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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-07-10 · Heft 29 (10.7.1848) · p. Seite 421

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 29 (10.7.1848)
Date
1848-07-10
Page
Seite 421 (sequence 13)
Language
German
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4SI Religion auf kindliche Gesinnung, auf ehrerbietigen und vertraulichen Umgang mit Gott, auf gänzliche Ergebung in seinen Willen sich beziehet, und die empfindsamen, zärtlichen, für alles Gute eingenommenen, und zum Wohlthun so sehr geneigten Herzen der Kinder dafür am Empfänglichsten sind. Ist hingegen einmal die Geschäftigkeit des Lebens rege; haben bereits Sorgen für Bedürfnisse den Kopf, so wie Begierden und Leidenschaften das Herz in Beschlag genommen, und haben einmal diese Dornen Wurzel gefaßt, und mit ihrem Unkraute den Boden des Gemüths bedeckt, dann streuet man gewöhnlich den Samen auf Felsen, wo er nie aufgehet. Sehr treffend sagt daher Einer unserer frommen Väter: „„Wer ein Kind lehrt, schreibt mit Dinte auf ein unbeschriebenes Blatt; der aber einen Alten unterrichtet, thut das Nämliche — auf ein bereits beschriebenes."" Von der Beschaffenheit des ersten Unterrichts hängt es also ab, ob den Menschen in den reiferen Jahren eine wahre Achtung für die Religion beseelen, oder ob er sie vielleicht als die unfruchtbarste und entbehrlichste unter allen Beschäftigungen des Geistes betrachten werde." Darauf suchte Man die geeigneten Lehrmittel für die Schule herbeizuschaffen. Wessely war der Erste, der darauf hinwies. „Obschon es nicht zu leugnen ist," sagt er in den „Worten des Friedens und der Wahrheit", übersetzt von David Friedländer, 1798, S. 21, „daß Sittenlehcen in der größten Lauterkeit in der heiligen Schrift enthalten sind, so ist es doch kein Werk des Schülers und des Knaben, aus den heiligen Duellen zu schöpfen, als wozu reifer Verstand und erworbene Gelehrsamkeit gehört. Wir haben in unseren Schulen vonnöthen: Erstens, eine Schrift, welche die Grundsätze der jüdischen Religion, oder die Glaubensartikel des Judenthums enthalten. Dieses Lehrbuch müßte in einer leichten, reinen und faßlichen Sprache, nach dem Fassungsvermögen eines Knaben vorgetragen sein. Jeder einzelne Satz muß aus der hinzugefügten Schriftstelle hergeleitet und erklärt werden. Aus diesem Lehrbuche erlerne die Jugend, nach einer allgemein einzuführenden Methode, die Grundartikel ihrer Religion. Dadurch wird ein jeder Israelit, auch derjenige, der sich nicht dem Studio der Mischna und Gemara widmet, in den Stand gesetzt sein, sich derselben stets zu erinnern, und sich auch in seinem Alter von seiner Religion Rechenschaft geben zu können. Zweitens, ein Lehrbuch der Moral. Dieses enthalte alle Anleitungen zu gesellschaftlichen Tugenden, und 'eine Sittenlehre, die dem Atter und Fassungsvermögen eines Knaben angemessen ist. Der Verfasser kann sich über die Natur der mannigfaltigen Seelenfähkgkeiten und Leidenschaften des Menschen ausbreiten. Er zeige darin, wie die verhaltnißmäßige Kultur der Ersten, und die Mäßigkeit der Letzteren, die Triebfedern sind, durch welche wir uns vollkommener machen und die Absichten unsers Daseins am Besten erfüllen. Er kann auf die ansehnliche Anzahl Vorschriften der heiligen Schrift, die in Verbindung mit der Sittenlehre stehen, Rücksicht nehmen. Z. B. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Eigenthum. Du sollst Dich nicht rächen, und sollst nicht Zorn halten. Trage deinem Nächsten keinen Groll im Herzen nach, und andere mehr. Mit einem Worte, er suche mit einleuchtenden Gründen und überzeugender Wohlredenheit sich einen Weg in das Herz des Jünglings zu öffnen und den Samen der Tugend da auszusäen, wo er einst reiche Früchte tragen soll. So erklärt auch Salomo die Absicht seiner Sprüche im Eingänge derselben: daß man Weisheit und Sittenlehre kennen und vernünftige Vorschriften verstehen lernen soll; auch kluge Warnungen, Billigkeit, Recht und Rechtschaffenheit. Die Pflichten des Menschen müssen nach einer vernünftigen Ordnung und Methode vorgetragen werden. Erst die Pflichten gegen Gott, wohin die Liebe und die Ehrfurcht für Gott, das Wandeln in seinen Wegen, die Reinigkeit des Herzens, u. a. m. gehören. Dann die -Pflichten gegen die Landesfürsten, der Gehorsam gegen die Staatsgesetze, u. s. w. Ferner die Pflichten des Bürgers, des Ehemannes, u. s. w. Alles dieses erläutere man, so viel sich ungezwungen thun läßt, aus der heiligen Schrift und den Worten unserer Weisen. In diesem Lehrbuche muß der Verfasser besonders darauf Rücksicht nehmen, Religionshaß und Intoleranz gegen Andersdenkende als die abscheulichsten Ungeheuer zu schildern, um den Kindern ihre schädlichen Folgen in ihrem ganzen Umfangs zu zeigen." Diese Worte Wessely's hatten Erfolg, es erschienen von nun an eine Menge Lehrbücher der Religion *), doch Anfangs nur in jüdisch-deutschen Charakteren, theils um nicht anzustoßen, theils um die veröffentlichten Ideen *) Ich werde die jüdische Schulliteratur seit Mendelssohn nach vorheriger Beseitigung einiger anderer Schriftchen in einem umfassenden Werke vollständig besprechen.

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