Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 29 (10.7.1848)
- Date
- 1848-07-10
- Page
- Seite 419 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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419 zu erwarten? Sicherlich nicht. Für uns wird Druck und Hohn nicht aufhören, und wenn Alles um uns frei wird, haben wir nur mehr Herren, und noch weniger Freiheit zu erwarten. Man wird leicht mit einem guten Rathe bei der Hand sein; man wird sagen: warum verlaffet Ihr ein solches Land nicht? Wenn dies armen Leuten, die vom Tage zu Tage leben möglich wäre. Woher die Mittel nehmen? Ja, wir wollen fort. Wohin? Doch nicht nach den Nachbarländern, wo wir nicht ausgenommen werden, wo wir aus dem Regen in die Traufe kommen? Also weitweg, nach Amerika. Aber wie dahin gelangen? Woher die Mittel, um die weiten Länderstriche bis zur Küste zu durchwandern, woher, um das Meer zu überfahren, mit Weib und Kind, woher, um an den fernen Strand nicht nackt geworfen zu werden? -Ja, wir sind hierorts, an dem Platze, den ich Ihnen bezeichne, 20 Familien bereit, die schreckensvolle Heimath zu verlassen, Menschen von Redlichkeit und Muth, von gesundem Verstände und Entschlossenheit. Ja, wir wollen gern in den Urwald dringen, und mit der Axt in der Hand der Natur den Boden abgewinnen, der für unsere Kinder wenigstens eine arbeitsvolle, aber behagliche Existenz, behaglich, weil frei und ehrenvoll, sichert — aber wie dahin gelangen? Wo bekommen wir Unterstützung? Wer giebt uns dort Grund und Boden? Wo finden wir Unterhalt, bis wir den Boden urbar gemacht? Vor diesen Fragen stehen wir, wer kann uns Antwort ertheilen? — Bonyhad, 9. Juni. Von hier aus enthält die Pesther Volks-Tribune folgenden Artikel: Wie tief bei den orthodoxen Rabbinen die Liebe und Anhänglichkeit zum Waterlande eingewurzelt ist, davon liefert Folgendes den Beweis. Der hiesige Rabbine, Herr M. Pereles, von den Neologen als Finsterling verschrieen, hielt in der letztem Zeit zwei feurige Reden, in welchen er seine Gemeinde, bei der dem Vaterlande drohenden Gefahr, zur Aufopferung mit Gut und Blut aneiferte; durch biblische und talmudische Stellen die Pflicht zurVertheidigung in begeisternden Worten darlegte und zur thätigen Hilfe ermahnte. Dieser Rabbine aus der alten Schule begnügte sich aber nicht mit leeren Worten, er ging mit lobenswerthem Beispiele voran, wenngleich nicht in den glänzendsten Verhältnissen und schon betagt, legte er dennoch bereitwilligst 11 Loth feines Silber auf den Altar des Vaterlandes. Gott segne den würdigen Seelenhirten, möge er noch lange inmitten seiner Gemeinde das Wort Gottes lehren, und zu edlen, patriotischen Gesinnungen anregen. Brill Sigmund. Nordamerika. Netv-Uork, 1. Juli. (Privatmitth.) Sei mir doppelt gegrüßt, zwiefach gesegnet, Banner mit den Sternenkranz der Unionsftaaten, seitdem Europa in den Geburtswehen einer neuen Freiheit kämpft! Ja, du hast deine Freiheit an die Sterne geknüpft, da ist sie sicher, wie die Sterne, da ist sie ohne Sturm und Schwanken, wie die Sterne, da ist sie strahlend wie die Sterne! Deine Freiheit schufest Du Dir, nachdem Du die äußeren Feinde, die Herrscher aus Europa, von Dir gewiesen, bestimmt und einfach. In Deinem Schdoße bärgest Du nicht Feinde der Freiheit, welche aus ihrem Sturze ihre alte absolute Macht, ihre Vorrechte der Geburt, ihre bureaukratische Herrschaft wieder hervorbringen wollten; in Dir ward die Freiheit sofort verstanden, als volle Bethätigung der Volkssouveränität, als Selbstregierung des Volkes, als Freiheit jeder Person, ohne Ausschließung, ohne Beschränkung; in Dir ward die Freiheit nicht von der Nationalität erwürgt, Jeder, der Deinen Boden betritt, ist frei, und kennet in dieser Freiheit keine Nation, sondern allein den Staat, der Mm dieselbe gegeben, die Union; in Dir ward die Freiheit nicht von den Wahngebilden des Sozialismus und Kommunismus erdrückt und umstürmt, sondern die Freiheit ward erkannt als Gegnerin jedes Despotismus, jeder Gewaltthätigkeit, die der natürlichen Freiheit des Individuums entgegentritt. Seit dem 17. September 1787, also über 60 Jahre bestehet Deine Freiheit, während Europa in die fürchterlichsten Kämpfe versank, und bis heute noch nichts Dauerndes erreicht hat, wo sind die Revolutionen, die in Dir gewesen wären, wo die Anarchie und Reaktion, die in Dir emporgekommen wären? Nicht dem Namen nach kanntest Du Solche! Du blühest und wächst, und empfängst jährlich die Segenswünsche Hunderttausender, die in Dir eine Zufluchtsstätte suchen und finden. Mit welchem Jnterresse wir hier die Bewegungen in Europa verfolgen seit der Februarrevolution in