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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-07-10 · Heft 29 (10.7.1848) · p. Seite 422

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 29 (10.7.1848)
Date
1848-07-10
Page
Seite 422 (sequence 14)
Language
German
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zum Gemeingute sämmtlicher Israeliten machen zu können. Peter Beer hatte in seinem Relkgionsbuche „das Judenthum, d. i. Versuch einer Darstellung aller wesentlichen Glaubens-, Sitten- und Zeremoniallehren aller heutigen Juden" (Prag, 1809) noch nöthig, sich mit Berufung auf alte Gesetzesautoritäten zu entschuldigen, daß er sein. Buch in deutschen Lettern erscheinen ließ, daß er überhaupt ein Lehrbuch der Religion abfaßte, bei den Lehren derselben auf deren Zweck sah, und vorzüglich, daß er Manches aus den Schriften nichtjüdischer Gelehrten aufnahm rc. Die Anhänger Mendelssohn's suchten jedoch die Sache der Schule nicht nur durch Wort und Schrift zu fördern, sondern errichteten auch Lehranstalten und traten selbst als Lehrer derselben auf. So legte David Friedländer noch zu Mendelssohns Lebzeiten zu Berlin eine Elementarschule an, woran auch der geistreiche Lazarus Ben David thätigen Antheil nahm. In den Lehrzyklus der Schule gehörten fürder auch die deutschen Elementarfacher und so hatten die Juden nicht mehr bloße Konfessionssondern auch Elementarschulen und öffneten-dadurch den Kanal zur Einfahrt in Deutschlands Sitten, Geist und wissenschaftliche Errungniffe, sie gaben den Impuls zur Germanisicung der Juden, ohne welchen sie das nie geworden wären, was sie geworden. So in diesem Geiste wirkte Herz Homburg im Oesterreichischen, Joel Löwe und Aaron Wolfsohn in Breslau; auch in Frankfurt a. M., Hamburg, Fürth u. a. a. O. entstanden von den tüchtigsten Kräften geleitete, sogar christliche Lehranstalten übectceffende Schulen. Die Jünger der aufgehobenen Jeschibot wurden vornehmlich Lehrer, die bei guter talmudischer Bildung das Deutsche bald nachholten. Fürth insbesondere versorgte fast alle Länder mit Jugendlehrern, so daß jetzt in jedem Lande Europa's baierische Lehrer zu treffen sind. Wie die Schweiz so oft ihre junge Mannschaft hinaussandte, um verschiedenen Herren zu dienen und in verschiedenen, selbst entgegengesetzten Heeren zu streiten, so zogen die baierisch-jüdischen Magister, den alten Landsknechten in manchen Punkten ähnlich, zahlreich in die Fremde, suchten als „neumodische" Privat- und Gemeindelehrer ihr Unterkommen, und traten oft wie jene, unter den vielfarbigen literarischen und religiösen Panieren hart auf einander. Den Bestrebungen dieser zum ewigen Ruhm berechtigten edlen Männer trat nun freilich auch der Geist ihrer Zeit und die Gesinnung der regierenden Häupter unterstützend zur Sekte. Die Revolution hatte die schlummernden Völker aus ihrem langem Schlafe erweckt und sie auf ihre Bedürfnisse aufmerksam gemacht. Das ganz verwahrloste christliche Schulwesen wurde gänzlich umgestaltet und die größten Männer und die besten Denker und die gefeiertsten Schriftsteller boten Kraft und Mittel dazu mit seltenem Eifer und Bereitwilligkeit. Es entstand ein Versuchen, ein Nkederreißen, ein Aufbauen, kurz die allseitigste, lebendigste Bewegung. Fluthen von Lehrbüchern, Schulplänen, Schulgesetzen, Methoden, Pädagogiken rc. uvurden zu Tage gefördert, und es war nur eine Stimme, das Volk aus seiner Verdumpfung herauszureißen. Und so war nun bei den Jüngern Mendelssohns, die sich die Erhebung ihrer Religionsgenoffen zum Ziele gesetzt, der Gedanke nahe, das"allgemein als probat gefundene Mittel auch in ihrem Kreise zu versuchen und verfolgte.» dem zu Folge den angetretenen Weg mit um so größerer Beharrlichkeit, als einerseits die Lenker des Staates das Unternehmen durch Beifallbezeigungen und mannigfach gewährte Unterstützungen begünstigten, ja die Jsraelitenkinder gesetzlich zum Schulbesuche müßigten und zur Erlernung der deutschen Objekte verpflichteten, wozu der edle Joseph II. in Oesterreich den Reigen eröffnete und anderseits die Juden, die orthodoxesten nicht ausgenommen, bald die Nützlichkeit des Unterrichts fühlten — daß derselbe baldige Aenderungen in den orthodoxen Ansichten zur Folge haben mußte ahnten sie freilich nicht — und ein sahen, daß gehörige Schulbildung allein sie häufiger mit den Christen in gesellschaftliche und bürgerliche Beziehung zu bringen im Stande, allein durch gehörige Schulbildung der ihnen so häufig zu Theil gewordenen Verspottung wegen Benehmens, Wissens und Sprache entgehen und der Emanzipation mit ihren bisherigen Drängern theilhaftig werden könnten, so daß dieselben der Sache der Erziehung und des Unterrichts ihrer Kinder die möglichsten Opfer brachten. Und der Erfolg zeigte, daß die Opfer nicht leerem Waldteufel gebracht wurden, daß das Kapital zu hundertfältigen Zinsen angelegt. Nach wenigen Dezennien gewahrte man ein ganz anderes Leben, ein ganz anderes Streben. Aberglaube und Ignoranz traten im Weichen. Galt früher: "f^> -pjpn -^28 b«ö, so hieß es nunmehr: ‘jb. ü:wj 02^2 b»ts. Die Jugend lernte mehr, gründlicher und lieber. Die Schulen wurden immer menschlicher, heiterer und traten mit der sittlichen Bildung enger in Verbindung. Die Zucht wurde weiser und väterlicher, der den Lehrer beseelende Geist kräftiger und gediegener. Der alte rohe

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