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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-07-31 · Heft 32 (31.7.1848) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 32 (31.7.1848)
Date
1848-07-31
Page
Seite 459 (sequence 7)
Language
German
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459 klaren Bewußtsein gebracht hat, jene Ansicht Heilen wird, so glaube ich dennoch, es sei gerade jetzt die heilige Pflicht einer jeden Gemeinde, auf die Erziehung der Jugend und den Religionsunterricht derselben ein ganz besonders wachsames Auge zu verwenden. Dr. Kirschstein. Rußland. Bo» -er russisch-polnischen Grenze, n. Juli. Die B. Z. H. laßt sich von hier aus schreiben: Die Juden sind noch immer schwer gedrückt, obwol von einigen harten Bestimmungen z. B. in Betreff des Verscharrens des nicht koschern Fleisches neuerdings Abstand genommen ist. Am Meisten haben sie durch den Militärdienst zu leiden, indem gegen sie die äußerste Strenge geübt wird, so daß die Mißstimmungen unter ihnen, erhöht durch die ihnen bereits gerüchtweise bekannt gewordene Emanzipation der preußischen Juden, sehr groß ist. Paris, im Juni. (Privatmitth.) Der rühmlich bekannte Pole, Jean Czynski, hat eine Flugschrift veröffentlicht, unter dem Titel: La Pologne catholique et la Pologne liberale, welche ein eigentümliches Licht über die letzte polnische Schilderhebung wirft. Ev> beginnt damit, zu zeigen, wie Polen zur Zeit der größten religiösen Intoleranz der Sitz der Duldung war für alle Glaubensparteien, so daß an der Seite von 8,600,060 Katholiken sich 3*/2 Millionen Protestanten, 3 72 Millionen unirter Griechen, 272 Millionen Israeliten, 37- Millionen Schismatiker, 50,006 Mohamedaner und 200,000 Raskolniks befinden konnten. Aber unter Stephan Batory drangen die Jesuiten in Polen ein, und mit ihnen die Intoleranz, die Spaltung, die Verfolgungen, der Bürger- und äußere Krieg. Er zählt die Unglücksfalle auf, die. unmittelbar daraus folgten, und folgert daraus den Satz: „die katholische Unduldsamkeit hat Polen untergehen gemacht." Nun zeigt er, daß die polnischen Emigranten in Frankreich bis 1848 bigott geworden, daß sich die Jesuiten unter sie eingeschlichen, so daß ein polnischer Priester in der St. Roch-Kirche zu Paris sagen durste: „Es ist nicht polnisch, wer : nicht katholisch ist." Protestanten und Juden wurden verdammt, gehaßt. Die erste Kolonne Polen, welche sich von Paris nach Polen begab, leistete einen Schwur, daß sie die wahre Religion verbreiten und die Feinde des Christenthums bekämpfen wolle. Zwar richtet der Verf. nun eine Aufforderung nach allen Seilen hin, das liberale Polen wieder aufzurichten — aber wir haben hier doch aus der Mitte der Polen selbst eine Stimme vernommen, durch die der Widerstand der Deutschen und Juden sehr gerechtfertigt erscheint. Es war also nicht blos eine nationale, sondern auch eine religiöse Intoleranz, die sie zu fürchten hatten. Literarische Nachrichten. Aus dem Württembergifche». V-r Kurzem har Hofheimer's Preisschrift unter folgendem Titel die Presse verlassen: Beantwortung der Frage: „Worauf gründet sich die Forderung: aller Unterricht in den Volksschulen sei religiös, und in welcher Weise soll der Volksschullehrer dieser Forderung entsprechen?" Eine von der königlich württembergischen Oberschulbehöcde, dem königl. katholischen Kirchenrathe in Stuttgart, mit dem ersten Preis gekrönte Schrift. ' Verfaßt von Leopold Hofheimer, israelitischem Schulmeister und Vorsänger in Cappel bei Buchau. Im Selbstverlag beim Verfasser und in Kommission der Darn'schen Buchhandlung in Biberach. Preis 36 fr.. Da ich schon im vorigen Jahre in diesen Blattern die Anzeige gemacht, daß Hofheimer den ersten Preis erhalten, zugleich auf die Gediegenheit seiner Arbeit, die sich so viele Anerkennung zu verschaffen wußte, so wie auf den humanen nnd freien Geist unsrer Obecschulbehörde hinweisend, welche der Beantwortung einer Religionsfcage von einem andersgläubigen Standpunkte als ihrem eigenen alle Gerechtigkeit widerfahren ließ: so glaube ich es dem Preisträger sowol als den Lesern der Z. d. I. schuldig zu sein, die Preisschrift, nachdem sie nun durch den Druck Gemeingut geworden, so weit mir es der Raum gestattet, in diesen Blättern kurz anzuzeigen. Sehen wir, wie der wackere Verfasser seine Aufgabe löst. Nachdem er in einer Einleitung, anknüpfend an Jesaias 26, 9. „durch ihre Gesetze lernten Gerechtigkeit die Bewohner der Erde", den hohen Werth der Religion in Bezug auf Erziehung und Beglückung der Menschheit im Allgemeinen und jedes einzelnen Menschen insbesondere ausein-

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