- Date
- 1848-08-14
- Page
- Seite 490 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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490 traf ebenfalls das Loos — und wurde er vom Befehlshaber zum israelitischen Feldgeistlichen ernannt. — Das Betragen der Juden in der Garde ist größtentheils lobenswerth, und auch die minder gute Aufführung Einiger wirft Leinen Schatten auf ihre besseren Glaubensbrüder. Dbwol denweßprimer Juden die Ehre nicht zu Eheil wurde, mit ausrücken zu können, haben dortige Spekulanten es doch nicht vermieden, die Brodlieferung für unsre Mannschaft zu unternehmen, welches Gelegenheit giebt, selbst vorder Front öfters den Ramm Jude wieder ehrenhaft nennen zu hören. Sollte mir Ln dem uns bevorstehenden Kriege von der Vorsehung das Loos fallen, von dieser Erde abgerufen zu werden, so glauben Sie es, ehrwürdiger Herr Rabbiner, daß in meiner letzten Stunde, nächst der Sorge für meine Familie, mein Herz keinen andern Wunsch mitnimmt, als daß Gott unser Volk bald erleuchten und beglücken möge. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 1. August. Die vergangenen, verhängnißvollen Monate haben Vieles in den Hintergrund gedrängt, was demungeachtet einer kommenden ruhkgern Zeit nicht verloren gehen darf und wird.. Wir nehmen daher Gelegenheit, einiges Literarische jetzt nachzuholen. Allerdings wird mehr als je hier nach dem Datum des Vorworts zu sehen sein. Denn die vor dem Februar herrschende Richtung in der Literatur, die vor dem.Marz noch geschwungene Geißel der Zensur wird in die Erinnerung zucückzuführen sein, um den Standpunkt für die damals erschienenen Schriften wieder zu gewinnen. Wir heben hier zunächst hervor: „Die freie' christliche Kirche und das Judenthum. Sendschreiben an Herrn Johannes Ron ge, in Bezug auf mehrere Aeußerungen in dessen neuester Schrift: Das Wesen der freien christlichen Kirche." Von llr. B. Beer. Leipzig, 1848. Eine zwar milde, aber doch schlagende Polemik gegen diebornirten Auffassungen des Judenthums von Seiten des deutschkatholischen Reformators, der freilich in dieser Stunde nicht viel mehr auf sein eigenes Werk giebt, zeichnet dieses Schriftchen aus, aus dem daher Nichts des Zusammenhangs wegen zitirt werden kann. Wir geben daher hier nur das „Vorwort", welches nach der Schrift selbst in manchem Leser ein Verlangen rege machen wird. Es lautet: „Wenn in früherer Zeit die Angriffe auf das Judenthum gewöhnlich nur von der Seite des Stabilismus herrührten, so hat sich in neuerer Zeit das Blatt fast gewendet. Manche Liberale, die aber die Freiheit und den Fortschritt nur für sich und ihre Ansichten in Anspruch nehmen, glauben kn dem Dünkel die wahre Aufklärung schon erfaßt zu haben, mit Achselzucken auf Juden und Judenthum herabsehen zu müssen. Selbst helle Köpfe, die wohl begriffen haben, daß die politische Emanzipation der Juden heutzutage eine abgemachte Sache sei, die höchstens durch Krämerneid hier und da auf wenige Jahre noch hinausgeschoben werden kann, möchten doch gern vorerst den Juden vom Judenthum abstreifen und erblicken in Letzterm ein gewisses memevto mori. Großentheils ist die Schuld daran in Unkenntniß zu suchen, da man sich selten die Mühe nimmt, die Doktrinen des Judenthums genau und unparteiisch zu erforschen, und einige schlechte Exzerpte in veralteten Kompilationen für Judenthum Hält, ohne von der vollen und reichhaltigen jüdischen Literatur irgend Notiz zu nehmen. — Eine solche auf totale Unkenntniß gegründete, einseitige Auffassung des Judenthums gewahrte ich in der neuesten Schrift des Urhebers des Deutschkatholizismus, welche mir zufällig in die Hände kam; es war mir dies um so befremdlicher, als es unnatürlich erscheint, daß jenes, dem Boden kaum entsprossene Reislein, derDeutschkatholizismus, sich bereits unterfängt, den uralten Stamm alles religiösen Glaubens und Wissens mit entwurzeln zu helfen. Ich hielt es darum für gerathen, die wesentlichsten Jrrthümer jener Schrift in Bezug auf dasJuden- Ihum mit möglichster Kürze und Faßlichkeit zu beleuchten, damit dergleichen falsche Annahmen und Folgerungen sich nicht weiter im Publikum festsetzen und neuer Haß und Lieblosigkeit darauf sich pfropfen. — Kennern werde ich wenig Neues gesagt haben; dies war aber meine Absicht, da ich ja nur das nichtgekannte oder mißkannte Alte wieder in seine Rechte einsetzen wollte. — Ich habe die Form eines Sendschreibens gewählt, da »mir diese am Geeignetsten schien, um den Sätzen des Herrn Verfassers schrittweise zu folgen. — Daß von einer Persönlichkeit oder von einer vorgefaßten Meinung gegen die Glaubenssätze einer andern Konfession hier nicht die Rede sein könne, brauche ich dem verständigen Leser wol nicht zu sagen; das Gebiet meines Glaubens sollte blos von