Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 32 (31.7.1848)
- Date
- 1848-07-31
- Page
- Seite 456 (sequence 4)
- Language
- German
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456 im Staate nicht unberührt lassen, sollen wir bei allen diesen wichtigen und unsere heiligsten Interessen berührenden Fragen unvertreten bleiben? Me diese Verhältnisse zeigen, wie wichtig es ist, daß kein Rückschritt geschehe, welcher darin liegen würde, wenn die neue Organisation so eingeleitet würde, daß unsere Gemeindeangehörigen dabei ausgeschlossen bleiben. Wir hegen aber das Vertrauen, daß ein hoher Senat unsere Rechte wahren werde, und bitten in diesem Vertrauen ehrerbietigst: „Hochderselbe wolle sich dahin auszusprechen geruhen, daß bei der beabsichtigten Einberufung eines vorberathenden Verfassungsrathes hinsichtlich unserer Gemeindeangehörigen keine Zurücksetzung stattfinde, sondern daß denselben gleich ihren christlichen Mitbürgern die Wählbarkeit und die Mitwirkung bei den Wahlen zugestanden werde." In tiefster Verehrung verharren wir als eines hohen Senats gehorsamster Vorstand der israelitischen Gemeinde, gez. vr. Manhayn. vr. meä. Emden." Frankfurt a. M., den 4. Juli 1848. Kaffei, 11. Juli. Die Ständeversammlung hat heute einen Antrag des Deputaten Pfeiffer auf Gestattung der Zivilehe zwischen Juden und Christen zu dem ihrigen gemacht und die Negierung ersucht, in dem zu erwartenden Gesetzentwurf, die Regelung der Verhältnisse der religiösen Dissidenten betreffend, auch auf die Ehe zwischen Christen und Juden Bedacht zu nehmen. Lions (Großherzogthüm Posen), 15. Juli. (Eingesandt.) Der gewaltige Strom unglückseliger Ereignisse, der sich in Folge der polnischen Insurrektion mit dem Lenze d. I. über uns, die deutschen und jüdischen Bewohner des Großherzogthums Posen, ergoß, hat uns hinabgerissen in Noch und Verderben. Und in welchen Theil des Königreichs sollte nicht die Kunde von den namenlosen argen Drangsalen, von denen namentlich die Juden am Meisten belastet waren, und in der finstern Zeit des Mittelalters nicht härter getroffen werden konnten, getragen worden sein? Sie bildeten rein den Spielball des rohen Polenvolkes. Willkürlich verübte man an. ihnen "Plünderung und Rauh; auf niederträchtige Weise beschimpfte und entheiligte man ihre Heiligthümer; kanibalisch entehrte und mordete man ihre Kinder, ihre Jünglinge und Jungfrauen, ihre Weiber und Männer; ja selbst Greise fielen der fürchterlichen Wuth der Unmenschen anheim, und fanden einen qualvollen Tod. Wahrlich, uns fehlt es an Worten, dies unerhörte Treiben in seinen grellsten Farben zu zeichnen, in seinem ganzen Umfange zu beschreiben! — Es übersteigt wahrhaft die Grenzen aller menschlichen Gefühle, und hat gewiß den gerechten Zorn des Allmächtigen über ihre Häupter herab beschworen, wie einst Pharao für die an unseren Ahnen verübte Schmach und Tyrannei; denn schon haben sie für die von unseren unglücklichen Brüdern gefallene Opfer seine hart strafende Hand empfunden. Furchtbar unterlag derjenige Trupp ihrer revolutionären Rotte, der in unserm sonst so friedlichen Städtchen stationirt und verschanzt war, am 29. April dem Racheschwert tapferer preußischer Krieger. Aber was war es! Lions mußte dabei das Bad des Unglücks ausgießen! In Folge dieses schrecklichen Kampfes, hauptsächlich durch die Beschießung, ging die Stadt in Flammen auf, welche den größten Theil derselben zerstörten, so daß nur noch wenige Häuser stehen geblieben sind. Niemanden war es vergönnt, seine Habseligkeiten den gewaltigen verheerenden Flammen zu entziehen, noch vielweniger dieselben vorher aus der Stadt zu entfernen, um sie außerhalb derselben in Sicherheit zu bringen, weil Solches von Seiten der Insurgenten bei sehr strenger Strafe untersagt, und die Ausgänge der Stadt überall bewacht worden waren. Durch die wundervolle Fügung Gottes ist indeß kein Leben unserer Glaubensgenossen der hiesigen Stadt verloren gegangen, allein desto größerm Elende sind wir anheimgefallen, und zwar mehr als alle Uebrigen, welche von ähnlichen Schicksalen heimgesucht worden sind, indem uns Nichts weiter geblieben ist, als unser Leben. 52 Familien, obdachlos, ohne Nahrung und Kleidung, nur von den spärlichen Almosen und Liebesspenden barmherziger Menschen lebend, irren verzweifelnd umher, ohne Trost, ohne Beruhigung, ohne Aufmunterung zu dem Allgütigen. Aber wo soll ihnen solche Speise gereicht werden, deren sie unter den obwaltenden Umständen so sehr bedürfen? Zum großen Theil liegen sie draußen, auf den Dörfern, ihr Gebet vernachlässigend, ihr heiliges Gesetz hintenansetzend; und unser Bethaus, in welchem wir .dies Alles in frommer Gemeinschaft genießen konnten, liegt sammt den heiligen Geräthen in Trümmern und Asche; eben-