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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-08-14 · Heft 34 (14.8.1848) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 34 (14.8.1848)
Date
1848-08-14
Page
Seite 486 (sequence 6)
Language
German
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,486 yibairi „Denn in Freuden sollt Ihr ausziehen, und kn Frieden geleitet werden." Mn Phantafiestück. (Von vr. Gustav Philippso^n aus Dessau.) Mitten im politischen Treiben in dem für Deutschland gesetzgebenden Frankfurt am Main umschleicht mich ein düsteres Bangen, wenn ich Dich, Juda, erblicke, in dieser dumpfen Judengasse. Noch immer ist Dein Nacken gebeugt, noch immer ist wankend Dein Schritt und ängstlich Deine Stimme. Wahrend rings um Dich her die Fesseln Deiner Brüder zerbrochen, ein neues Frühlingsleben athmet, pochest Du ängstlich an die Pforten der Paulkirche und schauest nach der Rechten und blickest nach der Linken, und zeigest immer noch Deine Kette von Erz, Dein Urtheil des mittelalterlichen, gesetzgebenden Körpers und die Wunden, die man Dir geschlagen, und die Thränen, die Du geweint, und das Blut, das in Deiner Mitte geflossen. Und im Geiste ward ich an die Schwelle der Synagoge geführt. Ein uraltes Gebäude, wild zusammengefügt, mit vielen Eingängen. Und ich lehnte mich an das Eisengittee und meine zitternde Hand ergriff die eisernen Stäbe und ich rüttelte so derb, daß es schien als ob das morsche Gebäude wankte. Und schaudernd stürzte ich hinein in die düsteren Hallen. Schwarz behängen waren die Mauern — und der Vorhang zerrissen und die Buchstaben da droben über dem Vorhang gestalteten sich feurig glühend, und die Lampen brannten in blutrother Flamme. Und ich schlug auf das' Buch des Gesetzes, auf dem sich die Weltgeschichte donnernd bewegt. Da las ich denn Deine Geschichte, mein Bruder, und eine Stimme rief von allen Seiten: Was wird aus Israel werden? Da sah ich im Geiste die Freiheit; auf goldenem Wagen fuhr sie empor aus der Decke und ich hörte die schönen, herzergreifende Worte: „Die Knechtschaft ist auch für Dich vorüber, die Weltgeschichte hat gerichtet. Doch Kämpfe werden noch kommen, harte, schwere Kampfe, alle Deine Fragen und Formen, laß sie liegen und schwinden, das Schwert gürte um für Wahrheit und Recht/ nur durch den Kampf gelangest. Du zum Siege." — Da erwachte ich und das Bespergebet begann und ein wohlthuendes Gefühl war es für mich, meine Brüder innig und friedlich beten zu sehen, wahrend die Völker da draußen über die Rechte der Menschheit sich streiten, und als der Vorbeter das Schema rezitirte, da da dachte ich an unser Vaterland, an tausend Wunden blutend, an mein geliebtes Deutschland dachte ich, das da vereinigt'werden soll zu einem großen Ganzen, an die Geschichte der Menschheit, an die Thaten der Gegenwart, wie ein Menschenthum wird gegründet werden, eine Weltenkirche, zugänglich für alle Nationen, gegründet auf Liebe, Wahrheit und Einheit! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Homburg v. d. H., 23. Juli. Durch ein unterm 21. erschienenes Gesetz ist das Verbot der Ehen zwischen Christen und Juden in unsrer Landgrafschast aufgehoben. Hamm, 30. Juli. (Privatmitth.) Die Marzrevolution schien jenes Zwittergesetz vom 23. Juni 1847, ich sage jenes Zwittergesetz von Freiheit und Zwang, von Selbstständigkeit und Abhängigkeit, beseitigt zu haben. Jndeß hatten jüngst einige Regierungen, in der Voraussetzung, daß die Revolution, nicht anerkannt sei, und nach kurzem Interregnum das beglückende gesetzgeberische Werk wieder fortgesetzt werden könne, mit der Bildung der „Synagogengemeinden" nach jenem Gesetze fortzufahren begonnen. Der hiesige Synagogenvorstand hielt es daher für an der Zeit, an das Ministerium eine desfallsige Eingabe zu richten, und erhielt folgenden Bescheid: „Auf Ihre an das hohe Ministerium .des Innern gerichtete und an uns zur Bescheidung abgegebene Vorstellung vom 16. pr. eröffnen wir, daß höherer allgemeiner Verfügung zufolge vorläufig mit der Bildung der Synagogenbezirke noch nicht vorzuschreiten, vielmehr andere Anordnung abzuwarten sein. Arnsberg, den 27. Juni 1848. Königl. Regierung, Abtheilung des Innern, gez. Bartels." Bergheim a. d. Erft., im Juli. (Privatmitth.) Daß die Zeit in der Verwirklichung unserer Hoffnungen immer einige Schritte vorwärts geht, mögen die geschätzten Leser aus folgenden zwei Schreiben ersehen:

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