Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 33 (7.8.1848)
- Date
- 1848-08-07
- Page
- Seite 470 (sequence 2)
- Language
- German
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470 kommen, daß „innen im schaffenden Marke" noch ein volles Leben pulstet? Aus den leeren Gotteshäusern? aus dem ^fallenden-Gemeinden? Nein, wie einst das Volk unter Iofua versammelt ward und tagte,. und die Frage beantwortete: wollet Ihr fernerhin dem Herrn dienen, und seine Lehre bekennen? mit einem, bis zu uns noch herüberschallenden Ja! Ja! immerdar — so muß auch ^n einer solchen Zeit das Volk seine Stimme erheben und sprechen. Wir sind eingetreten in eine Zeit der Freiheit, nicht blos der bürgerlichen, sondern auch der geistigen Freiheit. Israel ist jetzt in eine Phase eingetreten, wie sie für dasselbe noch gar nicht da gewesen im ganzen Verlaufe seiner langen Geschichte, wo es aufgehört hat, völlig aufhören muß, ein Volk zu sein unter den Völkern, sondern lediglich eine Religionsgemeinde verbleiben kann, die eben nur im Religiösen ihr Gemeinsames und Vereinigendes hat. Nun, so muß eine solche Zeit begrüßt werden durch den allgemeinen Zuruf: eine. Solche sind wir, und nur eine Solche, und weiter Nichts, aber eine Solche wollen wir und unsere Söhne und Töchter verbleiben! Aeußeres und Inneres drangen so zu einer Synode. Wozu? die zweite Frage. Eine Synode muß fich aussprechen über den Inhalt, den Lehrinhalt des Iudenthums, wie er im Bewußtsein seiner heutigen Bekenner lebt; muß, sich ausspcechen über den Werth des Formwesens, ob dasselbe eine verpflichtende Kraft hat, wie weit dieselbe ginge oder nicht ginge; muß sich ausspechen über die Neugestaltung des Kultus; muß sich aussprechemüber die Neugestaltung des Gemeindewesens^ Was hiermit bewirkt werde? Daß das religiöse- Leben: neu erwache, in einen neuen Fluß gerathe, allgemein werde und sich dethätige; daß das religiöse Leben genommen werde aus den Händen streitender Theologaster und verlegt werde in. die Herzen des Volkes, mitten hinein, wo es Herz und Geist wieder in Besitz nehme; daß die Freiheit auch in Israel zur Wahrheit werde, und aus dem Gruße dieser Freiheit, aus der Anerkennung dieser Freiheit eine neue Begeisterung geschöpft werde. Haltet Ihr dies für wenig, für entbehrlich? Wie? die dritte Frage. Nach meiner Ansicht muß die Synode bestehen aus, von den sämmtlichen Mitgliedern der Gemeinden nach einem, gewissen Wahlmvdus gewählten Abgeordneten, denen sich aber auch auf seine Kosten Jeder, der den Beruf, in sich fühlt, anschließen kann. Dies die kurze Andeutung, die ich heute geben wollte. In Kurzem wird sich ein Konnte zu Frankfurt a'm M aun bilden, welches die weiteren Aufforderungen und Bestimmungen erlassen wird-. Die gelegenste Zeit wird die gleich nach dem Sukkotfeste sein. Philippfon. An die verehrtichen Mitglieder der bisherigen Rabbi n erv e rsamms n »g etr. Die Erlaubniß zur Abhaltung einer vierten Rabbiner- Versammlung ist unterm 3. Marz e. für dieses Jahr von der badischen Regierung mit der ausdrücklichen Bezeichnung gegeben worden, daß Solche' in Mannheim stattsinden könne. Wir hielten es jedoch nicht fürthunlich, von dieser verspäteten Erlaubniß Gebrauch zu machen, denn wir sind der Ansicht, daß nach den Ereignissen der jüngsten Monate auch das Institut der Rabbineeversammlungen nicht mehr als zeitgemäß zu betrachten sei; das Volk will und soll, auch in religiöser Beziehung seine Angelegenheiten in die eigne Hand nehmen. Darum, geliebte Amtsbrüder! geben wir das Mandat, womit Sie uns beehrt haben, in Ihre Hände zurück. Das Judenthum erwartet und fordert jetzt das Weck seiner Fortbildung von den Gemeinden selbst; sie müssen sich scharen und einen, damit das gemeinsame religiöse Band befestigt, der religiöse Geist des Iudenthums'- von Neuem geweckt werde; und wir leben der Ueberzeugung, daß die Gemeinden,, auf die gehörige Weiss angeregt-, aus ihrer theklweisen Erschlafftheit. sich erheben, ihre Aufgabe erkennen, den hohen Beruf, für welchen sie, die Trägerinnen der ältesten, wahren GotteserkenntNiß, bec Weltgeschichte verantwortlich find, erfüllen werden. Wir erlauben uns daher, zunächst an Sie, geehrte Amtsbrüder, die Sie durch Ihr Erscheinen bei den bisherigen Rabbinerversammlungen Ihr lebhaftes Interesse für die Erhaltung und Fortbildung des Iudenthums an den Tag gelegt, dann aber an alle unsere Herrett' Kollegen' nahe und fern, denen die bedrohliche Lage unserer Relkgionsgemeinde zu Herzen geht, die dringende Bitte, daß Sie in engeren und weiteren Kreisen, durch Wort und Schrift; mit uns dahin wirken wollen, daß aw die Stelle der Rabbinerversammlungen eine Synode trete, deren Mitglieder aus der unbeschränktesten, freien Wahl der Gemeinden hervorgegangen> den im Iudenthums unbegründeten Unterschied zwischen Rabbinen und Laien nicht