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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-07-10 · Heft 29 (10.7.1848) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 29 (10.7.1848)
Date
1848-07-10
Page
Seite 420 (sequence 12)
Language
German
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4AV Paris, kann man sich leicht denken. - Lebet doch noch in unserm Herzen die Liebe für das Vaterland, das Vaterland, das wir, ungern, verlassen mußten, in unserm Geiste das Interesse an der alten Stätte der Geistesbildung, an diesem Europa, das von jeher so viel gedacht und gewollt und Nichts gethan. Wie uns zu Muthe ist? Wie dem, der vom sichern Strande ein mit Sturm und Brandung kämpfendes Schiff sieht, das ebenso nahe den scharfkantigen Klippen ist, an denen es scheitern wird, wie dem Hafen, in den es einlaufen kann und dann gerettet ist. Wir trauen dem Gange der Ereignisse nicht; wir sehen in Paris die junge Republik vom Strudel des Sozialismus, vom Wirbel verführter und leidender Arbeiterheere ergriffen, in Deutschland die junge konstitutionelle Monarchie von den Fangarmen der Reaktion umstrickt, in Neapel von den Kanonen des blutigen Tyrannen erschüttert; wir sehen über Europa statt des gestürzten Gespenstes des Absolutismus das Gespenst der Nationalität mit schwarzen, unheilschwangeren Wolken heraufsteigen — und wir haben kein Vertrauen. Es scheint da Alles zusammenzustürzen und in wirres Chaos sich vergraben zu wollen, pnd wie sollten wir Vertrauen haben, wenn wir Euch, theure Glaubensbrüder, nachdem man soeben die Freiheit stürmisch ausgerufen, hetzt und verfolgt, plündert und martert? Nein! die Freiheit muß vollständig und unbeschränkt eintreten, nur dann kann man sagen: sie ist gekommen; sie muß kommen mit ebenso vieler Achtung vor der Freiheit jedes Andern, als mit Verlangen nach eigener; sonst ist sie ein trügerisch Luftgebild. O, man wird Euch wieder einen Freiheitsknochen hinwerfen, und das Fleisch für sich behalten! So kommet zu uns herüber! kommet zu uns, die ihr noch die Zeit benutzen könnet, um nicht ganz von Mitteln entblößt zu sein; unterstützet die, die keine Mittel haben! Auch wir müssen sehr arbeiten, um unser täglich Brod zu erwerben; auch hier liegen Reichthum und Wohlleben nicht auf der Straße — aber wie schmeckt doch das Brod der Freiheit so süß! Kommet. Korrespondertz. Die Geschichte des jüdischen Schulwesens. Von Emanuel Hecht. (Schluß.) Sie wiesen sowol durch eignes Beispiel als Lehrer, wie durch zahlreiche Lehrbücher für die Schule und andere belehrende und aufklarende Schriften auf bessere Methodik und Disziplin hin und erhellten mit der Fackel ihres Geistes die finsteren Barracken ihrer Glaubensgenossen, kurz sie suchten Leben und Liebe für die Schule zu gewinnen. Wol ist es wahr, daß das speziell jüdische bei ihnen in den Hintergrund trat, ich meine die positive Religion mit ihren 'spezifischen Bestimmungen, zeremoniellen Gebräuchen und Observanzen; wol ist wahr, die Schulen wurden mehr und mehr statt Erziehungsnur. L eh ranstalt, man bestrebte nur die Jugend klüger zumachen. Man befreite nicht nur die Geistesbildung von den sie bis dahin drückenden Fesseln veralteter Methoden und Einrichtungen, man glaubte auch oft dem kindlichen jugendlichen Geist möglichst freien Spielraum zur Selbstbestimmung erstatten zu, müssen, um sie dann schneller zur Selbstständigkeit zu führen, und vernichtete so mit den die Geistentwickelung einengenden Schranken auch die Schranken des Glaubens und der Religion. Es wurden nur rationalistische, verneinende, humanisirende Zwecke angestrebt, für das Judenthum Erwärmendes, Begeisterndes und sohin Schöpferisches mangelte jedoch. Doch waren dies die nothwendigen Folgen des schnellen Ueberganges vom krassen Orthodoxismus zum Philantropismus, die Metamorphose machte dies zur Bedingung, und der Geist der Zeit ging dieselben Wege, auch in den christlichen Schulen wurde damals mehr auf Aufklärung als auf Erziehung gesehen, auch hier machte man Fortschritte in der Geistesbildung, aber häufig zum Nachteile der Erziehung, häuslich-religiösen Einrichtung und Anordnung. Vor Allem wies die Mendelssohnsche Schule auf die Notwendigkeit jüdischer Schulanstalten hin. „Niemand wird in Abrede stellen wollen," sagt der Polyhistor und gelehrte Lehrer Peter Beer, „daß der Same der Gotte stiebe und der als notwendige Folge daraus fließenden Sittlichkeit, früh in das Herz der Jugend gelegt werden muß, wenn er anders die gewünschten Früchte tragen soll. Das kindliche Alter ist schon darum zur Aufnahme religiöser Eindrücke am Fähigsten, weil alle

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