Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 32 (31.7.1848)
- Date
- 1848-07-31
- Page
- Seite 465 (sequence 13)
- Language
- German
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465 einem Umkreise von circa 6 Meilen 12—14 Lehrer *), die weder Kultusbeamte noch Prediger waren, weil sie es in großen Gemeinden nicht sein können, es ja die christlichen Lehrer auch nicht sind. Für alle diese sollte also gar nicht gesorgt werden? — Uebrkgens liegt es ganz in der Natur der Sache, daß jeder jüdischer Lehrer Elementar- und Religionslehrer zugleich ist und sein muß **), und der ganze Unterschied würde sich also nur auf Kultusbeamte und Nicht-Kultusbeamte reduziren. Und für die Letzteren sollte Nichts geschehen? Sind es doch gerade diejenigen, die sich für die Jugendbildung am Eifrigsten bethatigen, indem sie nur ihrem Berufe leben und das Amt nicht als eine melkende Kuh betrachten und statt das Wort Gottes zu lehren nur allzuoft das Schlachtmeffer aus der Scheide ziehen. — Auch hier in Danzig fand eine Versammlung der Volksschullehrer statt, wozu aber jüdische Pcivatschullehrer nicht berufen werden, weil man immer noch nicht weiß, in welche Kategorie diese eigentlich gehören, obgleich die Präposition gestellt wurde, daß sie künftighin allen anderen Lehrecr; gleichgestellt werden mögen. Also jetzt, wo die Sonne der Freiheit allen, allen Ständen scheint, sollte auch für unfern Stand, welcher der gedrückteste unter den gedrückten ist, das Wort recht ernst und kräftig ergriffen werden! So lange der Staat es nicht ausdrücklich ausgesprochen, daß auch jüdische Privatlehrer entweder vom Staate oder von den Gemeinden besoldet werden, und das traurige Privatverhältniß ganz aufhöre, so lange, sage ich, dies nicht geschieht, muß dem Staate gegenüber noch immer von jüdischen Lehrern gesprochen werden, um die Herren daran zu erinnern, daß es dergleichen Lehrer giebt, deren Zustände einer dringenden Verbesserung bedürfen. Gerade jetzt, wo die Bearbeitung des Schulwesens von der Nationalversammlung einer besondern Kommission überwiesen ist, da ist es an der Zeit und dringend nothwendig, daß dort das Wort für uns erhoben werde! Ich bitte, ich beschwöre Sie, geschätzter Herr Kollege, der Sie das Wort beim Herrn Dr. Philkppson haben, den¬ *) Es ist noch heute so, und befinden sich in jener Gegend außerdem noch in D. Krone zwei Lehrer, in M.Frkedland zwei, in Pr.Friedland 1, inHammerstein 1, in Könitz 1 u. a. m., die nur dem Jugendunterricht obliegen, also keine Kultusbeamte siird. W. **) Es giebt nun freich viele Kantoren, die das Religionslehrer-Examen gemacht haben; aber die dürfen nicht in Elementargegenständen unterrichten. W. selben nochmals zu bitten, daß er sich in seiner gewohnten thatkgen und kräftigen Weise unser annehmen, das Wort für die jüdischen Lehrer ergreife, um das jüdische Schulwesen aus der tiefen Erniedrigung, in der es sich befindet, zu ziehen. Herr Dr. Philippson wird meinen Freimuth, der aus der Tiefe eines über das jüdische Schulwesen betrübten Gemüths quillt, gewiß nicht übel deuten, und fein gewichtiges Wort als Schwert der Vertheidigung recht kräftig führen! Lassen Sie mich, verehrter Herr Kollege, recht bald wissen, was Sie in dieser Angelegenheit thun wollen; warten Sie nicht erst den Zuruf Aller ab; beherzigen Sie den Spruch unserer Weisen: nrrsb Vimis-t smtfgK ■pKttJ üipteM und seien Sie versichert, daß ich mir steter Hochachtung verharre als Ihr ergebener M. Michaelis, Lehrer bei der israel. Gemeinde zu Mattenbuden in Danzig. Hier haben Sie, verehrter Herr Doktor, die Worte eines jüdischen Lehrers, der, wie viele Andere, sich Jahre lang im Jugendunterrichte abgemüht, Jahre lang aufrichtig und erfolgreich im Weinberge des Herrn gewirkt und es dennoch nicht so weit bringen konnte, sich aus dem beschränkten Stande eines Privatlehrers herauszuarbeiten, weil das Verhaltniß allüberall dasselbe ist und von Seiten des Staats bisher hierfür gar Nichts geschehen ist. Im Interesse der Sache hielt ich es für zweckmäßig, das Schreiben mit zu veröffentlichen, und hoffe ich, daß es der geehrte Herr Kollege billigen wird. Geehrter Herr Doktor! Soll ich Ihnen die Stellung des jüdischen Privatlehrers schildern? Soll ich Ihnen sagen, wie gering sein Einkommen und wie schwierig seine Aufgabe, wenn er es, wie es nur zu oft der Fall ist, mit Jahre lang sich selbst odereiner verkehrten Leitung überlasten gewesenen, ganz und gar vernachlässigten, an Alter, Geistesanlagen und Kenntnissen verschiedenenen Kindern zu thun hat, die er mitunter in 18, sage achtzehn Geg enstan den*) unterrichten muß? Soll ich Ihnen schildern, wie ungeziemend das Benehmen noch mitunter gegen ihn ist, daß Jeder, auch der Unwissendste, der vom Unterrichte so viel weiß, wie der Blinde von der Farbe, ihn zu bekritteln sich erlaubt; daß Leute, die nicht ein Wörtlein, nicht ein Jota von P adagogik und Didaktik wissen, oftmals dreist genug *) Wem dies übertrieben scheint, dem bin ich bereit Beweise aus der Wirklichkeit zu geben. W.