Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 30 (17.7.1848)
- Date
- 1848-07-17
- Page
- Seite 434 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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m gaben verringern, und zwar ihren'Beamterrstand vereinfachen müssen. So bitter dies einzelne Persönlichkeiten in der Gegenwart empfinden werden, so ist es doch im Allgemeinen und für die Zukunft unerläßliche Regel, da sonst der Bestand der Gemeinden als Solcher gar nicht abzusehen. Die größeren Gemeinden ernähren eine Menge Faullenzer, sie haben eine ungemeine Menge von Beamten, die vielfach reduzirt werden kann. Wir haben hier in Berlin drei Rabbinen, die dabei eine Schaar Religionslehrer nicht überflüssig machen. Herr Ettinger erhält 1500 Thlr. für — gar Nichts, Herr Rosenftein 1000 Thlr. für— gar Nichts, Herr Dr. Sachs 1500 Thlr. für eine vierwöchentliche Predigt und einige wenige Stunden Religionsunterricht, die er ganz nach Belieben ertheilt, und meist nicht ertheilt. Findet doch nicht einmal Konfirmation von seiner Seite statt.. Nun? ist dies Alles nothwendig? Genügt nicht hierfür eine Person, welche zugleich den Religionsunterricht, wenn auch mit einigen Hilfslehrern, vollständig ertheilt? Wozu die Müfsiggärrger? Dahin ist in den Gemeinden zukünftig zu sehen. Die Rabbinen müssen den Religionsunterricht, die Vorbeter den Schächterdienst versehen. Dadurch werden die Gemeinden den größten Theil ihres Budgets schwinden sehen, die Erhaltung derselben, wird leicht sein, und so eine Menge Wirren vermieden werden. Ungarn. Pesth, 23. Juni. Während im übrigen Europa die neuen Staatsumwälzungen auch den Juden ein besseres Loos bereiteten, brachten sie denselben in Ungarn nur Verfolgung und Zurücksetzung. Unglaublich wird es aber scheinen, daß im szäthmarer Komitate, welches sich stets mit Liberalismus brüstete, die Grundbesitzer den dortigen jüdischen Bauern die Wohlthat der gesetzlichen Robotaufhebung -.vorenthalten wollen, indem das bezügliche Gesetz auf Juden sich nicht erstrecke. Rußland. Warschau, 6, Juli. Gestern fand die feierliche Beerdigung des wegen seiner edlen Eigenschaften, besonders seiner:, unermüdlichen Wohlthätigkeit willenallgemein beklagten.Bankier I. S..Rosen (lange Jahre ' Vorsteher der Gemeinde) statt. Die Grabrede hielt der Prediger der deutsch-israelitischen. Gemeinde vr. Goldschmidt. — In Betracht, daß bei der wachsenden Bevölkerung der Juden es der Gesundheit derselben schädlich sein könnte,, wenn sie noch auf dieihnen früher eingeräumten Straßen beschränkt blieben, ist ihnen gestattet worden, auch in der Ziegenstraße und einem Theil der Georgstraße ferner wohnen zu dürfen. Literarische Ätachrkchten. Vom iÖberrhein, im Zuni. Die stille Größe des Alterthums hat zu allen Zeiten und unter allen Nationen bei den denkenden und im Dienst der Wiffenschaft lebenden Männern die höchste Anerkennung und Verehrung gefunden, ja, hat sie fast bis zur Anbetung desselben hingerissen. Das.Alterthum ist einem Eden vergleichbar, worin Bäume der mannigfaltigsten Art mit Früchten daran stehen, durch deren Genuß unserm Geiste erst wahrhaft die Augen geöffnet werden. Wenn man dem Musensohne, oder es prosaisch zu sagen, wenn man dem weltlichen Gelehrten die Namen „Hellas und. Latium" nennt, so glaubt er melodische Töne zu vernehmen, er gerath gleichsam in eine heilige Stimmung') denn er wird bei dem Klange dieser zwei Laute sogleich daran erinnert, daß seine intellektuelle Bildung in dem klassischen Boden dieser beiden Erdstriche ihre Grundwurzel hat. Obgleich das Alterthum schon mehre tausend Jahre hinter uns liegt, so wird sein geistiger Schacht dennoch fleißig befahren, um einen feinen Gedanken, ein verstecktes Räthsel desselben errathen, wird höher noch als der Fund des gediegensten und köstlichsten Schatzes gehalten. Zu den vorzüglichsten und großartigsten Schöpfungen der grauen Vorzeit aber zahlen unstreitig das schriftliche und mündliche Gesetz des jüdischen Volkes. Aus der heiligen Schrift, diesem Born der höchsten Weisheit, strömte zuerst das Helle und klare Licht der für den Staubgeborenen wichtigsten und nothwendigsten Wahrheiten, in ihr allein strahlt die erhabene Idee von der Einheit Gottes, sie giebt uns Aufschluß über den Ursprung des Universums und alles dessen,, was darin lebt und webt, sie umfaßt das menschliche Leben in allen seinen Beziehungen, giebt das Verhaltniß des Sterblichen Mm Unsterblichen, der Menschen zum. Menschen an,, kurz sie. ist sowol das erste Elementarbuch für das unmündige. Kind,