Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 33 (7.8.1848)
- Date
- 1848-08-07
- Page
- Seite 475 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225585--09574-3237842- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mark stehtleicht ein, baß hier Hin- und Herziehen Nichts mehrhilft. Die Rettung kann allein aus dem Volke selbst kommen. Eine allgemeine Synode, welche eine allgemeine Bewegung, ein durchdringendes Bewußtsein zum Vorschein brächte, wäre hier das einzige Hilfs- und Heilmittel. Käme dann auch hier ein Bruch zu Tage, löste sich vielleicht ein Theil ganz ab, so wäre es immer besser, es käme zur Entscheidung, als daß die Gemeinden gänzlich gelähmt werden, ein Zustand, der, wenn er längere Zeit währen würde, die traurigsten Folgen hätte. Das Judenthum hat schon größere Massenverluste in der Geschichte ertragen. Zwar kamen früher die auflösenden Momente von außen, durch Gewalt, z. B. Vertreibung, Zersprengung rc., jetzt aber kommen sie von innen — und diese sind gefährlicher. Allein was einmal da ist, laßt sich nicht erdrücken. Es ist eben nicht die Folge Einzelner und ihrer Wirksamkeit, sondern der Gang der Entwickelung, hat es mit sich gebracht. Darum aber muß man doch der Sache männlich in's Auge schauen, und thun, was im Kreise der Möglichkeit liegt. Ueber das Resultat ist allein Der Herr, welcher die Menschheit leitet. Hamburg , 25. Juli. (Privatmitth.) In unserm kleinen Freistaate haben die Bewegungen der Zeit noch wenig gewirkt. Man will und will, und thut Nichts. Erklärlich ist es, wenn man Hamburg kennt. Es ist eben nur die merkantile Intelligenz, welche hier vorhanden ist. Die große Klasse der Geschäftsleute, die ganze Klasse der besitzenden Gewerksmänner sind seit drei Monden weit hinter dem zurückgegangen, was im März und April rege-war. Sie fürchten ihren materiellen Ruin, und wollen um Alles lieber beim Alten bleiben, als sich neuen Bewegungen aussetzen. Daher ist wirklich Nichts zu hoffen. Es sind bereits vier Reformpläne der Verfassung ausgearbeitet worden, und ich kann Ihnen mit Freude anzeigen, daß alle vier die Gleichstellung aller Konfessionen beantragen — aber an ihre Verwirklichung ist vorläufig nicht zu denken. Wenn nicht die deutsche Nationalversammlung mit Energie dekretirt und vollzieht, so wird es sich hier noch lange hinziehen. Prag., 28. Juli. (Privatmitth.) Sie wollen Etwas über unsere Zustände erfahren? Diese haben sich, noch wenig, geändert. Noch liegt Verkehr und Handel danieder, noch sinö Sorge, Befürchtung, Bekümmerniß in unseren Herzen, die Bewegung ist unterdrückt, aber nicht erdrückt. Leicht kann ein Sturm die Asche von den glühenden Kohlen blasen und die Lohe noch einmal, noch fürchterlicher in die Höhe schlagen machen. Sie fragen mich, welcher Natur der vergangene Kampf war? Man kann es nicht leugnen, er war nationaler Art, es war der Czeche gegen den Deutschen, aber er war eben in Begriff auch sozialer Art zu werden, und wäre es auch sicher geworden, wenn das Militär nicht gesiegt hätte; die besitzenden Slaven hätten ihn nicht bändigen könnest, und die aufgeregten Besitzlosen würden den Sieg schrecklich benutzt haben. Ich werde nie des Abends vergessen, an welchem ich mit meiner Frau aus der Stadt entfloh. Wir mußten Alles stehen und liegen lassen, ohne Hoffnung, es je wieder zu sehen. Schnell mußte ich einen Koffer von zweien, die ich mitgenommen, von der Straße aus zurücksenden,' als ich gewahrte, daß der hart mißhandelt wurde, welcher Silbersachen aus der Stadt zu retten versuchte. Mit vielem Gelde mußte ich mir den Ausgang erkaufenda man ihm keinem Manne gestatten wollte, während die Frauen frei passirten... Doch genug bon meiner Person. Sie wissen, daß der erste Akt der Freiheit war, daß die Juden aus der Stadt in's Ghetto mit größter Strenge getrieben wurden. Das war ein Freiheitsmorgen! Im Gegensatz benutzten die Juden die Bewegung dahin, daß sie den alten Gemeinde- Vorstand nöthigten in eine Kommission von Zwanzigen aufzugehen, welche fortan die Leitung der'Gemeinde übernahm. Die Kommission hat sich bewährt; sie hat zuerst stets die kräftigsten Schritte gethan, um in den Zeiten der Gefahr den nöthkgen Schutz theils zu erlangen, theils herzustellen; dann hat sie ihre Aufmerksamkeit auf'die so ungeheuer vermehrten Armen gerichtet, und leistet darin das Möglichste. Später, wenn erst die Ruhe etwas gesichert sein wird, wird die Kommission ein neues Gemeindestatut entworfen, denn es versteht sich von selbst, daß das Gemeindewesen ein ganz andres werden muß. Bis jetzt war die prager Gemeinde ein Körper, der auch ein politischer genannt werden muß, er hatte besondere Steuern zu zahlen, mußte von seinen Budgets die genaueste Rechenschaft ablegen, rc. Die Zukunft muß Anderes bringen, Wenn man auch die Juden wieder iw das Ghetto geworfenlange fcmn-