Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 32 (31.7.1848)
- Date
- 1848-07-31
- Page
- Seite 457 (sequence 5)
- Language
- German
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457 so unser Elementarschulhaus. Die Unterzeichneten Gemeindevorsteher sind darob von Grunde ihres Herzens betrübt. — Doch da in hiesiger Gegend durch Gottes Gnade Ruhe und Ordnung wieder in ihr früheres Gleis zurückzukehren scheint, so haben dieselben inmitten des größten Elendes es für die allererste Nothwendigkeit erkannt, ihre zerrüttete Heerde wieder um sich zu sammeln,-ihr, wo möglich recht bald, aus den noch vorhandenen Lokalitäten vorläufig ein Zimmer zur Abhaltung unsers gemeinsamen Gottesdienstes einzurichten, sofort den Grund zu einer neuen Synagoge zu legen und mit Gottes Hilfe im künftigen Jahre zu vollenden. ‘ Bei der totalen Verarmung unsrer Gemeinde, so wie bei der sehr niedrigen Summa, welche uns im Betrage von 200 Thlr. aus der Feuersozietätskaffe für die uns verloren gegangenen Gebäude gewährt wird, sind wir außer Stande unser schönes Vorhaben in Ausführung zu bringen. Ungeachtet dessen wollen wir dennoch muthig an's Werk gehen; denn wir sind überzeugt, die Brüder unsers Volkes nah und fern werden uns gern ihre helfende Hand darbieten, und ein Scherflein, zur Erreichung unsers Zweckes beitragen. Ohne Scheu, von ganz besonderem Vertrauen zu Ew. Hochehrchürden Wohlwollen erfüllt, kommen wir daher zu Ihnen, Hilfe suchend, und gestatten uns, Ihnen in tiefster Hochachtung die Bitte vorzutragen: sich in Rücksicht auf unser unermeßlich Unglück und Armuth unser annehmen, und einen Aufruf um milde Beiträge zur Wiederaufbauung unsers Bethauses so wie unsers Elementarschulhauses an die Brüder unsers Volkes in Deutschland ergehen lassen und die eingegangenen Spenden sammeln zu wollen. Ew. Hochehrwürden würden sich dadurch wahrlich ein unauslöschbares Denkmal des innigsten Dankes nicht allein in unseren, sondern auch in unserer Kindeskinder Herzen setzen. Und von der festen Ueberzeugung durchdrungen, daß Sie die Ihnen von Gott verliehenen hohen Geistesgaben nur zum Wohle der Menschheit anwenden, und mit aller Aufopferung für das Heil leidender Brüder wirken, zweifeln wirkeinen Augenblick an der Erfüllung unsrer Bitte, sondern sehen in Freuden der Erfüllung derselben entgegen, die wir die Ehre haben uns zu zeichnen. Die Vorsteher der israelitischen Gemeinde zu Xions. F. Bernstein. L. Kratz. Wir übergeben dieses Schreiben, welches wol für sich selbst redend ist — Lions war ein Mittelpunkt der letzten polnischen Bewegung — den Lesern, mit der Erklärung, daß wir jede Gabe entgegennehmen, und in diesen Blättern verzeichnen werden. Die Redaktion.. Loslau (Oberschlesien), 20. Juli. (Eingesandt.) Wenn wir uns erlauben, an Sie nachstehende Bitte zu richten, so verhehlen wir uns zwar nicht, daß die gegenwärtige Zeit keine geeignete ist, Gemeinden mit Bitten zu belästigen. Wo indeß die äußerste und bitterste Nothwendigkeit zu solchen drängt, wird es jeder Menschenfreund verzeihlich finden, dieser Nothwendigkeit Gehör zu schenken. Die traurigsten Schicksale und die bittersten Verhältnisse haben sich seit zwei Jahren vereinigt, die Lage unsrer Gemeinde "auf's'Tiefste zu erschüttern und die Existenz der meisten Familien zu untergraben und zu zerstören. Zuerst war es die mehrjährige Mißerndte und mit ihrdie schreckliche Theurung aller Lebensmittel, von welchen Uebeln unsre ohnehin arme Gegend am Empfindlichsten betroffen wurde. Noth und Elend, Armuth und Hunger hausten auf die fürchterlichste Weise. Die unmittelbare Folge der Hungersnoth war der Typhus, der in seiner ganzen Schreckensgestalt verheerend und verwüstend bei uns austrat. Wie diese grausame Krankheit gewüthet und Tausende hingerafft, wie sie unzählige Familien in die trostloseste Lage warf, ist genugsam bekannt und bedarf nicht der nochmaligen Darstellung. Erschöpft nun und ermattet von den zwei Jahren des Elends, niedergeworfen von entsetzlichen Verhängnissen, blieb uns nur noch die tröstende Hoffnung auf die nächste Erndte, die eine segensreiche zu sein uns versprach. Aber leider! auch diese einzige Hoffnung mußte uns zu Schanden werden! zwei unglückliche Tage waren genug diese letzte Zuversicht zu vernichten. Ein starker Hagelsturz, der uns am 19. d. heimsuchte, noch mehr der am darauf folgenden Tage eingetretene, in seiner Erscheinung höchst merkwürdige Orkan zertrümmerten nicht nur unsere Scheunen, und die Dächer unserer Häuser, verwüsteten nicht nur unser Gotteshaus und unfern Begräbnißplatz, sondern vernichteten auch total unsere mühsam an- 1 gebauten Felder, so daß uns eine jede Aussicht auch