Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 32 (31.7.1848)
- Date
- 1848-07-31
- Page
- Seite 458 (sequence 6)
- Language
- German
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458 auf den mindesten Ertrag derselben geraubt ist. Verzweiflung und Trostlosigkeit bemächtigen sich derart Aller, daß wir nur mit bangem Gefühle in die Zukunft blicken dürfen. Und in dieser unserer Rathlosigkeit über die grenzenlose Verarmung unsrer Gemeinde wissen wir keine andere Zuflucht, als uns an die Hochherzigkeit und den wohlthätigen Sinn unserer Glaubensgenossen bittend zu wenden. Wir rufen Euch, Männer, die Zhr an der Spitze israelitischer Gemeinden steht, daher zu: „helfet und rettet uns aus der Noth, in der wir uns befinden bewähret auch an uns die große Tugend, die Israel zieret: die Wohlthätigkeit. Weiset uns nicht ab durch den Hinblick aus die jetzt überall herrschende Bedrängniß; sondern beweiset, daß Ihr trotz derselben, Eurer Brüder nicht vergessen wollet, die durch namenlose Unglücke ganz zu Boden gedrückt worden. Eine jede Spende, so groß oder gering sie auch sein möge, wollen wir mit dankerfüllten Herzen annehmen und diejenigen Familien damit aufrichten, die am Tiefsten gesunken. Mögen Sie recht bald unsre ergebene und dringende Bitte erfüllen, möge aber auch die Vorsehung ähnliche Unglücke von Ihnen fern halten! Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. I. A. Kohn. S. Schott. Berlin, 20. Juli. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten kam auch eine Beschwerde des vr. Hold heim vor, darüber, daß er zur Miethssteuer herangezogen sei, während andere Geistliche davon befreit sind. Die Servisdeputation ist jedoch auf die Beschwerde nicht eingegangen und die Stadtverordnetenversammlung giebt das Schreiben zur nochmaligen Begutachtung der Servisdeputation zurück. Anklam, 24. Juli. (Privatmitth.) Seitdem die Sonne der Freiheit mit ihren erwärmenden Strahlen auch die Juden erreichte, gewinnt es den Anschein, als sei durch diesen gewaltigen Umschwung der Dinge die Kluft zwischen Juden und Christen wenigstens bei uns nur um so größer geworden. Es kann dieses auffallende Resultat denjenigen, welcher in die hiesigen Verhältnisse eingeweiht ist, nicht befremden, da es ja hinlänglich bekannt ist, daß die Reaktion nicht thätiger ihr günstiges Terrän ausbeutet, als gerade in Pommern. Sie spinnt nämlich ein Gewebe, welches nur von wenigen intelligenten und denkenden Männern in sein Nichts aufgelöst wird, und mit dem- Gifte der Verleumdung, ihrer siegreichen Waffe, begeifert die reaktionäre Partei, „die Verehrerin der wahren Volksfreiheit, die aus dem sittlichen Boden des wahren Rechts entsprießt", unablässig alle wahrhaft edlen Bestrebungen zur Förderung der Wohlfahrt des Volkes und Sicherstellung der Volksfreiheit. Aus ihrem boshaften Munde entströmen denn auch bei jeder Gelegenheit die Worte „Juden ----- jüdische und christliche Judengenoffen", und aus christlicher Liebe wünscht ein hiesiger Seelsorger, welcher „die Juden für das merkwürdigste und begnadigste Volk der Erde hält", diesen eine ganz andere Freiheit, als diejenige, deren sie sich jetzt zu erfreuen haben. Ist es demnach ein Wunder, daß der Glaube, die revolutionäre Gluth sei durch Juden in den Adern der deutschen Herzen angefacht worden, allgemein Nahrung findet? Ist es wirklich konstatirt, daß Söldlinge im jüdischen Dienste den Kampf begonnen? Oder kann es den Juden als Verbrechen angerechnet werden, wenn auch sie zum Umsturz des morschen Gebäudes Hand angelegt haben? Jene beschränkten Geister, die so wenig den Geist der Zeit aufzufassen und zu würdigen verstehen, die sich nicht entblöden die Juden als Blitzableiter ihres noch fortwuchernden Hasses zu benutzen, in welchem jämmerlichen Lichte erscheinen sie, deren Reden Lug und Trug sind, denen, welche mit aufrichtiger Freude jenen Tag begrüßten, an welchem der beschränkte Unterthanenverstand sich der Fesseln entledigte und die Souveränetät des Volkes zur Geltung kam! Zum großen Dank ist daher die hiesige Gemeinde dem Herrn Wedel! verpflichtet, der den Handschuh bereits ausgenommen, und in einer gehaltvollen Entgegnung einem Feinde bereits eine unheilbare Wunde zugefügt. Ueberhaupt herrscht seit der Anwesenheit des Herrn Wedel! ein reger, frommer Geist in unsrer Gemeinde, welcher die schönsten Früchte in Aussicht stellt. Mit unausgesetzter Thätigkeit widmet er sich dem Unterricht der Jugend, welcher zeither hier leider sehr verwaist war, wohl erkennend, nur durch ihre richtige Leitung könne ein kräftiges Judenthum gedeihen. Durch die Emanzipation, so räsonniren so Manche, ist dasselbe gefährdet, und den heiligen Interessen der Religion werden irdische Vortheile vorgezogen. Obwol Niemand, welcher den Geist des Judenthums in Wahrheit aufgefaßt, und ihn sich zum