Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 31 (24.7.1848)
- Date
- 1848-07-24
- Page
- Seite 448 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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448 fymübtx muß sich jeder Freund des Fortschritts freuen — so konnte sie dasselbe füglich hinsichtlich der Beisassen und Juden wagen, und sie hatte die Pflicht, dies zu rhun, um die mannigfachen Fragen, welche die nicht abzuweisende Gleichstellung der Juden Hervorrufen wird, auch von einer andern Seite beleuchtet zu sehen. Man hat dies auch gethan, und es ist auch hier wieder nicht die Stimme der Gerechtigkeit, sondern die.Stimme der Willkür und des Vorurtheils durchgedrungen. Die öffentliche Meinung Deutschlands mag hierüber richten." Außerdem ist auch eine öffentliche Protestation folgender Gestalt erschienen: „Mitten in den großartigen Bewegungen unsrer Zeit, mitten in dem allgemeinen Streben nach Hinwegräumung aller den Menschen vom Menschen, den Bürger vom Bürger trennenden Scheidewände, hat unsre gesetzgebende Versammlung in einer ihrer letzten Sitzungen mit Stimmenmehrheit den Beschluß gefaßt: bei der Wahl des zur Ausarbeitung eines neuen Konstitutionsentwurfs zu bildenden Verfaffungsraths die Israeliten, wie auch Beisassen und Bürgersöhne weder aktiv noch passiv zuzulassen. Es ist (üm den gelindesten Ausdruck zu gebrauchen) eigenthümlich, daß das Beispiel fast aller deutschen Lander, welche, vom alten Standpunkte verwitterter Gesetzgebung freiwillig sich losreißend, auch Juden in die konstituirenden Versammlungen wählten, gerade die Behörden der freien Stadt Frankfurt unberührt laßt. Zudem steht der Beschluß der gesetzgebenden Versammlung in schreiendem Widerspruch mit den Beschlüssen des Vorparlaments, ja er lautet fast hohnsprechend dem Entwurf der Grundrechte des deutschen Volkes gegenüber. Hat man doch den sogenannten Rechtsboden zu Gunsten der Landbewohner mit Recht gänzlich verlassen, und einen Verfassungsrath gebildet, von dem unsre Konstitutionsergänzungsakte Nichts weiß. Warum hat man dieses Prinzip der Gerechtigkeit nicht auch für die Juden befolgt? Die Unterzeichneten, in ihrer Ausschließung von der Wahl des Verfaffungsrathes ein durch Nichts gerechtfertigtes Entgegenstemmen gegen die Anforderungen der Zeit, ein Festhalten an dem zu Grabe getragenen System erblickend, protestiren hiermit feierlichst gegen jenen Beschluß. Sie appelliren an ihre Mitbürger, an die öffentliche Meinung Deutschlands, an die wahren Begriffe der Freiheit im erwachtenBaterlande, und behalten sich alle gesetzliche Mittel vor, um ihren heiligen Rechten Anerkennung zu verschaffen. Frankfurt a. M., 4. Juli 1848. Dr. inoä. Heinrich Schwarzschild. Simon Maas. Dr. jur. Joseph Rütten. Jacob Doctor. Dr. Jacob Weil. Daniel S. Sichel. Hermann Halle. Dr. Neukirch. Franz I. Schuster. Dr. Flesch. Meyer N. Trier. Dr. meä. Maximilian Gundersheim. Bernhard Rütten. H. H. Strauß. Louis Schloß. Heinrich I. Strauß. Leopold Doctor. Raphael Geißenheimer. Leopold Beer. Dr. phil. Bernhard Lehmann. Moritz Flürscheim. Emanuel Sichel. Adolph Maas. Bernhard Dondorff. S. I. Katz. Adolph Rindskopf. Simon Flersheim. Meyer St. Goar. Salomon Hanau. Lazarus Ochs. Adolph Strauß. Leopold H. Langenbach. N. Kulp. Hermann St. Goar. Moritz Hertz. Dr. Hermann Zirndorfer. P. Sabel. G. L. Worms. Franz Stiebel. Gustav Trier. M. Bing. Julius Stiebel sen. Ernst Stiebel. Siegm. Leser. Hermann S. Strauß. Alle Gleichgesinnte werden aufgefordert, sich dieser Verwahrung, welche wegen Kürze der Zeit nicht in Zirkulation gesetzt werden konnte, anzuschließen." Die Quellen dieses Faktums braucht man nicht lange zu suchen. Sie sind ebenso sehr die alte aristokratische Herrsch- und Selbstsucht, welche den Juden von allen politischen Rechten fern halten will, als auch die Furcht, daß die vorherrschend liberale Gesinnung der Juden, die natürlich ist, weil sie den Druck der alten Herrschaft zu sehr und zu lang empfanden, doch einigen Einfluß gewinnen und üben würde. Traurige Schwäche, die da vermeint, dem allgemeinen Strom der Zeit, ohne den die Juden doch auch Nichts vermögen, widerstehen zu können! Hcrgenow (Mecklenburg-Schwerin), 12. Juli. (Privatmitth.) Es ist höchst erfreulich, wenn in der gegenwärtigen Zeit, wo an so vielen Stellen die Juden noch, oder wiederum die Zielscheibe gehässiger Verdächtigungen und Verfolgungen sind, wo der Judenhaß in der abscheulichen Gestalt des grauen Mittelalters wieder auftritt, wir hier und dort einen Ort wahrnehmen, in dem sich der Geist der Verbrüderung zwischen Juden und Christen so schön offenbart. So war es den Juden bei der hier am 8. v. M. statt-