Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 33 (7.8.1848)
- Date
- 1848-08-07
- Page
- Seite 473 (sequence 5)
- Language
- German
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473 endlicher Beifall! — -aß der religiöse Mensch der streitende, der religiös Indifferente der zur Ruhe gekommene Mensch ist — Beifall, daß das Haus dröhnt — der zur Ruhe gekommene Mensch aber höher steht als der streitende — der Fußboden wankt unter dem Jubelgeklatsch! — Dann führte er, der Jude Creuznach, aus, um wie viel höher Christus steht, als Moses, was er auf ähnliche Weise auseinandersetzte. Sie sehen daraus, mit wie oberflächlicher Waare man hier vorlieb nimmt, und sie mit der freilich! noch schneller verfliegenden Waare des Beifallklatschens bezahlt macht. Adam' in seiner Paradiesesruhe ist dem Herrn Theodor Creuznach das Ideal, und er will nächstens abziehen, um zu sehen, ob er hinter dem Cherub mit dem flammenden Schwerte sich wegstehlen und seine Person in das Paradies hineinschmuggeln könne, wo man vom „streitenden Menschen" Nichts weiß. Sollte ihm dies nicht gelingen, so will er einen Abstecher nach Indien machen, sich da in die Kaste der Brammen aufnehmen lassen, und sich dann in das „heilige Nichts" versenken, wozu der Herr Creuznach schon sehr viele Anlage hat. Die Lehre, daß Christus höher stehe als Moses, soll derselbe Herr Creuznach von seinem Prinzipal Rothschild gegen das Versprechen hoher Zinsen geliehen bekommen haben — wofür ich aber nicht einstehe — denn da Christus dem Kaiser geben will was des Kaisers ist, damit von der sozialen Frage Nichts wissen will, Moses hingegen keine Armuth haben, sondern das Land zu gleichen Theilen vertheilt haben wollte, so ist Herr Rothschild neuerdings mit Moses sehr unzufrieden, und fängt an, Nichts mehr von ihm wissen zu wollen. Am Besten hat nach der Rede des Herrn Theodor Creuznach über diesen der deutschkatholische Prediger Floß gesagt: „dieser Herr hat ein Kreuz in seinem Namen." Ein Andrer meinte: wenn ich Wahrheit von Herrn Theodor Creuznach fordern wollte, so thäte ich Unrecht, denn er hat keine Wahrheit in sich; wollte ich Gründlichkeit und Konsequenz von ihm fordern, so thäte ich Unrecht, denn er hat keine Gründlichkeit und Konsequenz. Würde ich aber eine oder zwei Stunden durch glänzende, funkelnde, wie ein Kaleidoskop schimmernde Rede amüsirt sein wollen, dann wendete ich mich mit Recht an Herrn Theodor Creuznach —. aber wenn er geendet, weiß ich freilich nicht, was er will, was Herrn Theodor Creuznach jedoch schon wenn er ansängt begegnet. — Daß Herr Robert Haas mit seinem Anträge durchgefallen, versteht sich von selbst. Er sprach dann von «konfessionellen Schulen. Jndeß haben die Juden — trotz dem Bestände der jüdischen Schule — hier keine Konfessionsschule. Sfcjn Main, 26. Julu (Privatmitth.) Ihr Blatt hat in den jüngsten Nummern von dem Zustande der Auslösung berichtet, in welchen mehre größere Gemeinden gerathen sind. Daß dieser Zustand sehr bedenklich, ja gefahrdrohend ist, wird man leicht einsehen. Der äußern Grundlage und Erscheinung kann keine Religion entbehren, soll sie noch milzählen unter die lebendigen Institute der Menschheit. Man wird bei diesen Zeichen nahender Gefahr aufgefordert, darüber nachzudenken, was man zu thun habe, um ihr da vorzubeugen, wo sie noch nicht vorhanden ist. Nun entspringt diese gegenwärtige Auflösung der Gemeinde in der That zumeist aus der schon lange bestandenen faktischen Auflösung derselben. Die Staatsregierungen hatten nur durch Gesetze und Verordnungen die Gemeinden noch gebunden. Jetzt, wo diese Gesetze in Wegfall kommen, da der Ruf der Zeit nach Trennung der Kirche vom Staate jene und ihre Autorität erschüttert hat, fällt dieses aufgezwungeneBand hinweg. Dies ist sicher wahr: denn ein innerlich bestehender Verband wird höchstens durch Gewalt, nicht durch sich selbst aufgelöst. Ist dies richtig, so stellt sich auch das Vorbeuge- oder Heilmittel klar heraus: dies ist nämlich, zur rechten Zeit das Gemeindewesen neu und von innen heraus zu reorganisiren. Daran lege man frisch und frei die Hand an, und man kann des guten Erfolgs sicher sein. Vor Allem merke man sich: die jüdische Gemeinde muß aus dem Absolutismus, wenigstens aus seiner bisherigen Aristokratie heraus. Die jüdische Gemeinde muß demokratisch werden. Ich erinnere mich gern, Herr Redakteur, daß Sie schon vor Jahren hierauf drangen, ja gewissermaßen „Volksversammlungen" innerhalb der Gemeinde verlangten — aber man hat Ihren Warnungsruf wie bei so vielem Andern nicht beachtet. Jetzt wird man die Folgen empfinden, und es wird sich namentlich an den geistlichen Beamten rächen, Ihren Worten nicht Gehör und Nachdruck gegeben zu haben. In den meisten Gemeinden hatte bis jetzt die Aristokratie, natürlich zumeist die Geldaristokratie, das Heft in den Händen. In neuerer Zeit wird dies den