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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-07-24 · Heft 31 (24.7.1848) · p. Seite 443

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 31 (24.7.1848)
Date
1848-07-24
Page
Seite 443 (sequence 7)
Language
German
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448 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Dessau, 10. Juli. (Privatmitth.) Der Korrespondent in No. 28 hat nicht Alles mitgethellt, was die hiesigen Gemeindeangelegenheiten betrifft. Er sprach nur von der Auflösung der Konfessionsschule; allein die Gemeinde geht noch mit Weiterem um: sie will auch ihr Armenwesen auflösen, und es mit dem städtischen Armenwesen.verschmelzen. Dadurch würde allerdings die, durch ihr Armenwesen fast konsumirte Gemeindekaffe sehr gut, die Armen aber sehr schlecht wegkommen. Die hiesige Gemeinde hat seit vielen Jahren ganz eigenthümliche Verhältnisse. Die Schule war allerdings eine Last, aber sie brachte doch unzählige Armenkinder auf eine höhere Stufe, als die christliche Volksschule, so daß sehr viele Schüler im Leben sich aufzuschwingen vermochten. Das Armenwesen drückte in furchtbarer Höhe auf der Gemeinde, aber es wurden sehr viele Familien erhalten, (freilich auch viele in nicht nothwendigem Müssiggang). Die Auflösung der Schule und des Armenwesens wird nun für die Armen und ihre Kinder ein sehr harter Schlag sein. Hingegen wurden durch dieses .ungeheure Armenwesen alle Kräfte der Gemeinde absorbirt, so daß durch dasselbe wie durch die Schule jeder religiös geistige Aufschwung unmöglich war. Daher kein Prediger für die Gemeinde, keine tüchtige Religionslehre, keine Verbesserung des Gottesdienstes, sondern die ganze Gemeinde völlig in Schlummer versunken. Es war, als ob die Gemeinde eben nur eine Armenversorgungsanstalt sei. Dies könnte nun anders werden, und wenn die Gemeinde in ihrem patriotischen Eifer so weit geht, ihr Armenwesen mit dem städtischen zu verschmelzen, so müßte sie wenigstens ihren religiösen Eifer so weit beleben, um nun auch an religiös geistige Institute zu gehen, und so zu beweisen, daß in den Bürger der Jude aufgegangen, aber der Jude im Bürger nicht untergegangen. Was ist es nun um das Armenwesen? Es muß, wenn die Gemeinde es aufgegeben, Sache der Privaten werden, d. h. es muß sich ein'Privatverein für die Armen bilden, denn genau genommen ist das Armenwesen einer jüdischen Gemeinde nichts anders als ein Privatarmenverein, dem der Staat niemals Etwas in den Weg legen kann. Juden sind als Glaubensgenossen immer unter einander bekannter, und so zu besonderer Unterstützung ihrer Glaubensgenossen Mehr veranlaßt. Die städtische Unterstützung der Armen ist überall eine sehr geringe. Hat man nun einmal seit undenklichen Zeiten die jüdischen Armen an reichlichere Unterstützung gewöhnt, so ist es immer ein Jammer, sie ihnen plötzlich zu entziehen. Ich würde rathen, die jüdischen Armen hierorts einmal zu sichten, den Kranken und Arbeitsunfähigen die Unterstützung nicht zu entziehen, Jedem aber, der irgend zur Arbeit noch befähigt ist, unerbittlich die Almosen vorzuenthalten. Vor Allem aber, ihr Herren am Ruder, vergesset nicht, die Religion dadurch zu stärken, daß Ihr einen tüchtigen Prediger und Religionslehrer bestellet! Arrklam, 27. Juni. (Privatmitth.) Zopf, o Zopf wann wirst du weichen, Wann wird die Scheere dich erreichen! Als ein Gegenstück zu dem neulich Berichteten (siehe No. 23 d. Bl.), senden wir Ihnen, geehrter Herr Doktor, einen kleinen Aufsatz, den wjr vor Kurzem in einem der hiesigen Blätter abdrucken ließen, und haben wir zum bessern Verständniß derselben noch Folgendes zu bemerken: In D emmin, einem Städtchen in unsrer Nähe, soll sich ein jüdischer Lehrer, der an der Spitze des dortigen konstitutionellen Klubs steht, in einer Rede etwas „zu frei" ausgesprochen haben; in Folge dessen erhob eine Partei, der solche Bestrebungen ein Dorn im Auge sind, ein Zeter, das sich in einigen nichtssagenden Aussätzen, die gebührend zurechtgesetzt wurden, Luft machte. — Hinterher kam noch ein vom echtestenKrämergeiste beseelter Zopfianer, schimpfte auf die Bestrebungen des erwähnten Lehrers und der ihm Gleichgesinnten, und um seiner Liebenswürdigkeit die Krone aufzusetzen, fügte er noch die Bemerkung hinzu: „daß die Juden am Allerwenigsten Grund hätten mit der bisherigen Regierung unzufrieden zu sein". Es lohnt sich zwar nicht sehr, auf das Geschwätz der Thoren zu achten; denn die Sklavenketten unserer so unaufhörlich vomBorurtheil und Fanatismus verfolgten Glaubensgenossen sind gebrochen; — die Zeit, wo Pfaffenhaß und Minifferwahn mit ihrem dämonischen Gewebe die Throne umgarnten, ist dahin; und werden all diese lieblosen Aeußerungen, all die auf

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