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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-07-17 · Heft 30 (17.7.1848) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 30 (17.7.1848)
Date
1848-07-17
Page
Seite 426 (sequence 2)
Language
German
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426 mit Petitionen etwa die Sachlage nur verschlimmert werden kann. Die Prinzipien sind überall so klar schon ausgesprochen, daß ihre Verwandlung in die Gesetzesform durch lappisches Hineingreifen nur gestört würde. Unsre Wirksamkeit in dieser, d. h. also in politischer Beziehung kann nur erst wieoer beginnen, wenn das Gesetz gesprochen hat, und es gilt, die Konsequenzen zu ziehen) die Verwirklichung zu bcthatigen. Anders ist es aber in sozialer Beziehung. Mag man jetzt durch die politischen Kampfe vielfach abgezogen werden, sicher ist es, daß die große Bewegung in der Gesellschaft zum wesentlichen Inhalte die soziale Umgestaltung hat, und der alte mosaische Grundsatz „es soll kein Dürftiger unter Dir sein" — mit anderen Worten die Vermittelung und.Ausgleichung der Besitz- und Erwerbsverhalrnisse durch Verhütung der beiden Extreme, eine Wahrheit zu werden anstreben will. Wer die Augen nicht absichtlich schließt, braucht nur auf die Stockung des Handels, den Umsturz des bisherigen Kreditwesens, braucht nur nach Frankreich zu sehen. Diese soziale Umgestaltung erfaßt insonders eine große Zahl unserer Glaubensgenossen, weil diese in bedeutendster Ueberzahl Gewerbtreibende sind, welche die nächste Wirkung der veränderten sozialen Verhältnisse fühlen. Wer ferner klar sieht, muß auch erkennen, daß in der nächsten Zukunft weitere Veränderungen der sozialen Verhältnisse noch vor sich gehen werden, welche bleibender Natur sind. Nicht daß wir fürchteten, die Gespenster des Kommunismus und des Sozialismus könnten über Europa je eine wesentliche Herrschaft erlangen, und anders über dasselbe hinfahren als in großen Wolkenschatten, die der Sturm bringt und davonführt — aber die Zustände der verschiedenen Stände — ich meine der natürlichen Stände, die durch die verschiedene Beschäftigung heceinkommen — sind derartig, daß sie eine neue Feststellung zur Nothwendigkeit machen. Gerade darum werfen wir besorgte Blicke für unsere Glaubensgenossen in die Zukunft, und glauben wiederholentlich sie darauf aufmerksam zu machen, daß sie ihre Aufmerksamkeit auf den Ackerbau wenden müsst n, allwo bei dem Mißverhältnis! der übrigen Gewerbölhätigkeiten allein Sicherung zu suchen und zu finden. Daher wollen wir heute nur auf Eines hindeuten: die Gesellschaften undVereine, welchebis jetzt für Beförderung der Handwerke unter denIuden bestanden, mögen ihre Tendenz nach dem Ackerbau wenden, und insonders unsere Glaubensgenossen dahin zu lenken sich die Aufgabe stellen. Die Bewegung, die im Innern des Iudenthums wieder erwacht, stellt sich sofort als eine bestimmte, ihres Zieles bewußte heraus. Sie befaßt nichts anders, als die Aufhebung der Verpflichtung für alle bisherigen Formen des Iudenthums. Sie will alleinige Geltung des Lehrinhalts und die Freiheit des Individuums für alle Formen. Sie will allerdings den Fortbestand der Gemeinde, aber auf freiester Basis der Gemeindeglieder, sie will Formen, aber aus dem Geiste der Zeit heraus, solche, welche allein das innere Bekenntniß des Individuums darthun, und die Individuen zu gottesdienstlicher Feier vereinigen, aber auch diese nicht aus historischen Stücken zusammengesetzt, sondern im Geiste der Zeit wahrhaft wurzelnd. Insofern ist demnächst diese Bewegung das Ziel der Entwickelungen und Kämpfe, die im Iudenthume in der Neuzeit stattsinden, welche Kämpfe eben nur zwischen der Geltung des Formwesens überhaupt, des überkommenen insonders, und der alleinigen Geltung des Lehrinhalts stattfanden. Diese Bewegung hat ihren Anknüpfungspunkt in Karlsruhe und Worms gehabt. Beide berufen Synoden, freie, aus Rabbinen und Laien, Jedwedem, der sich dazu einstellt, im Sinne der Zeit, welche jeder Autorität von Menschen über Menschen widerstrebt. Wir werden dem Verlaufe folgen. Jedenfalls hat aber Jedermann für diese Bewegung dankbar zu sein; diejenigen, welche dem orthodoxen Iudenlhume anhangen, damit sich ihre Anhänger wieder um sie scharen, diejenigen, welche dem Iudenthums Leben und Geist wünschen, um es zu erhalten, auf daß es nicht der stillen Auflösung anheimfalle, sondern immer verjüngt seine weltgeschichtliche Bahn verfolge! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, im Juli. (Privatmitth.) In dem gemüthsfrischern, lebendigem Südwest Deutschlands scheint man die Bewegung der Zeit schneller auf das Gebiet der Religion verpflanzen zu wollen. Zeugniß dessen giebt Ihnen der, von Ihnen mitgetheilte Aufruf des „badischen Landesvereins" (No. 27). Als ein weiteres Zeugniß übersende ich Ihnen heute folgenden

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