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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-08-07 · Heft 33 (7.8.1848) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 33 (7.8.1848)
Date
1848-08-07
Page
Seite 478 (sequence 10)
Language
German
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478 rkchtung von Armenbeiträgen aufgefordert, die durch Sammlungen auch wirklich eingezogen werden. Ich selbst, von der Gesammtgemeinde im Jahre 1848 auf Lebensdauer gewählt, habe bis jetzt noch nicht die geringste Aenderung in meiner Stellung empfunden, wie ich sie auch, meiner Wahl und Anstellung gemäß, nicht erfahren kann. Von der Bildung einer Reformgenossenfchaft ist mir nicht das Geringste bekannt. Welche Schritte das obengenannte Konnte gethan hat, ist bis jetzt nicht mitgetheilt worden, wie denn auch seine Entscheidung erst von dem Entschlüsse der zweiten Generalversammlung abhangen muß. Die anderen hier bestehenden Anstalten, welche in blos mittelbarem Zusammenhänge mit der Gemeindeverwaltung stehn, haben allerdings, wie dies bei der Erschütterung aller finanziellen Zustände nicht anders zu erwarten ist, in mancher Beziehung gelitten, aber sie sind in ihrem Bestände durchaus nicht bedroht worden. Die Synagoge befindet sich ganz in dem bisherigen Zustande. Die Klagen wegen der übermäßigen Ausgaben, welche der Chor verursache, fanden natürlich bei den geringeren Einnahmen, welche die reduzirten Vermögensverhältniffe nicht weniger Familien bewirkten, ihre verstärkte Vertretung, und da das Einverständniß zu einer mäßigem Besoldung nicht alsbald zu erzielen war, ward der Chor eine Woche ganz eingestellt, und zwar den Sabbat vor dem Wochenfeste und an dessen erstem Tage; aber schon am zweiten Tage war das Einverständniß erwirkt, und besteht derselbe ungestört fort. Auch die Krankenpflege mag manchen Verlust erleiden und zu mancher Einschränkung genöthigt sein — was mir, als einem sicher mit den Gemeindeverhältnissen Vertrauten, nicht einmal bekannt ist — aber daß sie unbesorgt bleibe, ist eine lächerliche Phrase. Alle anderen wohlthätigen Vereine, soweit sie mir bekannt sind, die Waisenanstalten, die Industrieschule, der Verein für arme Wöchnerinnen, der Jungfrauenverein, der Handwerkerverein, der Stipendienverein, der Verein für Freitische u. m. a. setzen ihre Thätigkeit, wenn 'auch vielleicht mit einigen Hindernissen kämpfend, jedoch ungestört fort. Daß die Zukunft Aenderungen erzeugen werde, ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit zu erwarten; aber der gesunde Sinn der Gemeinde wird den Anforderungen der Zeit entsprechend umgestalten, nicht Alles in unzusammenhängende Atome zerstreuen. Rußland. Minsk, 5/17. Juli. (Privatnritth.) Während im Auslande bei den jetzigen politischen Wirren die Völker zu Gericht sitzen, und Viele ihr Blut mit Freuden für das Vaterland vergießen, durchschreitet hier bei uns die Rache, des Herrn, die Cholera, in schreckenerregender Schnelle das Land. Hier haben wir besonders den Tod des Herrn I. H. Etinger zu bedauern, eines Mannes, der durch Wissenschaft und Edelsinn gleich ausgezeichnet und geehrt war. Noch vor' der Annäherung der Cholera trugen der Herr Rabbiner Heilporn und Herr I. M. Jefchurun dafür Sorge, daß sie einige hundert Rubel sammelten, um in jeder Straße Aerzte und Heilmittel im Voraus anzuordnen, und enthält der Odessaer Bote nachstehendes Schreiben des Fürsten Cherchadideff: „Bei der Verbreitung der Cholera im kertschischen Stadtgouvernement und bei der großem Sterblichkeit, kamen wol öfter Hindernisse bei der Hilfleistung an unbemittelte und obdachlose Einwohner vor, denen es in den ersten Augenblicken der Krankheit an Hilfsmittel und Dienstleistung fehlte, diese Schwierigkeiten wurden durch 24 Hebräer gehoben, welche, das Ihrige im Stiche lassend, nur den in Gefahr Befindlichen ihre Hilfe gewährten, Summen einsammelten, um nöthige Mittel zu kaufen, ohne daß sie die Verschiedenheit des Glaubens, des Standes bei den Leidenden in Anschlag brachten. Bei Tag und bei Nacht erschienen sie, wenn sie gerufen wurden, um die Kranken zu reiben, heiße Umschläge zu machen, und bedienten die Kranken bis zur Genesung, ohne Bezahlung für Mühewaltung und Arzneimittel anzunehmen. Um im Namen aller Einwohner des Gouvernements die Erkenntlichkeit für diesen Edelmuth der Hebräer zu bezeigen, ersuche ich Solches im Odessaer Boten abdrucken zu lassen, damit auch unsere Glaubensgenossen bei der Erfahrung solcher Selbstentsagung unserer Hebräer ihrem Beispiel folgen." Geiger.

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