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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-07-24 · Heft 31 (24.7.1848) · p. Seite 440

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 31 (24.7.1848)
Date
1848-07-24
Page
Seite 440 (sequence 4)
Language
German
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440 An Euch, Lehrer des Judenthums, ist es besonders, wieder gut zu machen, was Eure Amtsvorfahren an uns verbrochen haben; vereinigt Euch zu einer konstitukrenden Versammlung und bedenkt, daß jeder Verzug gefahrvoll ist. Schaffet ein im Boden des Judenthums wurzelndes Religionsgrundgesetz, und erklärt Euch entschieden gegen alle Satzungen, die weder dem wahren Geiste unsrer Religion, noch den Anschauungen der jetzigen Welt entsprechen! Diesen großartigen Plan zu verwirklichen, ist Männern^ wie Philkppson, Geiger u. A. Vorbehalten. Die nicht zu verkennende Schwierigkeit der zu lösenden Aufgabe wird hinlänglich aufgewogen durch die hohe Bedeutung des zu erstrebenden Ziels. Jede Furcht vor dem Mißlingen des Plans muß um so mehr schwinden, wenn man bedenkt, daß in der jetzigen Zeit für den Dienst der guten Sache viele Kräfte sich sammeln werden, und daß man da kein Opfer scheuet, wo es sich um die heiligsten Interessen der Menschheit handelt. Auf also! Beherziget die gewichtigen Worte eines trefflichen Lehrers: „Die Reformfrage ist sehr drängend, sie ist unabweisbar, sie ist die höchste Rothwendigkeit. — Der ganze Bestand unsrer Religion ist d aber interessirt, und wir erblicken keine Zukunft für dieselbe, Falls sie sich nicht aufrichtig und ganz der Reform in die Arme wirft." Vr. für. Steinfeld. Bemerkung des Redakteurs. Wir haben im Obigen den Abfasser sich unumwunden ausspcechen lassen. Wir nehmen auch die Schlußworte, die derselbe zitirt, und welche die unsrigen sind (s. No. 23 leit. Art.), in ihrem vollen Sinne an. Ist hier und da in diesem Aufrufe etwas stark aufgetragen, so ist es jetzt keine Zeit, um Worte zu feilschen. Wahrheit, und nur Wahrheit muß unser Streben, unser Ziel sein. Aber in dem Einen können wir dem geehrten Herrn nicht beistimmen, wenn er die Lösung der großen Aufgabe den Rabbinen überweisen will. Die Rabbinen im Ganzen taugen hiezu nicht. Die Rabbinen als Solche sind selbst zerspaltet und zerrissen nach allen Richtungen der Zeit. Auch ist' die Gegenwart nicht angethan, solches Werk den Geistlichen-zu überlassen, und von ihnen entgegenzunehmen. Nein! die Zeit allgemeiner Rabbinerversammlungen ist vorbei, sie würden eben so Weniges Hervorbringen als nützen. Jetzt gilt es, von allen Seiten die Steine zum Neubau heranzubrkngen. Wir kennen nur zwei Wege: die Presse und die freie Assoziation. Die Erstece wird schon, so wie sie in der allgemeinen Bedrängniß wieder Raum gewinnt, die Fragen ventklircn: die Andere ist herzustellen, wo und wie es möglich ist. Man hat allerdings in den jüngsten Jahren die Assoziation auf dem Gebiete des Judenthums in Anwendung gebracht. Wir. haben Rabbinerversammlungen, Reformvereine, Genossenschaften u. dgl. gehabt. Woran sie aber scheiterten, das war erstens der Geist der Formalitäten, der überall über sie kam. Immer kam man mit Paragraphen, Geschäftsordnungen, Abgeschlossenheit rc., worunter der Geist und Zweck erdrückt wurden. Das war zweitens die Gleichgiltigkeit, dir Lauheit. Es hatte Alles einen Anklang nur in sehr'beschränktem Raume. Nein! versammelt euch überall und oft. Wo Einer die Befähigung hat, sich an die Spitze einer Bewegung zu stellen, da thue er es. Was der Gesammtheit Noch thut, das kann jetzt — noch dazu auf rein geistigem Gebiete — kein Einzelner vollbringen und der Gesammtheit zur Morgengabe brmgen — mag ec X oder B heißen — sondern die, vom Geiste durchdrungene Gesammtheit vermag es allein. Also überall müssen Versammlungen gehalten, muß geweckt und angeregt werden — dann werden sich die Tonangeber, die natürlichen Vertreter schon Herausstellen. — Von einem Alp nur hat uns die Neuzeit erlöst, wie der Vecf. selbst sehr passend andeutet, von der Herrschaft von oben, daß die Regierungen jeder frischen Geistesregung die Zukunft absprachen, so wie von der Herrschaft von unten, daß die Massen selbst der Bewegung entgegentraten und deren Träger knechteten. Nun, dann muß es sich jetzt Herausstellen, was die Massen unserer Glaubensgenossen in geistiger Beziehung werth sind. Sie können nicht vom einzelnen Genius fordern: gieb uns, was wir brauchen mögen, um es hinterdrein wie ein verzogenes Kind fortzuwerfen — sondern sie müssen selbst herausschaffen aus dem Chaos, was ihr inneres Leben ist, und haben dann nur die Frage frei: stimmst du mit uns überein?-- Ja, dies ist die Vertheilung der Rollen. In der Presse spricht der Einzelne zur Gesammtheit,. in der Assoziation, der Versammlung spricht die Gesammtheit zum Einzelnen. Fordre man vom Einzelnen in Zukunft nicht mehr, als man von ihm anzunehmen gesonnen ist. Also noch einmal: Versammlung und Vereinigung aller Orten! Aber nicht von Rabbiner allein, sondern innerhalb der Gefammtheit! — Dies ist unsre Meinung.

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