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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-08-07 · Heft 33 (7.8.1848) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 33 (7.8.1848)
Date
1848-08-07
Page
Seite 474 (sequence 6)
Language
German
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m Händen derselben entschleudert. Wer soll es aufheben? Die, der es von Rechtswegen gehört, die Gemeinde selbst. Wird, wie es in Aussicht steht, die jüdische Gemeinde.ein freier Verband — nun,- so muß dieser freie.Verband sich auch durch sich selbst regieren. Hier nun braucht eine jüdische Gemeinde, die, außer wenigen Fällen, die Anzahl ihrer Männer nur kaum nach Hunderten zählt, keine weitläufige Vertretung in gesetzgeberischer Beziehung, sondern das Gesetz kann nur von der Gemeinde in allen ihren selbstständigen männlichen Gliedern gegeben, und die Ausführung des Gesetzes und die Verwaltung durch frei auf bestimmte Zeit gewählte Vertreter vollzogen werden. Um unnöthige Streitigkeiten zu vermeiden, verbindet sie sich beim Zusammentritt notariell zu einem Verbände, in welchem die Majorität der Stimmenden zu .jeder Zeit das Gefttz giebt, und Niemand austreten dürfe, es sei denn durch Neligionswechsel. Ist dies geschehen, so ist der Organismus einer Gemeinde sehr einfach, und wird sich frisch und lebendig erhalten. Vielleicht versucht es Jemand ein solches Gemeindegrundgesetz nach den angegebenen Prinzipien zu entwerfen und in diesen Blättern mitzutheilen. Dies wäre gewiß eine, Vielen willkommene Gabe. — Hier zu Lande war man in Offenbach am Main, einer Gemeinde von 250 Familien, so gescheidt. Lange war diese Gemeinde der Herrschaft eines einzigen Mannes, o wol seit 18 Jahren unterworfen, und diese Herrschaft hatte sich schon in der Familie vererbt. Die Staatsregierung hatte diesem Absolutismus durch ein Gesetz Vorschub gegeben. Unter dem Eindruck der jüngsten Bewegungen ermannte sich die Gemeinde und schüttelte das Joch ab.. Eine Deputation begab sich nach Darmstadt, und erlangte von der Regierung die Aufhebung des bisherigen Gemeindegesetzes. Die Gemeinde versammelte sich dann und wählte eine Kommission von sieben, um eine neue. Gemeindeordnung zu entwerfen, So ist die Alleinherrschaft gestürzt, eine frische Bewegung gewonnen, und die Gemeinde nun von 'Neuem erkräftigt. Meinen Sie, daß dadurch die Reform gehindert werde? Nicht im Geringsten. Die orthodoxen Gegner z. B. des Sonntagsgottesdienstes befreunden sich vielmehr damit, und sehen, da sie nun in der Gemeinde selbstthätig wirken, ein, daß jedem Theile der Gemeinde genügt werden müsse, und nur hierdurch, wenn kein Theil unzufrieden sein muß, der Bestand der Gemeinde und aller ihrer Institute gesichert wird. Als die Bewegung im Odenwalde vor sich ging, und die Juden bedrohte, da sagte man sich in Dffenbach: es ist doch gut, daß der Rabbiner den Sonntagsgottesdienst eingerichtet, und dadurch der Geist der Bürgerschaft den Juden und dem Judenthume jede Feindseligkeit verloren. — Wolan! diesem Beispiele folget! Reorganisiret die Gemeinden, schaffet die verlebte Form des Gemeindewesens fort, hauchet ihm frisches Leben durch die Bewegung der Maffe selbst ein — und die Gemeinden werden bestehen bleiben. Worms, 30. Juli. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen fand hier eine Zusammenkunft der Reformfreunde aus verschiedenen Theilen des südwestlichen Deutschlands auf Grund des in No. 30 d.Bl. mitgetheilten Programms und Zirkulärs statt. Allein das Programm wurde von derselben einer scharfen Kritik unterworfen, ihm viele Unrichtigkeiten, viele, nicht etwa blos dem orthodoxen Judenthume, sondern auch dem rationalen und den Forderungen des Geistes der Neuzeit widersprechenden Sätze nachgewiesen, so daß es gänzlich aufgegeben wurde. Der Beschluß der Versammlung blieb dabei stehen, daß man möglichst eine allgemeine Synode vorbereiten solle. Karlsruhe, im Juli. (Privatmitth.) Die Auflösung des Gemeindeverbandes geht auch hier einen verhängnißvollen Gang. Auch hier will ein Theil der Gemeindeglieder die Beiträge nicht mehr zahlen, weil er die alte Synagoge nicht mehr erhalten will, und eine solche Steuerverweigerung muß natürlich den ganzen Stand der Dinge ändern, da der übrige Theil zur Erhaltung nicht genügt. Sie müssen aber diese Vorgänge im südlichen Deutschland ganz, anders beurtheilen, als vom norddeutschen Standpunkt. Wenn in Süddeutschland noch eine bei Weitem größere Zahl der alten Orthodoxie vollständig anhängt, alsinNorddeutschland, so ist hingegen in Süddeutschland auch die Partei derer viel größer als in Norddeutschland, welche gar kein kirchliches Institut mehr wollen. In Süddeutschland stehen die Parteien viel gesonderter und schlagfertiger gegenüber, als in Norddeutschland, wo die Mittelpartei noch sehr groß, ja die überwiegende ist. Darum ist der Zustand in Süddeutschland viel schwieriger, weil da eine Transaktion gar nicht mehr möglich ist. Hier heißt es: entweder, pper,

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