Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 34 (14.8.1848)
- Date
- 1848-08-14
- Page
- Seite 489 (sequence 9)
- Language
- German
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489 mich hierdurch allen Ellern, die gesonnen sind ihre Kinder meiner Leitung anzuvertrauen. Dr. Gustav Phi lippson aus Dessau, Gewerbsdeputirter. Marburg, 3. August. (Privatmitth.) Dasjenige, was ich mich nicht gescheut habe, an einer heiligen S.tätte sowol gegen. die radikalen Reformer als wider die Sonderbündler unserer Amtsgenoffen auszusprechen, daß es nämlich eben so unpassend sei, die alte Mutter in den Flitterschmuck ihrer Töchter zu kleiden, als dieselbe, nachdem die Trauerzeit des Judenthums abgelaufen ist, ihre Trauerkleider nicht ablegen und an dem muntern Leben ihrer Kinder kein Theil nehmen zu lassen;, erlaube mir auch hier, nachdem man sich von so vielen Seiten mit mir für Synodalversammlungen ausgesprochen hat, und namentlich in Beziehung auf dasjenige, was von dem verehrlichen Ausschuß für die vierte Rabbinerversammlung unterm 24. v. M. ausgegangen ist, als Einleitung zu meinen Vorschlägen, rücksichtlich desjenigen, was von der ersten Synode unternommen werden möchte, vorauszuschicken. Ich bin nämlich der Ansicht, daß sich dieselbe lediglich auf das Synagogenwesen, den Gottesdienst, die öffentlichen und allgemeinen Ritualien beschranke; Alles hingegen, was die einzelnen Individuen, ihre Glaubens- und Gewissensfreiheit anbelangt, um so mehr den späteren Synoden zu überlassen, da hierin bei der noch zu weiten Entfernung der streng'. Orthodoxen von den äußersten Neologen zur Zeit noch keine Vereinigung zu erwarten steht*). Dieselbe hatte demnach mit demjenigen zu beginnen, was hierauf aus den Protokollen der Rabbinerversammlungen zu Frankfurt a. M. und Breslau Bezug hat; sodann eine allgemeine Verbesserung der Formen der Eheeinsegnung und eine zweckmäßige Reform der Ehegesetze der Chaliza und Ehescheidungsgebräuche vorzunehmen**). Gosen, Provinzialrabbiner. *) Und wird diese Vereinigung in Gottesdienst, Ritualien rc. stattfinden? Red a kt. **) Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, daß es durchaus die Rabbinen nicht sein dürfen, welche sich der Synode bemächtigen sollen. Redackt. Ungarn. Oszron (bei Fünikirchen), 21. Juli. (Privatmitth.) Ich befinde mich gegenwärtig als Feldarzt der mobil gemachten Nationalgarde des weßprimer Komitats an der Grenze Kroatiens — und richte aus dem hiesigen Dorfe, wo ich mit 500 Nationalgardisten — 40 Meilen von meiner Familie entfernt — stationirt bin, tausend Grüße an Sie, mit der Bitte, folgende Notizen in Ihrem Blatte gefälligst abdrucken zu lassen. Bekanntlich werden die Kroaten, Serben, Wallachen und Raizen von der reaktionären Partei Ungarns (Oesterreichs???) aufgestachelt, sich vom Verbände mit dem freigewordenen Ungarn loszusagen. Und Ungarn, nicht nur auf sein historisches Recht pochend, sondern erstens die gefährliche prinzipielle Bedeutung dieser Auflehnung erkennend — und die hieraus für seinen eigenen Bestand drohende Gefahr ermessend, sieht ssich genöthigt, einen Theil seiner zahlreichen Nationalgarde an die Grenze Kroatiens vorrücken zu lassen. Aus dem weßprimer Komitate marschirten 4000 Mann, unter welchen die Männer vom höchsten Adel, der ersten Aemter und der hervorragendsten Intelligenz. Im weßprimer Komitate geschah es bis zur letzten Zeit, daß blos in den Dörfern hie und da einige Juden in die Nationalgarde eingereihet wurden. In den großen Gemeinden: Papa, Weßprim und Palota waren die Juden ausgeschlossen. In Papa gelang es den energischen Schritten derjenigen, welche die Zeit verstehen und ihre Früchte genießen wollen, daß 300 papaer Israeliten in die Garde Aufnahme fanden. In den genannten übrigen Gemeinden hat man mit zu-wenig strengem mch lautem Eifer die Sache gesucht. Als der Befehl des Ausrückens kam, waren es die spießbürgerlichen papaer Christen — und auch die nicht rezipirten Spießbürger (die entschiedenen und nicht entschiedenen Orthodoxen), welche Schrecken und Angst ergriff — und alle Ausflüchte suchten, um von dem Verdienste als Vertheidiger des gefährdeten Vaterlandes zu wirken befreiet zu werden. Vielen gelang es. Den letzten Nachrichten zu Folge sollen diese in unsrer Heimath wie die Geächteten herumwandeln. Hundert und einige Juden traf das Loos Papa zu verlassen, um unter 280 ihrer christlichen Ortsgenoffen für das bedrohte Vaterland das Schwert zu ergreifen. Ich und Viele der Gutdenkenden traten freiwillig in die Reihen der Ausrückenden. Den Rabbiner Löw 34*